Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Kaffeeplantage’ Category

Rwanda, Huye District/Süd-Provinz, 16. Mai 2014. Unsere Fahrt führte quer durch den Berg-Regenwald auf der asphaltierten Fernstraße, die von Cyanguru an der Westgrenze Ruandas nach Butare im Süden Ruandas führt. Sie ist Teil der Fernstraße von Mombasa/Kenia (wichtigste Hafenstadt Ostafrikas, auch für den Kaffeehandel mit Ruanda) über Nairobi, Kampala (Hauptstadt Ugandas) und Kigali nach Bukavu/Cyangugu.

Vollbartmeerkatze am Straßenrand

Vollbartmeer-Katzen begegneten uns am Straßenrand

Vollbartmeerkatzen leben vorwiegend auf dem Boden, sind tagaktiv

Vollbartmeer-Katzen leben vorwiegend auf dem Boden, sind tagaktiv

Unser Ziel war die auf 1.750 m hoch gelegene KOAKAKA Cooperative in Karaba im District Huye, Southern Province.

KOAKAKA Cooperative in Karaba im District Huye

KOAKAKA Cooperative in Karaba im District Huye

Wie überall in Ruanda wird die Arabica-Sorte Bourbon Mayaguez (RED BOURBON) angebaut, und auf einer Höhe von 1.700 bis 2.000 m ü.d.M. nur per Hand selektiv (rote Kirschen) gepflückt.

Gerade angekommen und direkte Konzentration auf die neuen Informationen

Gerade angekommen und direkte Konzentration auf die neuen Informationen

KOAKAKAs Geschichte begann im Jahr 2002, als drei Farmer einen Zusammenschluss planten, der sie in der Süd-Provinz stärker machen sollte.
Zwei Jahre später entstand aus dem Zusammenschluss eine Genossenschaft (Cooperative), was bedeutet, dass die Mitglieder die Eigentümer des Gemeinschaftsunternehmens sind. Firmiert wird unter dem Namen KOAKAKA, oder auch Karaba Coffee Growers Cooperative. Seither ist KOAKAKA von 867 (davon 240 Frauen) auf rund 2.000 Mitglieder gewachsen.

KOAKAKA Cooperative in Karaba

KOAKAKA Cooperative in Karaba

Der General Manager gibt uns ein allgemeines Briefing zur zur Cooperative und zu Lieferanforderung der frisch gepflückten Kirschen

Der General Manager gab uns ein allgemeines Briefing zur Kooperative und zur Anlieferung von frisch gepflückten Kirschen

Der General Manager und später der „Chief Technician Quality Controller“ der Kooperative führten uns durch den Prozess der Nass-Aufbereitung. Hier hatten wir den Eindruck ein besonders sorfältiges Processing zu erleben. Wenn ein Farmer seine Ernte liefert, wird die Ware erst gewogen, dann die Qualität geprüft.

Wiegen

Wiegen

geprüfte Qualität

Geprüfte Qualität

Alle relevanten Daten werden erfasst

Alle relevanten Daten werden schriftlich erfasst

Alle grünen und überreifen Kirschen werden aussortiert. Und es wird wieder gewogen. Das Ergebnis wird schriftlich festgehalten.
Der Farmer und das Verwaltungsbüro erhalten eine Durchschrift mit allen relevanten Daten (individueller Code für die Einlieferung, der den gesamten Prozess begleitet, Namen des Farmers, Bankkontodetails, Sektor, District, Washing-Station, Summe die bezahlt wird, Preis pro Kilogramm, hier aktuell 270 F/1 kg Kirschen.  Anmerkung: Je nach Verkaufserfolg sollen die Farmer am Ende der Saison eine Prämie erhalten, die zwischen 55 und 100 Ruandische Francs pro kg liegen). Danach werden die Kirschen in einen Wasserbassin vorsortiert.

Entpulpungsmaschine

Entpulpungsmaschine

Die schweren, guten Kirschen wandern in den Entpulper. Blätter, Geröll und die Floaters, also die Kirschen, die oben schwimmen, werden ausselektiert. In der Entpulpungsmaschine können 3 Tonnen Kirschen in der Stunde verarbeitet werden. Sie werden in drei Qualitäten nach der Entpulpung getrennt. Eine Rüttelsiebmaschine trennt die Bohnen in drei Größen. Gleichzeitig wird nach Dichte selektiert. In A1-, A2- und A3-Qualität. Je schwerer desto besser die Qualität.

Kirschen marsch…

Kirschen marsch…

 

Das Entpulpen startet…

Das Entpulpen startet…

Die Rüttelsiebe sorgen für eine qualitative Vorselektion

Die Rüttelsiebe sorgen für eine qualitative Selektion

Die Qualitäten werden separiert. Hier die A1 Qualität

Die Qualitäten werden separiert. Hier die A1-Qualität

Jede Qualität wird separat fermentiert. In der ersten Stufe für 15 bis 18 Stunden ohne Wasser. Sonst würde die Pulpe, die teilweise noch an den Bohnen haftet, sich negativ auf das Aroma auswirken.

Jede Qualität wird separat fermentiert. In der ersten Stufe für 15 bis 18 Stunden ohne Wasser.

Jede Qualität wird separat fermentiert. In der ersten Stufe für 15 bis 18 Stunden ohne Wasser.

In der zweiten Fermentationsphase wird der Kaffee mit Quellwasser gereinigt

In der zweiten Fermentationsphase wird der Kaffee mit Quellwasser gereinigt

In der zweiten Fermentationsphase wird der Kaffee mit Quellwasser gereinigt und für 19 bis 24 Stunden nass fermentiert. Der Wasseraufwand für 3 Tonnen Kirschen beträgt ca. 3.700 Liter Wasser.

Und für 19 bis 24 Stunden nass fermentiert.

19 bis 24 Stunden nass fermentiert

Nass-Fermentation separiert nach Qualitäten

Nass-Fermentation separiert nach Qualitäten

Dann kommen die Parchments auf die Trockenbetten. Vorher werden sie auf Fehlbohnen händisch geprüft.

Hier werden Fehlbohnen selektiert. Jedes Lot hat seinen eigenen Code-Zettel

Jedes Lot hat seinen eigenen Code-Zettel

Mühevolle Handarbeit, die viel Konzentration erfordert

Mühevolle Handarbeit, die viel Konzentration erfordert

Bis zu 4 Wochen bleiben sie unter regelmäßigem Wenden draußen auf den Trockenbetten. Die schwarze Folie unten drunter schützt in der Nacht vor der Kälte. Bis sie eine exakte Restfeuchte von 12 Prozent erreicht haben. Im Lagerhaus werden die Parchments zwischengelagert.

Bis zu 4 Wochen bleiben die Parchments auf den Trockentischen und werden regelmäßig gewendet

Bis zu 4 Wochen bleiben die Parchments auf den Trockentischen und werden regelmäßig gewendet

Regelmäßige Messung der Restfeuchte; hier waren es noch 15 %

Regelmäßige Messung einer 165-g-Probe auf ihre Restfeuchte; hier waren es noch 15 Prozent

Muster werden von jedem Lot gezogen und bei Rwascoscco (Exportpartner) in Kigali geröstet sowie auf ihr Cup-Profil hin verkostet und bewertet. Erst dann werden die Lots, die zusammen passen, gemischt und für den Export in eine Dry Mill transportiert. Rohkaffee-Samples werden an den Export-Partner versendet.

Vorbereitete samples für die Definition des Cup-Profils

Vorbereitete Samples für die Definition des Cup-Profils

Selbstredend hat diese Kooperative vorderste Plätze beim nationalen Cup of Excellence gewonnen und ihren letzten Lot zum Beispiel für 19 US$/lb versteigern können.

Regelmäßige Cup-of-Excellence-Sieger

Regelmäßige Cup-of-Excellence-Sieger

Der Ablauf des sehr präzisen detailierten Prozesses hatte mich überzeugt. Nach der Führung war ich sehr gespannt, wie ein Kaffee von dieser Washing-Station tatsächlich schmeckt.

Überzeugende Präsentation. Kompliment

Überzeugende Präsentation. Kompliment

+++ +++ +++

Rwanda, Kigali, am nächsten Tag, 17. Mai 2014 hatten wir bei Rwashascco und KZNoir die Gelegenheit an einem phantastischen Cupping ausgewählter Kaffees teilzunehmen.

Cupping bei KZNoir

Cupping bei KZNoir

Cupping-Vorbereitung

Cupping-Vorbereitung

Zu meiner Freude schmeckte in der Blindverkostung der Koakaka-Kaffee aus den Huye Mountains am besten (Orangen- und Citrusnoten, schöne Fruchtsüße, balanced, clean, samtig, fruchtiger Nachgeschmack) und auch bei der professionellen Cup-Tasterin und Qualitäts-Controllerin Laeticia Mukandahiro punktete der Kaffee am besten.

Cup-Tasterin und Qualitäts-Controllerin Laeticia Mukandahiro

Cup-Tasterin und Qualitäts-Controllerin Laeticia Mukandahiro

Laeticia Mukandahiro

Laeticia Mukandahiro

Die große Mühe lohnt sich also, dachte ich bei mir.

Mit verblüffenden, unglaublich schönen (Kaffee-)Eindrücken machten wir uns am Nachmittag auf den Weg zum Flughafen. Überhaupt erstaunten mich die Menschen, wie warmherzig, fürsorglich und gastfreundlich sie hier in diesem wunderschönen Land sind.

Ich kann nur jedem empfehlen, dieses Land einmal zu besuchen. Egal wo oder wann ich irgendwo war, ich fühlte mich stets sicher.

Meinen Dank möchte ich an Nicole Pilz von der BSOC für ihre exzellente Organisation richten. An alle Ruander für ihre warmherzige Gastfreundschaft.
Und besonders möchte ich mich bei SAM, Roger und Jacques bedanken, die mir nicht nur mein Herz für Ruanda öffneten, sondern in denen ich wunderbare Freunde fand, die ich nie missen möchte.

Samuel Muhirwa (li.)

Samuel Muhirwa (li.)

Jaques Nshimyumukiza

Jacques Nshimyumukiza

Roger Niyonshuti

Roger Niyonshuti (re.)

