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Archive for the ‘Mittelamerika’ Category

Die Farm El Injerto in Guatemala hat vor wenigen Tagen die nationale Cup of Excellence Auktion 2013 gewonnen. Deren Ernte wird nun am 19.06.2013 versteigert.

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Sechs Varietäten von der berühmten guamaltekischen Farm El Injerto

El Injerto gilt als eine der berühmtesten und besten Kaffee-Farmen.
Bei der Versteigerung 2012 wurde eine ihrer Roh-Kaffees (Varietät: Mocca) für $500.50 pro amerikanisches Pfund verkauft. Eine der höchsten Preise, die je für Kaffee bezahlt wurden.
El Injerto ist seit 1874 im Besitz der Familie Aguirre und gewann mit ihren Kaffees bereits den ersten Platz bei der Guatemala Cup Of Excellence im Jahr 2006, 2008, 2009, 2010 und eben 2012.

Die Farm liegt in La Libertad, in der Spezialitätenkaffee-Region Huehuetenango. Ganz im Westen des Landes. Huehue ist die am höchsten gelegene und die trockenste Kaffee-Region in Guatemala – ohne Vulkane.

Dank der trockenen und heißen Winde, die aus Mexiko herüberwehen, ist die Region vor Frost geschützt. So kann hier Kaffee in einer Höhe von 2.000 m (ü.d.M.) angebaut werden. Je höher der Anbau, desto länger das Wachstum, desto härter die Bohne, desto besser die Qualität. Hauptsächlich werden in dieser Region Bourbon, Caturra und Catuai angebaut. Die Ernte erfolgt sogar bis spät in den April hinein.

Durch die großen Entfernungen muss nahezu jede Farm in dieser Region ihren Kaffee selbst weiterverarbeiten. Glücklicherweise gibt es dort eine Unzahl von Flüssen und Bächen, so dass eine Nassaufbereitung kein Problem darstellt.

Kiduk Reus, Co-Owner von der Berliner Rösterei Bonanza, besuchte die El Injerto Farm im März 2013 und organisierte Samples der aktuellen Ernte.

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Kiduk Reus, Co-Owner von Bonanza Coffee Roasters in Berlin

Aus der Ernte 2013 hat Kiduk Reus verschiedene Varietäten (Pacamara, Maragogype, Yellow Catuai, Geisha und Bourboncito) nur von dieser Farm mitgebracht.

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El Injerto Varietäten auf dem Cupping Table (Pacamara, Maragogype, Yellow Catuai, Geisha und Bourboncito)

Auf Einladung der Berlin Coffee Society (BCS) sollten die samples beim BCS-Mitglied Five Elephant Coffee & Cake verkostet werden. BCS ist eine kleine Gruppe Berliner Independent Coffee Shops, die mit viel Engagement und Kompetenz dazu beitragen, die Berliner Kaffee Szene zu verbinden.

Alle Varietäten kamen also aus der gleichen Erde, aus der gleichen Anbauhöhe und aus dem gleichen Microklima.

Vor 2 Tagen wurden sie nun von Bonanza schonend geröstet. Und nun bei Five Elephant für eine Cupping vorgestellt. Pro Varietät wurden zwei Cups (13g/217 ml) vorbereitet.

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Cuppingvorbebereitung – die Spannung steigt…

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Vier Minuten gewartet. Die Kruste aufgebrochen. Geschnuppert.

Vier Minuten gewartet. Die Kruste aufgebrochen. Geschnuppert. Und bei ca. 70 °C Getränketemperatur wurden die Löffel gezückt und das Schlürfen konnte beginnen.

Cupping-Weltmeister Cory Andreen gab sich die Ehre und machte den Anfang.

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Cupping Weltmeister Cory Andreen (links) läutete die Cuppingrunde ein

Für mich war Maragogype sehr speziell mit weinigen Noten. Pacamara war vollmundig, rund, hatte eine wunderbare Süße und lag nicht nur bei mir ganz vorne. Yellow Catuai bestach durch eine feine intensive Säure. Alle Varietäten waren sehr unterschiedlich und schmeckten phantastisch. Eine besondere und eine sehr gelungene Veranstaltung.

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Gelungene Kaffeeverkostung von sechs verschiedenen Varietäten der berühmten guamaltekischen Farm El Injerto

Kompliment an Bonanza und ein ganz besonderes Danke schön gebürte Kris Schackman, Co-Owner von Five Elephant, und seinem Team für seine Gastfreundschaft und sein unermüdliches Engagement für eine perfekte Organisation des Abends.