Von Kigali ging es am Abend mit Zwischenlandung in Entebbe/Uganda zurück nach Brüssel, wo wir um kurz vor 06:00 Uhr am Sonntagfrüh, 18. Mai 2014 landeten. Nach 3 Stunden Aufenthalt und den Eindrücken des plötzlich wahrgenommenen „Überflusses“ startete bei Sonnenschein mein Flugzeug nach Berlin-Tegel.
Pünktlich um 11:40 Uhr landete ich in der regnerischen Heimat.
Freunde holten mich am Flughafen ab. Es ist auch schön wieder daheim zu sein.

Murakoze. Murabeho Rwanda. Danke und Auf Wiedersehen Ruanda. Land der tausend Hügel.

Murakoze Rwanda. Murabeho Rwanda

Murakoze Rwanda. Murabeho Rwanda

Alle Rechte an Fotos und Texten liegen bei ©kaffeewacht : Axel R. Bollmann.

Read Full Post »

Rwanda, Kibuye City/West Provinz, 14. Mai 2014. Hotel Bethanie. Frühstück direkt am Lake Kivu.

Frühstück im Hotel Bathanie direkt am Kiwu-See mit Blick auf eine Fledermaus-Insel

Frühstück im Hotel Bathanie direkt am Kivu-See in Kibuye. Mit Blick auf eine Fledermaus-Insel (Mitte)

Heute ging es zum „Kaffeekirschen pflücken“ zur Washing-Station Karengera im Nyamasheke District in der West Provinz. Samuel Muhirwa (SAM), Operational Manger von KZNoir Ltd. begleitete uns auf dieser Reise.

Nicole P. von der BSOC (Trip Managerin) und Samuel Muhirwa (re.)

Nicole Pilz von der BSOC (Coffee Trek Managerin) und Samuel Muhirwa (re.)

Einige Stunden Fahrt lagen vor uns. Immer entlang des Kivu-Sees im Süd-Westen Ruandas.

”Land der Tausend Hügel" kann ich sprichwörtlich bestätigen

”Land der Tausend Hügel“ kann ich sprichwörtlich bestätigen

Nach Karengera geht es immer entlang des Kiwu-Sees

Nach Karengera geht es immer entlang des Kivu-Sees

Atemberaubender Blick auf den Kiwu-See

Atemberaubender Blick auf den Kivu-See

Dann hieß es auf einer Höhe von 1.800 m ü.d.M.: „Nur die reifen roten Kirschen. Keine grünen, keine überreifen. Und nicht die Stengel mit abreißen“ So wurden wir in unseren Pflückdienst auf der Kaffeeplantage eingewiesen. Wir begriffen schnell, wie anstrengend es ist, in den Hängen einer Plantage präzise und ausdauernd zu ernten. Hohen Respekt allen Pflückern!

Kaffeekirschen pflücken mit SAM

Kaffeekirschen pflücken mit SAM

 

Jeder sucht sich einen Platz zum pflücken

Jeder sucht sich einen Platz zum pflücken

Halt finden, Kirschen sichten, nur die Roten pflücken

Halt finden, Kirschen sichten, nur die Roten pflücken

Auf der Kirsch-Pirsch. Nur die besten zählen

Auf der Kirsch-Pirsch. Nur die besten zählen

Zwischenergebnis

Zwischenergebnis

Stolz und glücklich auf dem Weg zur Washing Station

Stolz und glücklich auf dem Weg zur Washing-Station

Neugierige Beobachter

Neugierige Beobachter

Die gleichnamige Kooperative Karengera (2 Washing-Stations) ist übrigens ein Pionier im ruandischen Kaffeesektor. Sie erlangten als erste die „Rain Forest Alliance“ Zertifizierung.
Auch hier wurde uns genau der Prozess der Nass-Aufbereitung (nur tagesaktuelle Ernte, Wiegen, Selektieren, wieder Wiegen, Entpulpen, Fermentation, Säuberung, Selektion von Fehlbohnen, Sonnen-Trocknung auf den Tischen) genau erläutert. Wir sind wieder beeindruckt.

Info-Tafel für die Farmer/Pflücker am Eingang, dass zum Beispiel nur die tagesaktuelle Ernte geliefert werden darf uvm.

Info-Tafel für die Farmer/Pflücker am Eingang, dass zum Beispiel nur die tagesaktuelle Ernte geliefert werden darf uvm.

Die Entpulpungsmaschine, das maschinelle Herzstück jeder Washing Station

Die Entpulpungsmaschine, das maschinelle Herzstück jeder Washing-Station

250 bis 300 Säcke à 60 kg Parchments werden hier in der Hochsaison hergestellt

250 bis 300 Säcke à 60 kg Parchments werden hier in der Hochsaison hergestellt

Wichtiger Arbeitsgang bevor die Parchments auf die Trockenbestten kommen: Fehlbohnen selektieren

Wichtiger Arbeitsgang, bevor die Parchments auf die Trockenbetten kommen: Fehlbohnen selektieren

fehlerhafte Bohnen werden aussortiert

Fehlerhafte Bohnen werden aussortiert

2.800 Farmer liefern hier in der Hochsaison 1.000 t Kirschen an. 2 Tonnen täglich. Daraus werden 250 bis 300 Säcke à 60 kg Parchments hergestellt. Von jedem Lot wird 1 kg als Muster genommen und zu KZNoir nach Kigali geschickt. Jedes Muster wird im Labor geröstet und von den geschulten Cup Tastern verkostet. Erst dann wird entschieden, welche Lots zusammen passen und gemischt werden können.

Müde und hungrig werden wir zu einem köstlichen Lunch in das Privathaus von Samuel Muhirwa Familie, beziehungsweise der Mutter eines Cousins von Sam, eingeladen, die ganz in der Nähe der Plantage leben. Sehr herzlich und freundlich wurden wir aufgenommen. Es gab „Brochettes“ (Fleischspieße), „Sambasa“ (kleine frittierte Fische), gegrillte Bananen, gekochte Maiskolben und frische, saftige Ananas, so aromatisch, wie ich sie noch nie zuvor gegessen hatte.

Eingeladen bei Freunden

Eingeladen bei Freunden

Wir fühlen uns wie die Könige. Köstliche Speisen.

Wir fühlen uns wie die Könige. Köstliche Speisen.

Ein herzliches Danke Schön. Abschied nehmen von Freunden

Ein herzliches Danke Schön. Abschied nehmen von Freunden

Ich hatte mich endgültig in dieses Land und vor allem in dessen wundervollen Menschen verliebt.

friends forever

friends forever

+++ +++ +++

Rwanda, Nyungwe Nebelwald/im Süd-Westen, 15. Mai 2014. Am nächsten Tag machten wir eine „Kaffeepause“.

Übernachtungs-Bungalows im “Peace Guest House”

Übernachtungs-Bungalows im “Peace Guest House”

Von unserem Hotel „Peace Guest House“, in der Nähe des Hafens Cyangugu direkt am Kiwusee fuhren wir zu dem immergrünen Berg-Regenwald im Südwesten Ruandas. Er gilt als der größte zusammenhängende Bergwald in Ost- und Zentralafrika. Wir nahmen an einer zweistündigen geführten Wandertour durch den Nyungwe-Wald teil. Ausgangspunkt war die Station in Uwinka.

Ausgangspunkt war die Station in Uwinka

Ausgangspunkt war die Station in Uwinka

geführte Wandertour durch den Nyungwe-Wald

geführte Wandertour durch den Nyungwe-Wald

Blick über die Baumkronen des Berg-Regenwaldes

Blick über die Baumkronen des Berg-Regenwaldes

Zauberhafte Blütenwelt im Regenwald

Zarte Blütenwelt im Regenwald

Hinweis auf Bäume und Pflanzen mit Heilkraft zum Überleben im Nebelwald

Hinweis auf Bäume und Pflanzen mit Heilkraft zum Überleben im Nebelwald

Keine Schlange. Ein Wurm

Keine Schlange. Ein Wurm

Beeindruckende Pflanzwenwelt

Beeindruckende Pflanzwenwelt

Unsere Tour führte zu einem Baumkronenpfad im Park, dem „Canopy walkway“. Bei der Überquerung der dreiteiligen Hänge-Brücke hatten wir einem atemberaubenden Blick über die Baumkronen und hinunter in die Tiefe des Waldes. Nur die Schimpansen und andere Primaten machten sich rar.

dreiteiliger Canopy Walkway über die Baumkronen

Dreiteiliger Canopy Walkway über die Baumkronen

Ein letzter Blick. Atemberaubend schön.

Ein letzter Blick. Atemberaubend schön.

Beeindruckt von der Pflanzenvielfalt fuhren wir anschließend in Richtung unseres nächsten Hotels. Ein phantastisches Highlight. Eine wunderschöne Lodge inmitten einer Teeplantage. Die „Nyungwe Forest Lodge“.

Ankunft “Nyungwe Forest Lodge”

Ankunft “Nyungwe Forest Lodge”

Schwimmbad mit Blick in den Regenwald

Schwimmbad mit Blick in den Regenwald

Begrüßt wurden wir mit einem fruchtigen Cocktail und einem Melonenspieß. Die Pässe übergaben wir im Kaminzimmer und wurden direkt zu einem köstlichen Lunch gebeten. Unsere Koffer wurden währenddessen auf unsere luxuriösen Bungalows gebracht. Jeder Teilnehmer bekam seine eigene kleine Luxusvilla mit allen erdenklichen Schikanen und Annehmlichkeiten.

Dort unten lagen unsere Luxussuiten. Was für ein Erlenbis, das wir nie erwartet hätten

Dort unten lagen unsere Luxussuiten. Was für ein Erlenbis, das wir nie erwartet hätten

Hier wären wir alle noch ein paar Tage länger geblieben. Am Abend protokollierten wir gemeinsam die bisherigen Besuche auf den Washing-Stations. Und verkosteten einen frisch zubereiteten Spezialitätenkaffee in der AeroPress mit „integriertem Press-Service“ durch Nicole.