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Kris Schackman (rechts), Co-Owner von Five Elephant Coffee & Cake

Denn nach dem Cupping war vor dem ersten Berlinvision Kaffee Contest, der gleich im Anschluss folgte. Die Regeln waren einfach, denn es gab kaum welche. Jeweils 2 Teilnehmer bereiteten gleichzeitig einen selbst gewählten Kaffee zu (egal ob Espresso, Brühkaffee oder Signature Drink), der von einer Jury, unter Leitung von Cory Andreen, blind verkostet und nach Präsentation und Geschmack bewertet wurde.

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Erstes Berlinvision Kaffee Contest

Ob es einen Preis für den Gewinner des ersten Berlinvision Kaffee Contests gab, kann ich nicht sagen, denn gegen 22:00 Uhr strich ich die Segel.

Initiator: Berlin Coffee Society
Farm: Finca El Injerto
Hintergrundinfos: $500.50 a Pound for Coffee Beans

©kaffeewacht : Axel R. Bollmann

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Montag, 11. März 2013:
Letzter Tourtag. Besuch Finca La Soledad, Spezialitätenkaffee-Region Acatenango.

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Finca La Soledad in Acatenango

Die Finca La Soledad liegt in einem »Reserva Natural Privada«  ganz in der Nähe des Acatenango Volcano, der südwestlich von Guatemala-City liegt. Acatenango gehört zu den besten Anbaugebieten des Landes.

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Verkostung von sieben Spezialitätenkaffees aus der Region Acatenango

Direkt nach der Ankunft wurden wir zu einer Verkostung von sieben verschiedenen Farmen (»La Pampa«/Mario Perez, »El Carmen«/Juan Mejia, »El Arcoiris«/Antonio Ovalle Perez, »La Soledad«/Henio Raul Perez, »Coop. Acatenango«, »El Libano«/Herbert E. Perez) eingeladen.
Sehr unterschiedliche flavours – blumige über fruchtige bis leicht buttrig-nussige Noten. Sehr klar im Geschmack. Und alle ausgezeichnet. Wir waren beeindruckt.

Anschließend bat uns Raul Perez (Sohn von Henio Perez) von der Finca La Solidad zur Präsentation. In einem überdachten und einem eigens für uns aufgebauten Zeltplatz wohnten wir einer professionellen PowerPoint-Präsentation bei, die wir nicht erwartet hatten.

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DOC Acatenango-Präsentation

Bereits 1895 wurde auf dieser Farm der erste Kaffee angebaut. La Solidad wird heute in vierter Generation von Henio Perez betrieben. Auf der 90 Hektar Farm werden auf 45 ha Kaffee angebaut, und auf 44 ha Waldwirtschaft betrieben. Ein Hecktar steht den Gebäuden der Farm und einer Wet Mill (Nassaufbereitung) zur Verfügung. Auf einer Höhe von 1.470 m bis 1.710 m Höhe (ü.d.M.) wird hier Kaffee angebaut.

Paul Rodas (Guatemala), Barista World Champion 2012, Wien bezog übrigens seinen Siegerkaffee von der Farm La Soledad 🙂

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Caturra Vatietät auf La Soledad

Angebaut werden Caturra (45%), Bourbon (30%), Typica (15%) sowie Geisha und Pacamara (10%). Schattenbäume sind Gravelea (35%), Ingas (35%) und Native Spezies (30%).

In der Spezialitätenkaffee-Region Acatenango (372 qkm/20.000 Einwohner) wird auf einer Fläche von knapp 50 qkm Kaffee angebaut. Bei 3.000 Kaffeeproduzenten, zwei Kooperativen und 32 Wet Mills/ Nassaufbereitungsanlagen.

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Bourbon Varietät auf La Soledad

Das jährliche Potenzial liegt bei 45.000 bis 55.000 Säcken Green Coffee/Rohkaffee à 69 kg. Obwohl bereits seit 1880 Kaffee in der Region angebaut wird, wurde Acatenago erst 2006, als letzte der acht Spezialitätenkaffee-Regionen, als eigenständig von Anacafé anerkannt.