Feiner Spezialitätenkaffee, exklusiv zubereitet in der AeroPress

Feiner Spezialitätenkaffee, exklusiv zubereitet in der AeroPress

Eine letzte besondere Station auf unserem Rwanda Coffee Trek erwartete uns am nächsten Tag. Fortsetzung folgt… letzter Teil 5

Alle Rechte an Fotos und Texten liegen bei ©kaffeewacht : Axel R. Bollmann.

 

Read Full Post »

Rwanda, Gisenyi/Rubavu (West Province), 13. Mai 2014, Gisenyi im District Rubavu ist Grenzstatdt zur D.R. Congo.

Auf dem Weg zu Coopac in der Grenzszadt Gisenyi machen wir einen Abstecher zum Grenzübergang. Alles ruhig.

Auf dem Weg zu Coopac in der Grenzszadt Gisenyi machen wir einen Abstecher zum Grenzübergang. Alles ruhig.

Heute stand der Besuch und ein Cupping bei Coopac an.
Diese Kooperative hat sich auf das Kaffee-Anbaugebiet in der Gisenyi-Region (Ack, Ubuzima, Tuzamurane, Kopabm, Abakundskurima und Abanyamurava) konzentriert. Fruchtbare, vulkanische Böden auf einer Höhe von 1.500 m bis 1.900 m ü.d.M. sowie regelmäßiger und reichlicher Regen sind charakteristisch für diese Region.

Eingangstor zum Firmengeländer der Coopac in Gisenyi

Eingangstor zum Firmengeländer der Coopac in Gisenyi

Die Firmenzentrale von Coopac befindet sich in der Stadt Gisenyi, am Ufer des Kivu-Sees, direkt an der Grenze zur D.R. Congo.

Emmanuel Rwakagara Nzungize, Gründer und Chairman von Coopac (Cooperative pour la Promotion des Activities Cafe), kam nach 40 Jahren aus dem Exil in der D.R. Congo zurück in seine Heimat Rwanda und gründete 2001 die Coopac mit rund 100 Mitgliedern. Heute hat die Kooperative weit über 5.000 Mitglieder. Bereits in 2003 wurde die erste eigene Washing-Station (Nass-Aufbereitungsanlage) gebaut. Heute gibt es vier Stationen, die zur Kooperative gehören. Seit 2011 werden die Farmer auch in BIO-Anbaumethoden weitergebildet.

Emmanuel Rwakagara Nzungize (li.), Gründer und Chairman von Coopac

Emmanuel Rwakagara Nzungize (li.), Gründer und Chairman von Coopac

Auf dem Gelände der Zentrale besuchten wir zuerst die Dry Mill. Hier werden die Parchments auf ihre Restfeuchte (12 %) noch einmal stichprobenartig geprüft und dann von ihren Silberhäutchen zu dem grünen Rohkaffee gewandelt, der nach frischem Heu riecht.

Wie aus Parchments  (mit Silberhäutchen) Rohkaffee wird

Wie aus Parchments (mit Silberhäutchen) Rohkaffee wird

Wie aus Parchments grüner Rohkaffee wird, der nach frischem Heu duftet

Wie aus Parchments grüner Rohkaffee wird, der nach frischem Heu duftet

Wir lernten, dass es drei verschiedene Qualitäten gibt. A1-Qualität mit einer Bohnen-Größe von 15 bis 18 mm Durchmesser, A2-Qualität auch mit einer Bohnen-Größe von 15 bis 18 mm und eine A3-Qualität, die für den lokalen Markt und bestimmte Exportländer, wie die Schweiz bestimmt sind.
Der von den Silberhäutchen gereinigte Rohkaffee geht anschließend noch einmal durch eine Qualitätskontrolle nach Kigali, wo Fehlbohnen per Hand aussortiert werden.

Sortieranlage in der Dry Mill in den Bohnen-Größen 15 mm, 16 mm , 17 mm und 18 mm

Sortieranlage in der Dry Mill in den Bohnen-Größen 15 mm, 16 mm , 17 mm und 18 mm

Frisch sortierter Rohkaffee in der Coopac Dry Mill

Frisch sortierter Rohkaffee in der Coopac Dry Mill

Anschließend wurden wir in das Cupping-Labor von Coopac eingeladen. Unglaubliche 16 verschiedene Spezialitätenkaffees aus der Gisinyi-Region und eine Spezialität aus der D.R. Congo wurden für uns aufbereitet. Wir waren überwältigt.

Cupping-Labor von Coopac 17 verschiedene Spezialitätenkaffees sollten verkostet werden

Cupping-Labor von Coopac 17 verschiedene Spezialitätenkaffees sollten verkostet werden

Cupping-Labor von Coopac: 17 verschiedene Spezialitätenkaffees wurden vorbereitet

Cupping-Labor von Coopac: 17 verschiedene Spezialitätenkaffees wurden vorbereitet

Cupping-Labor von Coopac: 17 verschiedene Spezialitätenkaffees wurden verkostet

Cupping-Labor von Coopac: 17 verschiedene Spezialitätenkaffees wurden verkostet

Die Aromen reichten von floral, süßen roten Beeren über gelbe Citrusfrüchte bis hin zu schokoladig-nussigen Noten. Süß und zumeist vollmundig im Geschmack. Rund und clean die A1-Qualitäten. Ein Cup-Profil hatte mir persönlich besonders gut gefallen. Ein fully-washed „Nyabumena“.

Mein Favorit: Ein fully-washed "Nyabumena"

Mein Favorit: Ein fully-washed „Nyabumena“

Schöne rote Fruchtnoten, intensive Süße, vollmundig, balanced, clean mit einem schönen langen Abgang. Der Preis: 3.50 US$/lb. Ich erhalte ein Sample. Neun washed A1-Qualitäten, sieben washed A2-Qualitäten hatten wir verkostet. Fantastisch.

Und die Nr. 17 war die exotische Überraschung für uns alle. Eine natural dryed Spezialität von einer Bioplantage vom Gishamwana Island auf dem Kivusee!
Die Plantage gehört Emmanuel Rwakagara Nzungize selbst. Ein suuuper fruchtiger Kaffee mit einer intensiven Süße, vollmundig im Geschmack. Ich war und bin begeistert!

Mein Held: Eine "natural dryed" Spezialität von einer Bioplantage vom Gishamwana Island auf dem Kiwu-See

Mein Held: Eine „natural dryed“ Spezialität von einer Bioplantage vom Gishamwana Island auf dem Kivu-See

Da er deutlich herausfällt und dazu natural dryed ist, wollten wir natürlich mehr wissen.
Wir erfuhren, dass Spezialitätenkaffees im direkten Kundenauftrag – hier wohl ein belgischer  Auftraggeber – auch natural dryed weiterverarbeitet werden dürfen.
Das war für uns neu und ist auch für das Herkunftsland Ruanda neu, das sonst strikt washed coffees produziert.
Dieser Exot hatte natürlich auch seinen Preis. Im Unterschied zu den durchschnittlich 3 US$/lb sollte dieser UTZ-, Fair-Trade-, organic- und Rainforest-Alliance-zertifizierte Spezialitätenkaffee 5 US$/lb kosten. Es gab auch nur eine begrenzte Menge: 1 Container, also 300 Sack à 60 kg wurden produziert. Ich nahm ein 200 g Sample mit nach Deutschland. Dafür müsste es einen Abnehmer unter den anspruchsvollen Micro-Röstereien in der Heimat geben.

Nicht überrascht fanden wir  auch hier eine ganze Reihe an Cup of Excellence Auszeichnungen.

Eine von vielen Cup of Excellence Auszeichnungen bei Coopac

Eine von vielen Cup of Excellence Auszeichnungen bei Coopac

Vorerst gesättigt mit vielen exzellenten Geschmackseindrücken machten wir uns wieder auf den Weg. Mit einem kurzen Zwischenstopp für ein Mittagessen am Kivu-See.

kleines Mittagessen am Kiwu-See

kleines Mittagessen am Kivu-See

Frischer Fisch aus dem Kiwu-See auf dem Grill

Frischer Fisch aus dem Kivu-See auf dem Grill

Weiter ging die Fahrt entlang des Kiwu-Sees

Weiter ging die Fahrt entlang des Kivu-Sees

Auf der Route des Congo Nile Trails

Auf der Route des Congo Nile Trails

Vorbei an unzähligen, grünen Hügeln. Mit kleinen Washing Stations, Gehöften, Lehmhütten oder bewirtschafteten Feldern

Vorbei an unzähligen, grünen Hügeln. Mit kleinen Washing-Stations, Gehöften, Lehmhütten und bewirtschafteten Feldern

Ziel war die älteste (1959) und einer der größten Washing-Stations Ruandas. NKORA/Caferwa Coop, die zu KZNoir gehört.

NKORA st die älteste Washing Station in Rwanda

NKORA st die älteste Washing-Station in Ruanda

NKORA-Anlegestelle für den Schifftransport der fertigen Exportware nach Gisenyi/Rubavu

NKORA-Anlegestelle für den Schifftransport der fertigen Exportware nach Gisenyi/Rubavu

Auf einer Höhe von 1.850 m ü.d.M. liegt diese Station direkt am Kivusee. Aus 1.500 t Kaffeekirschen werden 300 t Parchments im Jahresdurchschnitt weiter verarbeitet. In der Hochsaison arbeiten hier 350 Kräfte. Speziell für uns konnten wir live die Nassaufberietung einer gerade gelieferten kleinen Lieferung eines Farmers mitverfolgen. Über das Wiegen, das Selektieren, erneut Wiegen, Quittierung (270 F/pro kg), Entpulpung, Selektion nach Qualität, Fermentation, Säuberung und die Trocknung auf Tischen unter der Sonne.

Nach dem Wiegen und der Qualitätskontrolle erfolgt eine Selektion der grünen Bohnen

Nach dem Wiegen und der Qualitätskontrolle erfolgt eine Selektion der grünen Bohnen

Zum Abschluss wurden wir zu einer Kaffeezeremonie eingeladen. Frische Parchments wurden erst gesiebt, mit einem runden schweren Holz gestampft. So wurde der Rohkaffee von den Silberhäutchen getrennt. Anschließend wurden die Bohnen in einem Topf über einem offenen Feuer dunkel, teilweise schwarz, geröstet. Mit einem Stein auf einer rauhen Holz-Unterfläche sehr fein zermahlen. Schlussendlich durch ein einfaches Haushaltssieb aufgebrüht. Fertig. Von uns allen sofort neugierig verkostet.