In Anlehnung an die spanische Herkunftsbezeichnung für Wein hat sich hier eine Gruppe von Kaffeeproduzenten und Kooperativen zu einem Verbund zusammengeschlossen, unter der Bezeichnung »Denominación de Origen Café Acatenango, DOC«.
DOC Acanenago ist ein Projekt von Kaffeeproduzenten für Kaffeeproduzenten und Röstereien. Mit einem Ruf für einzigartige Kaffees, die sonst nirgends angebaut werden können.

DOC_Acatenango

Logo DOC Acatenango

Im Fokus stehen
• Authentizität: das einzigartige Zusammenspiel von Varietätenanbau, Weiterverbeitungsprozess, Mikroklimata,Vulkanerde;
• Rückverfolgbarkeit: jede einzelne Kaffee-Charge (Varietät, Anbau, Klima) kann lokalisiert und identifiziert und jede Weiterverarbeitung (Fermentation/Trocknung sowie Rohkaffeeaufbereitung für den Export) kann nachvollzogen werden;
• Qualität: bestens vertraut mit den Praktiken, die Kaffeequalität stets zu verbessern
• Stolz: lange Tradition in der Lieferung von Qualitätsbeweisen durch die Teilnahme an Wettbewerben

Der Kaffeeblatt-Rostpilz hat aber auch hier seine vernichtenden Spuren hinterlassen. Bei der Ernte 2013 konnten lediglich 10.000 bis 15.000 Säcke – also nur 30 Prozent! des Potenzials – geerntet werden.

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La Soledad Plantagenbesuch

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Wet Milling Station (Acatenango)
Abschließend besuchten wir eine Wet Milling Station gleich in der Nähe.

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Anlieferung frischer Kirschen bei der Wet Mill

Einige small producers/ Kaffeeproduzenten brachten gerade ihren Kaffee hierher. Es waren die letzten Erntetage. Die Qualität des Pfückens ist daher unterschiedlich. Die Früchte kamen von unterschiedlichen Plantagen, es wurden jetzt fast reife und reife Kaffeekirschen gebracht. Jeder Sack wurde gewogen.

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Grobe Reststoffe wie Blätter und Steine werden von den Kirschen getrennt

Alle wurde anschließend gemischt. Dann gewaschen. In der ersten Stufe wurden die groben Reststoffe wie Blätter und Steine von den Kirschen getrennt.

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Trennung der Floater von den schweren, guten Kirschen

Dann werden die Floater von den guten Kirschen getrennt.

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vertikaler Entpulper

In einem vertikalen Entpulper (spart erheblich Wasser) wurden die Kirschen geschält.

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Entpulpte Bohnen auf dem Weg ins Fermentationsbecken

Die freigelegten Bohnen anschließend gewaschen und ins Fermentationsbecken geleitet, um die restliche Mucilage abzusondern.

Patios

Patios

Der weitere Prozess: nach ca. 24 Stunden werden die Bohnen mit frischem Wasser gereinigt und auf den Patios sonnengetrocknet.

LaGuardia

La Guardia – mechanische Trocknung von 17% auf 10% bis 12 %

Mit einer Restfeuchte von ca. 17 Prozent gehen sie in den mechanischen »La Guardia« Trockner und werden auf 10 bis 12 Prozent getrocknet. In den Lagerhallen zwischengelagert gelangen sie schlußendlich beim Exporteur zur Rohkaffee-Aufbereitung/Dry-Milling.

Patio2

Blick von den Patios in die nebelverhangenen Berge von Acatenango

Zum letzten Mal fuhren wir am Abend mit unserem Tourbus zurück nach Guatemala-City. Eine außergewöhnliche Reise ging zu Ende. Ein letztes Abendessen, zusammen mit unseren Gastgebern von Anacafé,  fand in einem italienischen Restaurant statt. Letzte Erfahrungen wurden ausgetauscht. Ein großes Danke schön richtete Colin Smith an Anacafé mit dem Versprechen unsere Erfahrungen in Europa zu teilen.

Es war spät geworden. Zurück im Hotel folgte ein schneller, sehr herzlicher Abschied von allen Teilnehmern mit dem Wunsch in Kontakt zu bleiben. Visitenkartenaustausch, Umarmung, ab aufs Zimmer.