Kaffeezeremonie auf NKORA, von der Ernte in die Tasse

Kaffeezeremonie auf NKORA, von der Ernte in die Tasse

Kaffeezeremonie auf NKORA, hier wird noch von Hand geröstet

Kaffeezeremonie auf NKORA, hier wird noch von Hand geröstet

Kaffeezeremonie auf NKORA, hier wird noch von Hand geröstet

Kaffeezeremonie auf NKORA, hier wird noch von Hand geröstet

Kaffeezeremonie auf NKORA, das Röstergebnis wird noch abgekühlt

Kaffeezeremonie auf NKORA, das Röstergebnis wird noch abgekühlt

Kaffeezeremonie auf NKORA; gemahlen und aufgegossen

Kaffeezeremonie auf NKORA; gemahlen und aufgegossen

Wunderbar. Verblüffend schmackhaft, nicht verbrannt. Und viel besser als so mancher Industrie-Röstkaffee bei uns zu Hause.

Trockenbetten auf NKORA

Trockenbetten auf NKORA

Die Sonne war bereits untergegangen, als wir uns auf den Weg nach Rusizi machten, das ganz im Süden im Dreiländereck (D.R. Congo, Burundi, Ruanda) liegt. Fortsetzung folgt

Alle Rechte an Fotos und Texten liegen bei ©kaffeewacht : Axel R. Bollmann

Read Full Post »

Kigali, 12 Mai 2014. Unsere erste Station auf unserem coffee trek war NAEB.

NAEB National Agricultural Export Development Board

NAEB National Agricultural Export Development Board

Das National Agricultural Export Development Board. Wir besuchten die Divison Coffee. Begrüßt wurden wir von Dr. Gatarayiha Mutimura Celestin. Er ist Head of Coffee Division und gab uns einen Überblick über den Kaffeemarkt in Ruanda.

Auf 43.000 Hektar (430 qkm) werden 20.000 t Rohkaffee produziert. Das entspricht einem Anteil von ca. 0,2 Prozent am Weltmarkt. Ruanda, etwa so groß wie Brandenburg, hat sich bedingt durch seine Größe auf den Spezialitätenkaffee-Markt fokussiert. Es ist aber wohl vor allem dem sogenannten PEARL-Projekt zu verdanken, dass sich eine qualitativ hochwertige und privat organisierte Spezialitätenkaffee-Industrie in Ruanda entwickeln konnte. PEARL ist eine kooperative Zusammenarbeit der  Texas A&M, der U.S. Agency for International Development und Rwanda’s Ministry of Education.

Seit 2000 bildet PEARL junge ruandische Studenten im Bereich Agrarwissenschaften, Cupping und Qualitätsmanagement aus. Die meisten Menschen mit Erfahrung in diesem Bereich waren durch den Genozid 1994 geflohen oder umgekommen. PEARL baute auch neue „Washing-Stations“. Diese gibt es in Ruanda erst seit 2002 und sind ein wesentlicher Bestandteil der eingeschlagenen Qualitäts-Strategie. Im Vergleich zu 1990 verkauft man aktuell deutlich weniger Kaffee, dafür aber einen qualitativ hochwertigen, höherpreisigen Kaffee als vor dem Genozid. PEARL unterstützte auch die Gründung von Kooperativen, die der Schlüssel zur Neuasurichtung waren. Denn Kooperativen geben den Kaffee-Farmern mehr Kontrolle über ihren ökonomischen Erfolg und über die qualitative Weiterentwicklung des Kaffeeanbaus.

Die Preisentwicklung von Kirschen und Parchments für die Farmer zeigt nach oben (Stand: 2011)

Die Preisentwicklung von Kirschen und Parchments für die Farmer zeigt nach oben (Stand: 2011)

Die rund 400.000 Farmer bauen ausschließlich die Arabica Sorte Bourbon Mayaguez, allgemein RED BOURBON genannt (eine Bourbon Unter-Varietät) an. Die Arabica-Varietät Bourbon stammte ursprünglich aus dem Jemen und wurde von den Franzosen auf der Insel Bourbon (heute Réunion) angebaut. Deutsche Missionare haben der Legende nach diese Bourbon-Untersorte 1903 nach Ruanda gebracht.

Neue Varietäten sind in der Erprobung. Nach Angaben von Dr. Celestin handelt es sich um „BM 71“ und „BM 72“. Es sollen Unter-Varietäten der Bourbon sein. Dazu die Population „POP 139“. Ein Hybrid oder eine Varietät aus Portugal (tiefergehende Recherche erforderlich).

Der beste Kaffee soll aus der West-Provinz Ruandas kommen

Der beste Kaffee soll aus der West-Provinz Ruandas kommen

Die besten Anbaugebiete für ruandischen Spezialitätenkaffee sollen in der West-Provinz liegen, 1.600 m bis 2.000 m ü.d.M., entlang des Kivu-Sees. 50 % des gesamten Kaffeeanbaus befinden sich im Westen. Bedingt durch den begrenzten Platz soll der Anbau von neuen Kaffeesträuchern – Aufzucht in Baumschulen – staatlich koordiniert und kontrolliert sein.

Landesweit gibt es nach Angaben von NAEB rund 225 sogenannte „Washing-Stations“ (Nassaufbereitungsanlagen). Hier wird der Kaffee von den Farmen angeliefert, geprüft, entpulpt, gewaschen, fermentiert, wieder gewaschen, auf Fehler untersucht und anschließend auf sogenannten „Betten“ bis zu 4 Wochen sonnengetrocknet.
75 Prozent des Kaffees ist „fully-washed“ und 25 % ist semi-washed. Letzterer ist der sogenannte „ordinary coffee“ der in die Schweiz exportiert und in kleinen Mengen auf dem lokalen Markt verkauft wird.

Zu Besuch bei Dr. Celestin, Head of Coffee Division (2. v.l.)

Zu Besuch bei Dr. Celestin, Head of Coffee Division (2. v.l.)

Die hochwertigen fully-washed Spezialitätenkaffees werden nach Japan, USA, Süd-Korea und in einige Länder Europas (u.a. UK, Skandinavien, Deutschland) exportiert.

Ruanda soll das erste Land in Afrika gewesen sein, das einen nationalen Cup of Excellence Wettbewerb vor fünf Jahren ausrichtete. Und seitdem regelmäßig veranstaltet. Hier werden die besten Spezialitätenkaffees von einer internationalen Jury in mehreren Stufen verkostet, bewertet und dann online weltweit versteigert.
Jede CoE-ausgezeichnete „Washing-Station“ kann nach meinen Recherchen nur einen Lot (25 bags à 60 kg) versteigern lassen. Für dieses Lot erzielt man Erlöse, die um ein vielfaches höher liegen als für die sehr gut bewerteten Spezialitätenkaffees (aktuell 3 bis 4 US$/lb) in Ruanda sonst bezahlt werden. Hauptsächlich dient der Cup of Excellence der Motivation, die eigene Kaffee-Qualität und damit auch die Verkaufspreise zu steigern und seinen Ruf als Kaffeeanbauer noch zu verbessern.

Qualitätskontrolle bei NAEB

Qualitätskontrolle bei NAEB

Mit diesem Hintergrundwissen wurden wir zu einem Cupping eingeladen. Ing. Eric Ruganintwali, Director of Quality Control, Inspection and Standards Compliance unit begleitete uns zur Verkostung von fünf Spezialitätenkaffees ins NAEB Labor.
Eric Ruganintwali informierte uns hier, dass Ruanda in den nächsten zwei bis drei Jahren in Spezialitätenkaffee-Regionen (Appelation-Project) strukturiert werden soll. Nach Klima (Regen, Temperaturen, Luftfeuchtigkeit), Böden und Anbauhöhe soll der Kaffee im Cup-Profil dann klar abgrenzbar sein. Aktuell fehlen wohl noch die finanziellen Mittel sowie ein Experte, der das Projekt federführend planen und umsetzen kann.

NAEB Cupping-Lab zur Qualitätskontrolle

NAEB Cupping-Lab zur Qualitätskontrolle

Zunächst zeigten uns die Laborantinnen das Procedere eines Cuppings, das der Qualitätskontrolle dient. Ein fruchtiger „Rusizi“ mit einer schönen Süße, intensiv und ein sehr interessanter „Nyamasheke“, der schokoladig-nussige Noten hat, an gelbe Früchte (Stachelbeere) erinnert und vollmundig im Geschmack ist, stachen für mich heraus.

NAEB-Lab: Cupping Ergebnisse werden schriftlich festgehalten

NAEB-Lab: Cupping Ergebnisse werden schriftlich festgehalten

Zum Abschluss unseres Besuchs warfen wir einen Blick in das Lagerhaus, wo gerade ein LKW mit frischen „Parchments“ (Rohkaffee mit dem noch schützenden Silberhäutchen) angeliefert wurde. Dann ging es mit unseren Jeeps nach Musasa in die Nord-Provinz.

Kigali - auf dem Weg in Richtung Nord Provinz

Kigali – auf dem Weg in Richtung Nord Provinz

+++ +++ +++

Musasa/Ruli (North Province), 12. Mai 2014. Bevor es in Richtung Lake Kivu (West Province) ging, besuchten wir die „washing station“ Musasa im Ruli District/North Province.

Kigali lag hinter uns. Und nach einigen Kilometern verließen wir vorerst auch die asphaltierte Straße.

Entlang des Nyabarongo Flusses in Richtung Musasa in der Nord Provinz

Entlang des Nyabarongo Flusses in Richtung Musasa in der Nord Provinz

Entlang des Nyabarongo Flusses fuhren wir auf holprigen Wegen durch kleine Dörfer mit kargen Lehmhäusern, vielen Menschen, die neugierig zurückblickten, vorbei an Bananen-Plantagen, Maniok-Feldern (Maniokmehl zur Brotherstellung), Süßkartoffeln, Mais, Bohnen, Eukalyptus-Bäumen, wilden Kaffeebäumen, saftigen, grünen Landschaften.