Abschied

Abschied nehmen… aus dem beindruckenden Spezialitäten-Kaffeeland Guatemala

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Dienstag/Mittwoch, 12./13. März 2013: Rückreise nach Deutschland

Koffer gepackt. Ausgiebiges Frühstück. Freundliche Verabschiedung vom Hotelpersonal. Etwas Wehmut kam bei mir auf, aber auch Freude auf zu Hause. Problemlos ging es durch den guamaltekischen Zoll und die Passkontrolle mit Stempel. Koffer aufgegeben. Mit dem Hinweis, dass ich ihn in Miami/USA wieder abholen musste. Abflug: 14:35 Uhr Ortszeit. Ankunft Miami/USA 2,5 Stunden später.
Nach 1,5 Stunden üblicher amerikanischer Zoll- und Passkontroll-Schikane ging es direkt zum Einchecken. Erleichterung. Ich hatte einen Gangplatz. Niemand saß neben mir. Die Toilette war nicht weit entfernt. Freundliche Flugbegleitung. Entspannung. Um 22:00 Uhr Miami-Zeit flogen wir nach London. Mir ging es gut. Die Sonne schien über den Wolken, als wir morgens um 10:00 Uhr Ortszeit in London Heathrow landeten. Zwei Stunden später ging der Flieger pünktlich nach Berlin. Ankunft 13. März 2013, 15:50 Uhr. Passkontrolle. Keine Gepäckkontrolle.

Es war kalt und es lag Schnee in Berlin.

Mein Fazit:
Die schönste und erfüllteste Auslandsreise, die ich je in meinem Leben unternommen habe. Mit einem besonders herzlichen Dank an alle Mitarbeiter von Anacafé, die uns phantastisch betreut hatten.

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Alle Text- und Bildrechte liegen bei ©kaffeewacht : Axel R. Bollmann

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Donnerstag, 07. März 2013: Besuch der Finca Rosario Quezada, Reserva Natural Privada, San Sebastian, Department Quetzaltenango

Hintergrund: Teilnahme an einer einmaligen SCAE-Kaffee-Exkursion nach Guatemala. Organisiert von ANACAFÉ, der »Guatemalan National Coffee Association« mit Sitz in Guatemala City. Das Programm sollte den Besuch von großen und kleinen Kaffeefarmen, eine Unterrichtung in die Aromenvielfalt und Profile der acht verschiedenen Spezialitätenkaffee-Regionen des Landes sowie in die Weiterverarbeitungsprozesse – Nass- und Trockenaufbereitung – nach der Kaffeeernte umfassen.

Schlecht geschlafen. Bei vier schmarchenden Kollegen nicht verwunderlich 😉 Um 05:00 Uhr aufgestanden. Bevor die Reise zur nächsten Finca weiter ging, wollten wir den Sonnenaufgang mit Blick auf den aktiven Volcano Fuego erleben. Um 05:30 Uhr fuhren wir vor dem Morgengrauen mit zwei Off-Road-Fahrzeugen, auf der Pritsche stehend, die steilen Berghänge des Atitlán Volcano hoch.

Morgenrot auf Los Andes - Blick auf den Volcano Fuego

Morgenrot auf Los Andes – Blick auf den Volcano Fuego

Nach einer halben Stunde Fahrt hatten wir eine Anhöhe erreicht, die uns eine unglaubliche Sicht auf die gegenüber liegenden Vulkane (Acatenango Volcano und den aktiven Fuego Volcano) erlaubte. Mit gezückten Kameras erwarteten wir ein einmaliges Naturschauspiel. Für uns Europäer. Ein erster roter Lichtstreifen hinter den Vulkanen erklomm den Horizont. Vor uns die tief grünen Kaffeeplantagen und frisch riechenden Wälder. Nur das Zirpen der Grillen war zu hören. Uns lief ein Schauer über den Rücken.

Sonnenaufgang auf Los Andes – Blick auf den Volcano Fuego

Das Rot vertiefte sich und wurde von hellen Orangetönen verfolgt. Ein einzigartiges Licht. Eine traumhafte Kulisse. Mit dem immer stärker aufkommenden Sonnenlicht sahen wir den aufsteigenden Rauch aus dem aktiven Fuego Volcano. Eine kleine Wolke gesellte sich dazu und verlängerte so die Rauchfahne und präsentierte ein Bild für uns, das wir wie angewurzelt stehen blieben. Mit geöffneten Augen und Mündern.

Wir waren sprachlos. Nach einer halben Stunde blitzte Aurora hinter dem Vulkan hervor und stellte schließlich ihre ganze Größe und Schönheit zur Schau. Ein unvergeßliches Erlebnis, im digitalen Bild festgehalten, das ich wohl nie vergessen werde.

Farm-Managerin und Tochter von Herrn Raida, Eigentümer der Finca Rosario Quezada

Farm-Managerin und Tochter von Herrn Raida, Eigentümer der Finca Rosario Quezada

Nach dem Frühstück fuhren wir dann nach Retalhuleu, in Richtung mexikanische Grenze. Es wurde immer wärmer. Die Temperaturen erreichten jetzt schon die Marke von 30 °C. Mittags trafen wir auf der Rosario Quezada Farm ein.
Begrüßt von der Familie Raida (Vater & Töchter) entdeckte ich meinen ersten Mosquito-Stich. Ich wurde kreideweiss. Alan Andrews, mein irischer Kollege, gab mir sofort eine Tablette und fragte, ob mir schon anders würde. Ich verneinte. Die Raidas lachten und beruhigten uns sofort.
»Die Mosquitos sind hier harmlos, da sie nicht aus schlechtem Wasser kommen.« Ich war erleichtert. Es gesellte sich noch so mancher Mosquitostich auf der Reise dazu, der etwas juckte. Aber nicht mehr tat, als unsere gemeinen Mückenstiche.

Besuch der Kaffeeplantage von Rosario Quesada

Besuch der Kaffeeplantage von Rosario Quesada

Auf der 109 Hektar großen Farm, die zu den ältesten in Guatemala gehört, werden zu je ein Drittel Kaffee und Latex angebaut und zu ein Drittel Rinderzucht betrieben. Die Farm hat eine Nass- und Trockenaufbereitung, um die eigene Kaffeequalität zu sichern. Es werden Columbia, eine Abart der Catimor Varietät (26 Hektar) sowie Caturra und Catimor (26 Hektar) und Catuai und Bourbon (21 Hektar) angebaut. Alle in Prime und Extra Prime Qualität.

Nach der Führung durch die Plantage erlebten wir ein kleines feines Kulturprogramm mit dem Besuch der Takalik Ab´aj Ausgrabungsstätte. Die einzige Stelle an der Relikte der beiden Olmeken und Maya-Kulturen zu sehen sind. Finanziert und unterstützt duch Dulce Raida, dem Eigner der Rosario Quezada Farm.

Beim abendlichen Cupping probierten wir zwei Kaffees aus der eigenen Ernte. Der Kaffee hatte keine Süße, keine Säure, war ausgeprägt nussig im Aroma, vollmundig im Abgang. Eine gute Beimischung für Espressomischungen, die Süße haben und ausbalanciert werden müssen, wie ich fand.

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Freitag, 08. März 2013: Besuch Dry Mill & Exporteur Fedecocagua, Pacaya

07:00 Uhr war Abfahrt. Es ging wieder in Richtung Westen. Bis Pacaya, das südlich von Guatemala-City liegt. Hier bei der Genossenschaft »Fedecocagua« konnten wir zum ersten Mal mit erleben, wie die grünen Bohnen aus den Pergaminos aufbereitet wurden.

Lagerhalle für Green Beans

Lagerhalle für Pergaminos und Green Beans

Fedecocagua wurde 1969 gegründet. Der Dachverband entstand aus der Notwendigkeit der Kleinbauern sich in Kooperativen zu organisieren, um Kaffee anzubauen, zu verarbeiten und zu kommerzialisieren. Ohne dabei auf Zwischenhändler angewiesen zu sein. Heute ist Fedecocagua eine erfolgreiche und anerkannte private Genossenschafts-Organisation, der in Kooperativen organisierten Kaffeeproduzenten. Sie verfügt über eine eigene Exportlizenz.

Die Kooperativen und Fedecocagua bieten tausenden guamaltekischen Familien direkte Arbeitsmöglichkeiten. Fedecocagua ist auf dem konventionellen Kaffeemarkt sowie auf speziellen und herkunftszertifizierten Märkten vertreten. Mit ihrem Gourmetkaffee kooperieren sie mit der Starbucks Company, Rainforest Alliance, UTZ Kaffee u.a. Die soziale Unterstützung der Produzenten war von Beginn an ein wichtiges Anliegen. Geleistet wird das vor allem durch die Stiftung Ulrich Gurtner Kappeler.