Immer wieder winkende Kinder, die »Umuzungu, Umuzungu« riefen

Immer wieder winkende Kinder, die »Umuzungu, Umuzungu« riefen

Und kleine Kinder riefen freudig und winkend „Umuzungu, Umuzungu„, was übersetzt „Weiße“ bedeutet. Nach einer mehrstündigen Fahrt kamen wir auf der ca. 1.800 m ü.d.M. hoch gelegenen Washing-Station Musasa an.

Angekommen. Musasa. Unsere erste Washing Station in Ruanda

Angekommen. Musasa. Unsere erste Washing-Station in Ruanda

Musasa gehört zur Cooperative Dukunde kawa, was übersetzt so viel heißt wie „Let’s love coffee“. Über 2.100 Mitglieder gehören der Kooperative Dukunde kawa an und bringen ihre Kaffee-Ernte hierher, um sie weiter zu verarbeiten.

General Manager Isaac (li.) im Gespräch mit Jaques (re.), der uns jede Frage übersetzt

General Manager Isaac (li.) im Gespräch mit Jacques (re.), der uns jede Frage übersetzt

Isaac, der General Manager, zeigte uns, wo der Kaffee der Farmer angeliefert und sortiert wird (u.a. keine grüne Kirschen, keine überreifen Kirschen) bevor er gewogen und eingestuft wird.

Nur die roten Kirschen kommen in die Aufbereitung

Nur die roten Kirschen kommen in die Aufbereitung

Jedes gelieferte Kaffeelot bekommt einen Code bevor er in die Nassaufbereitung geht. Die Kaffeekirschen, die an jedem Tag geliefert werden, bekommen eine Markierung, zum Beispiel: 12. Mai  =1205. Diese Markierung begleitet den Kaffee durch den kompletten Prozess, so dass der Kaffee, bei Bedarf, bis zum Farmer zurückverfolgt werden kann.

Der Code-Zettel, der den gesamten Prozess begleitet

Der Code-Zettel, der den gesamten Prozess begleitet

Auf der Musasa Washing-Station sind knapp 230 Mitarbeiter in der Hochsaison beschäftigt, davon 94 % Frauen. Jeder Trocknungstisch hat zum Beispiel eine einzelne Person in der Verantwortung, die den Kaffee wendet, wenn es erforderlich ist. Und dafür sorgt, dass der Tisch frei ist für den nächsten Lot. Der Kaffee bleibt bis zu 21 Tage auf den Trocknungstischen, je nach Wetterlage.

Für jedes Lot ist eine Person verantwortlich, die Parchments regelmäßig zu wenden.

Für jedes Lot ist eine Person verantwortlich, die Parchments regelmäßig zu wenden.

Nach der Trocknung werden die Parchments in Säcke verpackt und im Lagerhaus zwischengelagert bis sie nach Kigali in die Dry Mill transportiert werden. Immer mit dem Code am Einlieferungstag versehen. Aktuell wird auf dem Areal eine Dry Mill gebaut, um den kompletten Wertschöpfung-Prozess zu kontrollieren. Noch in dieser Saison soll sie in Betrieb gehen.

Musasa. Eindrucksvolle Washing Station mit hervorragenden Kaffees

Musasa. Eindrucksvolle Washing-Station mit hervorragenden Kaffees

Der Farmer erhält eine Quittung für den Kaffee, den er bei der Buchhaltung-/ Rechnungsstelle der Washing-Station einreicht. Sie umfasst den Namen des Farmers, alle relevanten Daten wie Bankkonto-Details, Sektor, Distrikt, Washing Station, Summe die bezahlt wird, Preis pro Kilogramm (hier aktuell 250 F/1 kg Kirschen), und sie wird dann vom Farmer gegengezeichnet.

Die Kooperative bietet seinen Mitgliedern auch einen Sparplansystem an, ihr Geld erst dann einzuziehen, wenn sie es benötigen. Oder sie können einen Vorschuss auf ihre zu erwartende Ernte bekommen.

Der aktuelle Verkaufpreis für den Export (fob – free on board) liegt bei 3 USD/lb (amerikanisches Pfund = 465 g)

Isaac präsentiert uns die Cup of Excellence Auszeichnungen der letzten Jahre

Isaac präsentiert uns die Cup of Excellence Auszeichnungen der letzten Jahre

Dass die Kooperative Dukunde kawa exzellente Kaffees hat, stellt sie mit der erfolgreichen Teilnahme an den jährlich stattfindenden nationalen Cup of Excellence Wettbewerben immer wieder auf Neue unter Beweis. Im Besprechungsraum präsentierte uns ISAAC die CoE-Auszeichnungen.

Auf insgesamt 336 Hektar Land befinden sich 840.000 Kaffeebäume. Jeder Farmer besitzt hier durchschnittlich 200 bis zu 600 Kaffeebäume. Jährlich werden 1.400 t Kirschen geernetet. Davon werden durchschnittlich 2.400 Sack à 60 kg Rohkaffee verarbeitet. Und in die USA, nach Japan, Süd-Korea oder auch nach Europa exportiert.

Auf der Trainingsfarm von Musasa

Auf der Trainingsfarm von Musasa

In der Nähe der Washing-Station wurde eine kleine Trainingsfarm angelegt. Es ermöglicht den Farmern sich dort zu treffen und Erfahrungen über den Kaffeeanbau auszutauschen und zu lernen wie und warum man seine eigene Kenntnisse verbessern kann.

Neben Musasa/Ruli gibt es zwei weitere Washing-Stations, MBilima und NKARA, die zu der Kooperative Dukunde kawa gehören.

Insgesamt hat uns das Musasa-Engagement sehr beeindruckt, wie sie den Farmern helfen, ihre Ergebnisse zu verbessern sowie besten Kaffee zu produzieren.
Sie versteht, wie wichtig die Aus- und Weiterbildung in einer genossenschaftlichen  Gemeinschaft ist, vor allem da die Farmer oft keinen einfachen Zugang zu solchen Themen haben.

Beeindruckt machen wir uns auf dem Weg nach Rubavu an an Kiwu-See

Beeindruckt machen wir uns auf dem Weg nach Rubavu an an Kiwu-See

Weiter ging die Fahrt in Richtung Nord-Westen, zum Lake Kivu. Übernachtung im sehr ansprechenden Gorilla Hotel in Rubavu mit einem kleinen paradiesisch anmutendem Garten direkt am Kivu-See.

Übernachtung im Hotel Gorilla in Rubavu

Übernachtung im Hotel Gorilla in Rubavu


Fortsetzung folgt…

 

Alle Rechte an Fotos und Texten liegen bei ©kaffeewacht : Axel R. Bollmann.

Read Full Post »

Ruanda. Ost-Afrika. „Völkermord 1994 und Gorillas. Darauf wird Ruanda oft reduziert“, so wurde die ruandische Botschafterin in Deutschland Christine Nkulikiyinka in einem Artikel von „Der Tagesspiegel“ am 6. April 2014 sinngemäß zitiert. Am 6. April 1994 – genau vor 20 Jahren – startete ein beispielloses Morden der „Hutus“ an den „Tutsis“. Mehr als 1 Million Menschen starben innerhalb von 100 Tagen. Die Welt sah hilflos zu. Die meisten Menschen in der westlichen Welt kannten nicht einmal den Namen des Landes.

- " -

– “ –

„20 Jahre nach dem Völkermord erfindet sich das Land neu, vor allem die Jugend hat keine Lust mehr auf Trauer. Aber lässt sich die Vergangenheit so leicht abschütteln?“ schrieb die TAZ am 6. April 2014 auf ihrer Titelseite. Eine interessante Frage, die die TAZ, sehr ausführlich und lesenswert, versuchte zu beantworten. Zum Schluss hieß es: „Von den aufgehetzten Jugendbanden, die 1994 mit Macheten durch das Land zogen, sind wir Lichtjahre entfernt.“

Es ist also an der Zeit das Ruanda-Bild zu erweitern. Zum Beispiel um herausragende Spezialitätenkaffees und die Menschen, die dahinter stehen.

Einige tolle Filter-Roast- und Espresso-Roast-Spezialitätenkaffees aus Ruanda hatte ich schon verkostet.
In 2012 „Musasa Ruli“ von Square Mile Coffee Roasters, London, „Rubavu“ von koppi aus Schweden oder den fantastischen Cup of Excellence 2012 „Ubunitegeka“ von backyard coffee in Frankfurt/Main. In 2013 einen „Huye Mountain“ von The Barn.
Ganz aktuell einen „Karengera“ von der Berliner Kaffeerösterei sowie den schokoladig-fruchtig, intensiven „Mahembe“ ebenfalls von The Barn aus Berlin.

Mahembe aus der rundischen West Provinz. Phantastisch.

Mahembe aus der rundischen West Provinz. Phantastisch.

Gut. Aber wer steht hinter dem Kaffeeanbau? Wo wird angebaut? Warum wird nur eine Varietät angebaut? Wie sieht das Processing/die Aufbereitung aus? Und viele Fragen mehr.

Wie heißt es so schön: „Wer eine Reise tut, der hat etwas zu erzählen“. Die BSOC Berlin School of Coffee lud zu einem Coffee Trek nach Ruanda im Mai 2014 ein. Eine wunderbare Gelegenheit das Herkunftsland kennenzulernen. Angemeldet. Flug gebucht. Gelbfieber-Impfung im Tropeninstitut durchgeführt. Malarone-Tabletten zur Malaria-Prophylaxe verschrieben bekommen.

Berlin. Samstag, 10. Mai 2014 ging es los. 04:30 Uhr Fahrt zum Flughafen Berlin-Tegel. 05:30 Uhr eingecheckt. Abflug 6:55 mit brussels airlines. Pünktliche Landung um 08:00 Uhr in Brüssel. Weiterflug um 10:25 Uhr. 8 Stunden später landeten wir in Kigali.

Kigali, Hauptstadt Ruandas

Kigali, Hauptstadt Ruandas

Es war 18:40 Uhr, genauso spät wie in Deutschland. Am Flughafen traf ich zwei weitere Teilnehmer. Andrea aus Berlin und Tristan aus Leinefelde in Thüringen.

Abgeholt wurden wir von Roger. In seinem Toyota Land Cruiser brachte er uns zu unserem Hotel (Urban Boutique) in Kigali. Roger ist selbständig. Er betreibt einen Travel Service und begleitete uns auf der gesamten Reise. Es war ein großes Vergnügen, mit ihm zu reisen. Er kennt sich aus, ist sehr freundlich, kompetent und engagiert. Wir fühlten uns die gesamte Reise über sehr sicher mit ihm am Steuer. Ein exzellenter Fahrer.

Nette BSOC Begrüßung im Blue City Urban Hotel in Kigali

Nette BSOC Begrüßung im Blue City Urban Hotel in Kigali

Im Restaurant auf der Hotelterrasse trafen wir die anderen Teilnehmer: Stefan und Christiane aus München, Rainer aus Frankfurt/Oder und natürlich Nicole von der BSOC. Sie hatte die gesamte Reise geplant und das Land schon ein Jahr zuvor bereist. Bei einem köstlichen Abendessen (Coffee Steak mit Gemüse und Salat) erzählte uns Nicole, was wir alles vorhaben, wo sie improvisieren musste, weil etwas nicht geklappt hatte und was uns am nächsten Tag (Sonntag) erwartet. Erschöpft, aber voller Neugierde fielen wir in unsere Betten.

Kigali, Sonntag, 11. Mai 2014. Geweckt von einer Mücke (insgesamt sah ich drei Mücken auf der gesamten Reise) eilte ich aufgeregt ins Bad, um mich mit dem Moskito-Spray einzusprühen und meine nächste Malarone Tablette einzunehmen.

Aromatisches, erstes Frühstück in Kigali

Aromatisches, erstes Frühstück in Kigali

Nach einem köstlichen Frühstück mit sehr aromatischen Früchten, Rührei mit Toast und einem fruchtig, intensiven Kaffee mit einer feinen Süße machte ich einen ersten Spaziergang um den Block des Hotels. Jeder Einheimische, dem ich begegnete, schaute mir in die Augen und ich grüßte. Ein freundliches „Bonjour“ und ein eilig hinterher geworfenes „ça va“ kamen zurück. So oft und freundlich war ich noch nirgends auf der Straße begrüßt worden.

Zurück im Hotel trafen wir auf eine Überraschung. S.E. Botschafter Jacques Nshimyumukiza begleitete uns auf der weiteren Reise. Er ist der Ehemann der Botschafterin in Deutschland. Wir erfuhren, dass das Botschafter-Ehepaar bei einem Besuch der Berliner Kaffeerösterei ruandischen Kaffee entdeckte. Bei vertiefenden Gesprächen wurde die Idee für diese Reise geboren.

S.E. Botschafter Jaques Nshimyumukiza

S.E. Botschafter Jacques Nshimyumukiza

Wir begrüßten uns beim Vornamen, was bei offiziellen Anlässen sicher nicht üblich ist. Aber Jacques arbeitet ja auch nicht in der Botschaft, wie er uns erzählte. Er spricht nicht nur perfekt deutsch, sondern auch kinyarwanda (ruandisch), englisch und französisch.
Er war uns auf dieser Reise ein wichtiger Berater, Übersetzer, Koordinator und Freund!

Mit zwei „Jeeps“ ging es dann zu einer Wechselstube. Auf die Frage, was wir für die 8 Tage an Geld bräuchten (Restaurant, Verpflegung, Getränke, Geschenke, Tip etc.), einigte man sich auf 200 bis 300 Euro. Also wechelte ich 250 Euro zum Kurs von 1 Euro = 960 Ruandische Francs. Zurück bekam ich ein dickes Bündel 130 x 2.000 F-Scheine. Nachdem der Vierte sein Geld gewechselt hatte, hatten wir die „Bank“ gesprengt. Bei der zweiten Bank kauften die anderen Teilnehmer mit ihrer Kreditkarte ruandisches Geld. Jeder war mit Ruandischen Francs versorgt.

Wie schön. Kaffeebohnen auf den Geldscheinen.

Wie schön. Kaffeebohnen auf den Geldscheinen.

Unser erstes wichtiges Ziel an diesem Sonntag war das Genocide Memorial Center, wo 250.000 Menschen aus dem Völkermord von 1994 in einem Massengrab beigesetzt sind. Das Center wurde durch ein joint partnership des Kigali City Council und des UK Aegis Trust vor 10 Jahren gebaut.

Kigali Genocide Memorial

Kigali Genocide Memorial

In einem kleinen Museum hatte jeder die Gelegenheit, sich über die Hintergründe, den Ablauf des Genozids und die furchtbaren Gräueltaten auf Bildern und Texten zu informieren. Schwere Kost. Zum Verständnis des Landes war dieser Besuch aber eine wichtige Station. Mit der „Fackel der Hoffnung“ endete dieser Rundgang für uns.

Fackel der Hoffnung

Fackel der Hoffnung

Nachdenklich fuhren wir in einen ausgewählten coffeeshop „Shokola“, der uns beeindruckte. Bei einem „African Latte“ hellte sich unsere Stimmung auf. Nach einem köstlichen Lunch fachsimpelten wir über ruandischen Kaffee.

Coffeeshop Shokola

Coffeeshop Shokola

Unser Sonntagsausflug führte am späten Nachmittag auf einen lokalen Markt in Kigali. Fisch, Gemüse, Früchte, Stoffe, Schuhe, Kleidung, Souveniers uvm. wurden feilgeboten. Hier ging mein Herz auf. Das Handeln gehört hier zum Ritual wie auf einem Basar. Es machte richtig Spaß mit viel Lachen und guten Preisen für beide Seiten, hatten wir den Eindruck.

Besuch eines lokalen Marktes in Kigali

Besuch eines lokalen Marktes in Kigali

Am Abend ging es zum Essen in das „Phyrus“ Restaurant in Kigali, wo wir Samuel Muhirwa (SAM) trafen, Vice-President von Rwashoscco Ltd. und Operational Manager von KZNoir Ltd.

Beim Abendessen mit SAM (re.) im Restaurant Phyrus in KIgali

Beim Abendessen mit SAM (re.) im Restaurant Phyrus in Kigali

Beide Marketing- und Export-Unternehmen gehören jeweils zu mehreren Cooperativen. Es sind also Schirm-Organisationen, die das Marketing und die Export-Logistik ihrer Kooperativen/Washing-Stations organisieren. Sie vermarkten zusammen 21 Washing-Stations. Das entspricht fast 10 Prozent am Gesamtbestand an derzeit 225 Washing-Stations in Ruanda. Beide Unternehmen exportieren Spezialitätenkaffees direkt nach Japan, Süd-Korea, USA und auch nach Europa.
Die Gründung dieser Vermarktungsunternehmen ist übrigens eine der abschliessenden Ideen/Konzepte von PEARL gewesen, die den gesamten Umstrukturieungsprozess im Kaffeesektor in Ruanda begleitet haben. PEARL ist eine kooperative Zusammenarbeit der  Texas A&M, der U.S. Agency for International Development und Rwanda’s Ministry of Education.

Vier der Washing-Stations besuchten wir in den nächsten Tagen. Endlich Kaffee. Ruandischen Spezialitätenkaffee.  Fortsetzung folgt…

Alle Rechte an Fotos und Texten liegen bei ©kaffeewacht : Axel R. Bollmann.

Read Full Post »

Montag, 11. März 2013:
Letzter Tourtag. Besuch Finca La Soledad, Spezialitätenkaffee-Region Acatenango.

Soledad_Axel

Finca La Soledad in Acatenango

Die Finca La Soledad liegt in einem »Reserva Natural Privada«  ganz in der Nähe des Acatenango Volcano, der südwestlich von Guatemala-City liegt. Acatenango gehört zu den besten Anbaugebieten des Landes.

Soledad_Cupping

Verkostung von sieben Spezialitätenkaffees aus der Region Acatenango

Direkt nach der Ankunft wurden wir zu einer Verkostung von sieben verschiedenen Farmen (»La Pampa«/Mario Perez, »El Carmen«/Juan Mejia, »El Arcoiris«/Antonio Ovalle Perez, »La Soledad«/Henio Raul Perez, »Coop. Acatenango«, »El Libano«/Herbert E. Perez) eingeladen.
Sehr unterschiedliche flavours – blumige über fruchtige bis leicht buttrig-nussige Noten. Sehr klar im Geschmack. Und alle ausgezeichnet. Wir waren beeindruckt.

Anschließend bat uns Raul Perez (Sohn von Henio Perez) von der Finca La Solidad zur Präsentation. In einem überdachten und einem eigens für uns aufgebauten Zeltplatz wohnten wir einer professionellen PowerPoint-Präsentation bei, die wir nicht erwartet hatten.

Soledad_Acatenango

DOC Acatenango-Präsentation

Bereits 1895 wurde auf dieser Farm der erste Kaffee angebaut. La Solidad wird heute in vierter Generation von Henio Perez betrieben. Auf der 90 Hektar Farm werden auf 45 ha Kaffee angebaut, und auf 44 ha Waldwirtschaft betrieben. Ein Hecktar steht den Gebäuden der Farm und einer Wet Mill (Nassaufbereitung) zur Verfügung. Auf einer Höhe von 1.470 m bis 1.710 m Höhe (ü.d.M.) wird hier Kaffee angebaut.

Paul Rodas (Guatemala), Barista World Champion 2012, Wien bezog übrigens seinen Siegerkaffee von der Farm La Soledad 🙂

Soledad_Caturra

Caturra Vatietät auf La Soledad

Angebaut werden Caturra (45%), Bourbon (30%), Typica (15%) sowie Geisha und Pacamara (10%). Schattenbäume sind Gravelea (35%), Ingas (35%) und Native Spezies (30%).

In der Spezialitätenkaffee-Region Acatenango (372 qkm/20.000 Einwohner) wird auf einer Fläche von knapp 50 qkm Kaffee angebaut. Bei 3.000 Kaffeeproduzenten, zwei Kooperativen und 32 Wet Mills/ Nassaufbereitungsanlagen.