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Schälmaschine (Huller) bei Fedecocagua

Der Prozess der Trockenverarbeitung.
In einigen Fällen wird der Kaffee in regionalen Lagerhallen entgegen genommen. Den Transport zur Zentrale übernimmt Fedecocagua. Hier wird der Kaffee gelagert, klassifiziert und für den Export verarbeitet.
Direkt bei der Anlieferung werden die Säcke mit den Pergaminos gewogen und von jedem Sack wird eine sprichwörtliche Stichprobe entnommen, womit der Feuchtigkeitsgehalt des Kaffees gemessen wird. Es wird auf fleckige, feuchte und schlecht riechende Bohnen geachtet. Normalerweise sollte der Feuchtigkeitsgehalt zwischen 10 und 12 Prozent liegen. Über 12 ist der Kaffee zu feucht, unter 10 zu trocken. Die Säcke werden geöffnet und die Pergaminos kommen in die Schälmaschine (Huller).

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Klassifizierung der Green Beans nach Gewicht

Die frisch geschälten Grünbohnen werden zunächst nach Gewicht und dann nach Größe und Farbe maschinell sortiert.

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Letzte Qualitätskontrolle per Hand

Per Hand wird in einem letzten Gang noch einmal nachsortiert, um fehlerhafte Bohnen auszusortieren.

Exportsack

Nummerierter Leinensäck, der nach Land (11), Exporteur (30) und Container (336) für den Export gekennzeichnet ist

Schlußendlich wird der Rohkaffee/Green Beans in nummerierten Leinensäcken nach Land, Exporteur und Container für den Export abgefüllt.

Cupping im Fedecocagua Kontrolllabor, das den Standards der weltweit besten Labore entspricht.
Unter der Anleitung von Gustavo Galicia, Leiter der Herstellung und Ausfuhr, bekamen wir die Möglichkeit die acht ausgewählten Kaffees für das geplante »Coffee Cup Contest« 2013 von »Tully´s Coffee« in Japan zu verkosten. Ein besondere Ehre, die uns da zu Teil wurde.

Cupping unter Anleitung von Gustavo Galicia, Leiter der Herstellung und Ausfuhr

Cupping unter Anleitung von Gustavo Galicia, Leiter der Herstellung und Ausfuhr

Die Muster stammten aus der Ernte 2012/2013 von acht Kooperativen:
»Las Brisas«, »Rio Limon«, »Esperanza del Futuro«, »Aquil«, »San Pedro Necta«, »Pena Roja«, »Acatenango«, »Nuestro Futuro«.

Alle Kaffees waren deutlich unterschiedlich und sie waren phantastisch. Besonders herrausragend waren für mich persönlich, die Kaffeemuster aus den folgenden drei Kooperativen: »San Pedro Necta«, »Pena Roja« sowie »Acatenango«.

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Besuch Finca La Merced, Nähe San Martín, Jilotepeque, Department Chimaltenango

Nun ging es in Richtung Norden auf unserer Exkursion. Durch Guatemala-City hindurch fuhren wir bis nach San Martín im Department Chimaltenango.

Ing. Juan Luis Barrios Ortega. Eigentümer von der Finca La Merced

Ing. Juan Luis Barrios Ortega. Eigentümer von der Finca La Merced

Dort auf einer Höhe von 1.600 bis 1.800 m liegt die 70 Hektar Finca »La Merced« von Ing. Juan Luis Barrios Ortega. Ortiga ist gleichzeitig im Board von Anacafé in Guatemala-City tätig. Und er ist ein sehr engagierter und leidenschaftlicher Farmer, um einen nachhaltigen und qualitativ hochwertigen Kaffeeanbau sowie die Sicherung der wirtschaftlichen Existenz der Farm zu betreiben. Jeder der großen Familie (Onkel, vier Tanten, viele Neffen) hat Anteile an dieser Farm, denen Ortega gegenüber Rechenschaft ablegen muss.

Ortega hatte in den letzten Jahren ein Umstrukturierungsprogramm eingeleitet, das in den nächsten Jahren Früchte tragen muss. Es soll ausschließlich ein selektives Picking betrieben werden. Nur die richtig reifen dunkelroten Kirschen werden gepflückt. Mit Unterstützung von Anacafé wurde eine Nassaufbereitungsanlage/Wet Mill speziell auf seinen Bedarf hin konstruiert und installiert.