Soledad_Bourbon

Bourbon Varietät auf La Soledad

Das jährliche Potenzial liegt bei 45.000 bis 55.000 Säcken Green Coffee/Rohkaffee à 69 kg. Obwohl bereits seit 1880 Kaffee in der Region angebaut wird, wurde Acatenago erst 2006, als letzte der acht Spezialitätenkaffee-Regionen, als eigenständig von Anacafé anerkannt.

In Anlehnung an die spanische Herkunftsbezeichnung für Wein hat sich hier eine Gruppe von Kaffeeproduzenten und Kooperativen zu einem Verbund zusammengeschlossen, unter der Bezeichnung »Denominación de Origen Café Acatenango, DOC«.
DOC Acanenago ist ein Projekt von Kaffeeproduzenten für Kaffeeproduzenten und Röstereien. Mit einem Ruf für einzigartige Kaffees, die sonst nirgends angebaut werden können.

DOC_Acatenango

Logo DOC Acatenango

Im Fokus stehen
• Authentizität: das einzigartige Zusammenspiel von Varietätenanbau, Weiterverbeitungsprozess, Mikroklimata,Vulkanerde;
• Rückverfolgbarkeit: jede einzelne Kaffee-Charge (Varietät, Anbau, Klima) kann lokalisiert und identifiziert und jede Weiterverarbeitung (Fermentation/Trocknung sowie Rohkaffeeaufbereitung für den Export) kann nachvollzogen werden;
• Qualität: bestens vertraut mit den Praktiken, die Kaffeequalität stets zu verbessern
• Stolz: lange Tradition in der Lieferung von Qualitätsbeweisen durch die Teilnahme an Wettbewerben

Der Kaffeeblatt-Rostpilz hat aber auch hier seine vernichtenden Spuren hinterlassen. Bei der Ernte 2013 konnten lediglich 10.000 bis 15.000 Säcke – also nur 30 Prozent! des Potenzials – geerntet werden.

Soledad_Plantage

La Soledad Plantagenbesuch

+++ +++ +++

Wet Milling Station (Acatenango)
Abschließend besuchten wir eine Wet Milling Station gleich in der Nähe.

Wet_Mill_Acatenango

Anlieferung frischer Kirschen bei der Wet Mill

Einige small producers/ Kaffeeproduzenten brachten gerade ihren Kaffee hierher. Es waren die letzten Erntetage. Die Qualität des Pfückens ist daher unterschiedlich. Die Früchte kamen von unterschiedlichen Plantagen, es wurden jetzt fast reife und reife Kaffeekirschen gebracht. Jeder Sack wurde gewogen.

Wet_Mill_Acatenango2

Grobe Reststoffe wie Blätter und Steine werden von den Kirschen getrennt

Alle wurde anschließend gemischt. Dann gewaschen. In der ersten Stufe wurden die groben Reststoffe wie Blätter und Steine von den Kirschen getrennt.

Wet_Mill_Acatenango3

Trennung der Floater von den schweren, guten Kirschen

Dann werden die Floater von den guten Kirschen getrennt.

Wet_Mill_Acatenango2_Entpulper

vertikaler Entpulper

In einem vertikalen Entpulper (spart erheblich Wasser) wurden die Kirschen geschält.

wet_mill_Acatenango4

Entpulpte Bohnen auf dem Weg ins Fermentationsbecken

Die freigelegten Bohnen anschließend gewaschen und ins Fermentationsbecken geleitet, um die restliche Mucilage abzusondern.

Patios

Patios

Der weitere Prozess: nach ca. 24 Stunden werden die Bohnen mit frischem Wasser gereinigt und auf den Patios sonnengetrocknet.

LaGuardia

La Guardia – mechanische Trocknung von 17% auf 10% bis 12 %

Mit einer Restfeuchte von ca. 17 Prozent gehen sie in den mechanischen »La Guardia« Trockner und werden auf 10 bis 12 Prozent getrocknet. In den Lagerhallen zwischengelagert gelangen sie schlußendlich beim Exporteur zur Rohkaffee-Aufbereitung/Dry-Milling.

Patio2

Blick von den Patios in die nebelverhangenen Berge von Acatenango

Zum letzten Mal fuhren wir am Abend mit unserem Tourbus zurück nach Guatemala-City. Eine außergewöhnliche Reise ging zu Ende. Ein letztes Abendessen, zusammen mit unseren Gastgebern von Anacafé,  fand in einem italienischen Restaurant statt. Letzte Erfahrungen wurden ausgetauscht. Ein großes Danke schön richtete Colin Smith an Anacafé mit dem Versprechen unsere Erfahrungen in Europa zu teilen.

Es war spät geworden. Zurück im Hotel folgte ein schneller, sehr herzlicher Abschied von allen Teilnehmern mit dem Wunsch in Kontakt zu bleiben. Visitenkartenaustausch, Umarmung, ab aufs Zimmer.

Abschied

Abschied nehmen… aus dem beindruckenden Spezialitäten-Kaffeeland Guatemala

+++ +++ +++

Dienstag/Mittwoch, 12./13. März 2013: Rückreise nach Deutschland

Koffer gepackt. Ausgiebiges Frühstück. Freundliche Verabschiedung vom Hotelpersonal. Etwas Wehmut kam bei mir auf, aber auch Freude auf zu Hause. Problemlos ging es durch den guamaltekischen Zoll und die Passkontrolle mit Stempel. Koffer aufgegeben. Mit dem Hinweis, dass ich ihn in Miami/USA wieder abholen musste. Abflug: 14:35 Uhr Ortszeit. Ankunft Miami/USA 2,5 Stunden später.
Nach 1,5 Stunden üblicher amerikanischer Zoll- und Passkontroll-Schikane ging es direkt zum Einchecken. Erleichterung. Ich hatte einen Gangplatz. Niemand saß neben mir. Die Toilette war nicht weit entfernt. Freundliche Flugbegleitung. Entspannung. Um 22:00 Uhr Miami-Zeit flogen wir nach London. Mir ging es gut. Die Sonne schien über den Wolken, als wir morgens um 10:00 Uhr Ortszeit in London Heathrow landeten. Zwei Stunden später ging der Flieger pünktlich nach Berlin. Ankunft 13. März 2013, 15:50 Uhr. Passkontrolle. Keine Gepäckkontrolle.

Es war kalt und es lag Schnee in Berlin.

Mein Fazit:
Die schönste und erfüllteste Auslandsreise, die ich je in meinem Leben unternommen habe. Mit einem besonders herzlichen Dank an alle Mitarbeiter von Anacafé, die uns phantastisch betreut hatten.

***

Alle Text- und Bildrechte liegen bei ©kaffeewacht : Axel R. Bollmann

Read Full Post »

Samstag, 09. März 2013: Besuch Finca San Sebastian in der Region Antigua

Von der knapp 19.000 Hektar großen Antigua Kaffeeregion sind knapp 4.800 Hektar mit Kaffeepflanzen kultiviert.

SanSebastian_Plantage

Finca San Sebastian

Die 2.000 Hektar große Finca San Sebastian (1.200 Mitarbeiter) baut auf 450 Hektar Bourbon (70 %), Caturra, Villalobos, Pacamara und noch einige Exoten wie zum Beispiel Geisha Varietäten an. Neben Kaffee wird Milchviehwirtschaft (500 Liter pro Tag) und Waldwirtschaft (Pinien, Zypressen, Erle, Eiche) betrieben.

7.000 Säcke Rohkaffee/Green Beans werden in die USA, nach Deutschland (z.Zeit nur Blends an Importeur List & Beisler), Japan (Direct Trade), England (u.a. Direct Trade, z.B.: Has Bean) und Neuseeland exportiert.

Bourbon_Bluete

Varietät Bourbon (Blüte) auf der Finca San Sebastian

Kirschen_SanSebastian

Rote Kaffeekirschen auf (Bourbon) auf der Finca San Sebastian

WetMill_SanSebastian

Wet Mill Processing auf San Sebastian (San Miguel)

WetMill-SanSebastian2

Wet Mill Processing auf San Sebastian (San Miguel)

Wet-Mill_SanSebastian2

Wet Mill Processing auf San Sebastian (San Miguel)

SanMiguael

San Miguel Dry Mill, gehört zur Finca San Sebastian

Im Weiterverarbeitungsprozess betreibt die Finca eine eigene Nassaufbereitungsanlage/Wet mill sowie eine Trockenverarbeitung/Dry mill (San Miguel), die auch von anderen Farmen und kleinen Kaffeeproduzenten (small producers) genutzt wird.

Bild

Finca San Sebastian – Patios (naturals)

Neben „washed coffees“ (von der Mucilage befreit und getrocknet) werden auch „honeys/semi-washed“ coffees (mit Mucilage getrocknet = mehr Süße, mehr Körper, mehr ausgewogen) und „natural“ coffees (die Kirschen im Ganzen getrocknet = mehr Aromenintensität, weniger Säure) auf San Sebastian aufbereitet, erläuterte uns Edgar Cabrera Cozza, Sales Director von der Finca San Sebastian.

Die „Naturals“ und „Honeys“ trocknen unter regelmäßigem Wenden rund 20 Tage auf den „Patios“ (s.o.), während die „Washed“ Coffees etwa 11 bis 12 Tage unter regelmäßigem Wenden sonnengetrocknet werden.

San_Sebastian_Honeys

„Honeys“ auf den Patios von San Sebastian

„Allerdings sind die „Naturals“ teurer als die „Washed“ in der Verarbeitung. Aus 3,5 kg „Naturals“ bekommt man ca. 1 kg Rohkaffee, während man aus 2,5 kg „Washed“ coffees bereits 1 kg Rohkaffee erhält. Dazu müssen die „Naturals“ doppelt so lange gewendet werden, was zeit- und damit kostenaufwendiger ist,“ erklärt Edgar Cozza.

Kleine Lots (1 Container à 320 Sack Rohkaffee) kosteten aktuell bei San Sebastian:
Standard Qualität ca. 3,50 USD/lb, „Pache“ natural ca 5,00 USD/lb und „Pacamara“ honeys liegen bei ca. 7,00 USD/lb.