Es ging los. Mit zwei Pick-ups fuhren wir in die Plantage und konnten erstmals einen Nassaufbereitungsprozess live mit erleben.

Anlieferung der frisch gepflückten Kaffeekirschen

Anlieferung von frisch gepflückten Kaffeekirschen

Die Pflücker kamen gerade mit den LKWs mit ihren frisch gepflückten roten Kirschen vorgefahren. Erst wurde gewogen.

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Wet Mill von Finca La Merced

Dann wurden die Kirschen direkt in ein großes Auffangbecken geleitet. Weiter kamen sie in den Syphon, um erstmals gewaschen zu werden. Von dort gelangten sie direkt in den Entpulper.

Die Pulpe (40 % der Kirsche) wurde dabei separiert und auf einen weit entfernten Kompostierplatz entsorgt und sauber kompostiert. Die Kompostierplatz roch tatsächlich nach frischer Erde.

Kompostieranlage

Kirschreste nach der Entpulpung der Kaffeebohnen

Mit Hilfe einer Wasseraufbereitungsanlage kann das Wasser für den Weiterverarbeitungsprozess zwei Mal verwendet werden. 11.000 Liter für 6.000 kg. Dann wird es recycled.

Fermentationsbecken

Fermentationsbecken bei der Nassaufbereitung – Prüfung des Status

Nur beim allerletzten Schritt wird frisches Wasser nach der Fermentation eingesetzt.

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Patio La Merced

Dann werden die sauberen Pergaminos auf den Patios unter der Bedingung einer regelmäßigen Wendung sonnengetrocknet.

In den 50er Jahren begann Ortegas Großvater mit dem Anbau von Kaffee. Es gibt noch über 60 Jahre alte Bourbon und Typica Gewächse aus den Anfängen der Farm, die immer noch gute Früchte tragen.

Aber auch hier nahm und nimmt Ortega Veränderungen vor. Da wo früher sehr großzügig – mit sehr großen Abstand (2 bis 3 m) – gepflanzt wurde, wird künftig zwischengepflanzt. 20 % der nicht mehr ertragreichen oder im frühen Stadium mit Rostpilzbefallenen Pflanzen wurden abgeholzt.

Aktuell wurden 109.000 neue Pflanzen (Bourbon, Caturra, Catuai) in der eigenen Baumschule hochgezogen. Übrigens ohne Pfropfung (Grafting) auf Robusta Stecklinge. Durch die Hochlage der Finca und den niedrigeren Temperaturen sind die Pflanzen resistenter als in niedrigeren Lagen. Die Plantage wie die Baumschule sahen phantastisch aus: sauber, grün, gesund. Wir waren begeistert.

Varietät Caturra auf La Merced

Varietät Caturra auf La Merced

Bei der aktuellen Ernte wurden drei Container à 320 Sack à 69 kg Rohkaffee (Green Beans) abgesetzt. Das Potenzial liegt bei 4 Containern, die durch das Umstrukturierungsprgramm derzeit nicht realisiert wurden. Hauptabnemer sind Kunden in den USA. In Zukunft möchte Ortega mehr direkt absetzen, auch nach Europa. Erste Kunden hat er in Norwegen und Irland.
Seine Preise lagen durchschnittlich bei 3.25 USD bis 3.30 USD FOB per lb of grean bean (amerikanisches Pfund). FOB bedeutet »Free on board«, der Rohkaffee/Green Bean wird bis zum Schiff geliefert.

Noch am Abend fuhren wir mit dem Bus nach Antigua. Übernachtung im vornehmen Hotel Porta.


Fortsetzung folgt: Besuch der Finca San Sebastian (Antigua) und Finca El Socorro (Guatemala)

Alle Text- und Bildrechte liegen bei ©kaffeewacht : Axel R. Bollmann

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Dienstag, 05. März: Besuch Cooperative LA VOZ am Atitlán Lake (Region »Traditional Atitlán«)

Hintergrund: Teilnahme an einer einmaligen SCAE-Kaffee-Exkursion nach Guatemala. Organisiert von ANACAFÉ, der »Guatemalan National Coffee Association« mit Sitz in Guatemala City. Das Programm sollte den Besuch von großen und kleinen Kaffeefarmen, eine Unterrichtung in die Aromenvielfalt und Profile der acht verschiedenen Spezialitätenkaffee-Regionen des Landes sowie in die Weiterverarbeitungsprozesse – Nass- und Trockenaufbereitung – nach der Kaffeeernte umfassen.