Bei San Miguel werden jährlich ca. 14.000 Sack (68 kg/150 lbs) produziert und in die o.a. Länder exportiert.

Mechanische_Trocknung

Mechanische Trocknung auf San Miguel

DryMill-Klassifizierung

Dry Mill Processing San Miguel – Klassifizierung

Qualitaetskontrolle

Qualitätskontrolle auf San Miguel

San Sebastian ist die mit Abstand größte Finca, die wir auf unserer Tour besichtigten. Dazu sahen wir erstmals Kaffeesträucher mit wunderschön aufgegangenen Blüten, die nach Jasmin dufteten.

+++ +++ +++

Besuch der Stadt Antigua

Zurück in Antigua machten wir eine kleine Stadtführung durch die ehemalige Hauptstadt von Guatemala (ca. 45.000 Einwohner) und erstanden ein paar kleine Geschenke für die Familie und Freunde daheim.

Antigua

Antigua – ehemalige Hauptstadt von Guatemala (ca. 45.00 Einwohner)

Danach ging es zurück nach Guatemala City. Check in im Clarion Suite Hotel. Abendessen im Hotel.

+++ +++ +++

Sonnstag, 10. März 2013:
Besuch Finca El Socorro, Palencia (Department Guatemala)

Kaffee, Früchte und ein Omelette mit Tomaten, Zwiebeln, Speck und Käse zum Frühstück. Um 08:00 Uhr ging es los. Alberto, unser Busfahrer, fuhr uns an diesem Tag von Antigua in Richtung Nord-Osten, nach Palencia, das zum Department Guatemala gehört.

El_Socorro

Blick auf die Finca El Socorro

Nach einer Stunde Fahrt passierten wir einen unbefestigten Feldweg. Die Kurven wurden schärfer, der Weg ging immer steiler bergauf und die »Straße« wurde löchriger und steiniger. Wir ruckelten und holperten über die »Straße«, was das Zeug hielt. »Sind wir noch richtig«, fragte ich mich? Aber Alberto hatte uns immer bestens geführt. Nerven behalten. Dann ging es ziemlich kurvenreich steil bergab auf diesem unbefestigten Feldweg. Mit saftigen Schlaglöchern. Von unten bahnte sich ein beladener Lastwagen seinen Weg. Wir hielten die Luft an. Dann rief jemand »STOP« im Bus. Er wollte sofort aussteigen. Aus Sicherheitsgründen. Ihm war die Weiterfahrt nicht mehr geheuer. »Zu gefährlich«, für einen Bus. Er hatte Bilder von umgefallenen Bussen in Thailand gesehen. Jetzt wollte er unbedingt zu Fuß gehen. Es waren noch 20 Minuten Fahrt. Er bestand darauf. Und er kam nicht zurück an Bord des Busses. Für den Rest der Reise.

ElSocorro_Plantage

steile Hänge auf dem Weg zur Finca El Socorro

Es war still geworden im Bus. Enrique, unser guamaltikischer Reiseführer, verließ sofort den Bus und begleitete ihn. Wir fuhren weiter. Nach zwei Kilometern hatte sich der kurvige Stolperweg wieder in eine Gerade verwandelt. Wir machten eine Pause, stiegen aus, und warteten. Plötzlich hörten wir in dieser Wildnis ein Quad – diese vierrädigen »All Terrain Vehicle« – auf uns zu rasen.

ElSocorro_Diego

Diego De La Cerda, Besitzer der Finca El Socorro

Es war Diego De La Cerda, der Besitzer der Finca El Socorro. Er begrüßte uns herzlich mit einem festen Händedruck und fragte überrascht, was passiert sei. Wir erklärten die Lage und entschuldigten es mit »So sind eben die Europäer ;-)«. Ein Offroad-Fahrzeug der Farm griff die beiden »Wanderer« auf, der Rest fuhr die letzten Meter mit dem Bus zur Farm.

Später erfuhren wir, dass diese Lage der Finca eben auch ein wesentlicher Teil des Erfolges der Qualität des Kaffees von El Socorro ist. »Irgendwie nachvollziehbar«, dachte ich.

ElSocorro_CoE

Cup of Excellence Award 2011 – eine von vielen Awards für herausragenden El Socorro- Spezieltätenkaffee

Die Vitrine im Haus war gefüllt mit vielen erst- und zweitplazierten CoE-Trophäen (Cup of Excellence), SCAA-Auszeichnungen und Kaffeepackungen renommierter Micro-Röstereien (S&H, PT´s, Barefoot, Fortnum & Mason etc.) aus den USA und Nordeuropa, die mit der Kaffeeherkunft von El Socorro warben.

Die 200 Hecktar große Finca El Socorro liegt einsam in dieser Wildnis – nur Kaffeesträucher, Viehweiden, Gemüseanbau und Wald – auf einer Höhe von 1.600 bis 1.800 m. Sandiger, lehmiger Boden. Kein üblicher Vulkanbimstein. Bei durchschnittlich 1.500 mm Niederschlag im Jahr, was eher unterdurchschnittlich ist. Kaum befallene Pflanzen mit dem Kaffeeblatt-Rostpilz!

Kein Nachbar weit und breit. Diegos Vater hatte dieses Stück Land in den 60er Jahren erworben und begann etwas Gemüse anzubauen. Erst in den frühen 80er Jahren wurde auch Kaffee produziert. 1999 stieg Sohn Diego ein.

ElSocorro_YellowBourbon

Finca El Socorro – Yellow Bourbon

Angebaut werden gelbe und rote Bourbon, Maracaturra (diese Varietät kam ursprünglich aus Nicaragua; ein Hybrid aus Maragogype und Caturra), Pacamara, Caturra und ein wenig Geisha. Nur gewaschen aufbereitet.

ElSocorro_Maracaturra

Varietät Maracaturra auf El Socorro

In 2007 wollte die Familie wissen, wo sie im Vergleich zu anderen Farmen qualitativ stehen und beteiligten sich erstmals an einem nationalen »Cup of Excellence« Wettbewerb. Sie belegten den ersten Platz. Seither nehmen sie regelmäßig an den CoE-Wettbewerben teil und erreichen regelmäßig vorderste Plätze ein. In 2011 Platz 1 und in 2012 Platz 2. »80 Prozent der El-Socorro-Kunden kaufen heute den Kaffee wegen der hervorragenden CoE-Platzierungen«, teilte Diego de la Cerda mit einem gewissen Stolz mit.

El_Socorro_Axel

Begeistert von der Plantage El Socorro (Foto: Diego De La Cerda)

Seither heißt die Philosophie: »We sell cups no pounds. We produce best coffee we can do under the circumstances.«
Es werden ausschließlich Direktgeschäfte mit Micro-Röstereien in den USA, Japan, Norwegen oder UK getätigt. Alle Geschäftspartner genießen einen gewissen Gebietsschutz für die Dauer der Partnerschaft, d.h. kein unmittelbarer Konkurrent verkauft parallel Kaffee von dieser Farm. Es können kleine Lots mit 10 Säcken wie auch größere Lots (1 Container) geordert werden.

ElSocorro_Diego3

Diego De La Cerda, Besitzer der Finca El Socorro erläutert die Wet Mill-Anlage

Jeden Tag während der Erntezeit werden die Kaffees verkostet, um zu sehen, ob sie den Qualitätsanforderungen entsprechen. Diego ist der Überzeugung: »Nur wenn man keine so gute Qualität hat, werden die Varietäten als »HONEYS« oder »NATURALS« weiter verarbeitet. Sein Kaffee wird ausschließlich »WASHED« aufbereitet.

Auch hier unterscheidet sich die Finca bei der Weiterverarbeitung im Detail: Nach dem Pflücken werden die Kaffeekirschen gewogen.

ElSocorro_Wassertemperatur

Finca El Socorro – Wet Mill wird mit Sonnenenergie betrieben

Wegen der Höhe der Lage ist das Wasser kälter. Bevor die frischen Kirschen in den Syphon kommen, wird das Wasser auf ca 24°C bis 25°C erwärmt. Hier werden die besten Kaffees von den weniger guten (Floaters) separiert. Eine erste Klassifikation wird also nach Gewicht vorgenommen. Je mehr Gewicht, desto besser der Kaffee. Die Bohnen werden dann in einer vertikal angeordneten Entpulpungsmaschine von dem Fruchtfleisch befreit.

ElSocorro_Nassaufbereitung1

Finca El Socorro – Wet Mill Processing

Die vertikale Anlage spart im Vergleich zu den üblichen hotizontal-angeordneten Anlagen erheblich an Wasser ein. In einer weiteren Klassifikation werden die »CRIBA« (Bohnen mit Mucilage) wieder nach Gewicht separiert. In den Fermentationstanks mit dem erwärmten Wasser brauchen die »CRIBAS« nur ca. 18 Stunden zuzubringen. Das stresst die Bohnen weniger und steigert die Aromenintensität. In einem letzten Schritt werden die fermentierten Bohnen durch einen Wasserkanal geführt, wo sie durch eine Bürstenmaschine von möglichen letzten Mucilage-Resten befreit werden. Um so reiner schmeckt nachher der Kaffee.

ElSocorro_patios

Finca El Socorro – auf den Patios werden hier ausschließlich washed beans sonnengetrocknet

Dann werden die Pergaminos zum Trocknen auf den Patios verteilt und ungefähr 10 bis 11 Tage lang in der Sonne unter regelmäßigen Wenden getrocknet. Anschließend in einem Depot bis zum Export gelagert.

Nach angeregten Gespächen über den Kaffeeanbau, das Processing und die Flavours von El Socorro sind wir zu einem köstlichen Barbeque eingeladen. Ein Teil der SCAE-Gruppe fuhr anschließend mit Off-Road-Fahrzeugen der Farm nach Guatemala-City zurück. Der „harte Kern“ genoss die ruckelige Busfahrt und traf 10 Minuten später als die anderen wieder im Hotel Clarion Suite in Guatemala-City ein…

Letzter Teil der Exkursion und besonderes Highlight folgt in Kürze:
Besuch der Finca La Soledad in Acatenango

Alle Text- und Bildrechte liegen bei ©kaffeewacht : Axel R. Bollmann

Read Full Post »

Older Posts »