Guatemala-City, Hotel Clarion Suite, 05:30 Uhr Checkout, 06:00 Uhr Frühstück, 06:30 Uhr Abfahrt mit dem Anacafé-Bus. Viele bunte Busse begleiten uns auf unserer Reise durch das Land…

Ford »Blue Bird« Bus

Berühmt und viel gesehener »Blue Bird« Bus

Rund 3 Stunden ging die Fahrt jetzt Richtung Westen zum Lake Atitlán. Die Sonne schien. Es war warm. Und ich saugte die Eindrücke der Fahrt in mich auf. Bunte und schnellfahrende FORD »Blue Bird« Busse, kleine Zeltstände oder Blechhütten mit örtlichen Produkten.

Transportmittel

Typische Art des Transports…

Wanderarbeiter mit Hacke und Machete zu Fuß oder zu Pferd am Straßenrand, Blütenpracht, wilde Hunde, Menschen die auf den Pritschen der Pick-ups stehen oder sitzen, Feuerrauch, immer wieder bewaffnete Sicherheitsleute an Tankstellen, Büros und Ladengeschäften, Arbeiterinnen auf den Feldern und jederzeit sahen wir einen oder mehrere Vulkane. Beindruckend, fremd und schön.

Wochenmarkt Solála

Wochenmarkt Solála, Nähe Lake Atitlán

In  Sololá kurz vor dem Atitlán Lake machen wir Halt an einer Tankstelle für eine Pinkelpause. Aber viel interessanter: der örtliche Wochenmarkt. Becher mit frischen, bunten Melonenstückchen lachten uns an, Kinder die unter parkenden Bussen im Schatten auf ihre Mütter warteten, bunte und wohlriechende Gewürze; frische Gemüse- und Obstsorten (Pepperoni, Zwiebeln, Mais, Tomaten, Kohl, Gurken, Avocados, Limonen, Bananen und Ananas); frisches Fleisch und Würste, die offen und ohne Kühlung in den Ständen hingen, farbenprächtige Textilien, bunte Wolle, Plastikspielzeug und Töpfe. Beeindruckend. Und weiter ging die Fahrt.

»Bienvenidos Al LAGO DE ATITLAN« hieß es auf dem grünen Schild. Im Hotel »Porta del Lago« checkten wir ein.

Lake Atitlán

Am Lake Atitlán

Mit einem unglaublichen Blick auf den See und die Vulkane ließen wir die Idylle auf uns wirken. Wunderschön. Zu Fuß ging es runter zu einem kleinen Transferhafen. Mit einem kleinen Motorboot, das rund 16 Passagiere fasste, rasten wir über den See auf die gegenüber liegende Seite. Angekommen in Utz Epejtiik Xè Kukuàabàj stiegen wir um in zwei rote Mitsubishi Pick-ups. Auf den Pritschen stehend oder sitzend wurden wir die steilen Hänge aufwärts zur La VOZ Farm gefahren. Der erste Kaffeekirschbaum stand vor mir. Die ersten Kaffeekirschen meines Lebens hingen zum Pflücken nah. Hemmungslos griff ich in die Äste und pflückte die ersten Kaffeekirschen meines Lebens. Glücklich.

Cooperative La VOZ

Cooperative La VOZ

LA VOZ (Die Stimme) ist eine Kooperative, die 1979 von 20 Familien gegründet wurde. Heute arbeiten hier rund 140 Familien. Caturra und Bourbon Varietäten werden hier nebeneinander und gemischt angebaut. Auf einer Höhe von 1.500 m über dem Meeresspiegel (SHB-Qualität) werden pro Familie ca. 7 Hektar (5.000 Pflanzen pro Hektar) bewirtschaftet. Wir erfuhren, das die Ernte für dieses Jahr beendet ist – rund zwei Wochen zu früh für die Jahreszeit.

Parchment (Pergaminos) werden auf »Patios« sonnengetrocknet

Parchment (Pergaminos) werden auf »Patios« sonnengetrocknet

Die letzten Kaffees wurden  als Pergaminos auf den »PATIOS« gerade sonnengetrocknet. Fünf Container à ca. 528 Sack à 60 kg Pergaminos/ Parchments, das entspricht 5 Container à ca. 320 Sack à 69 kg Rohkaffee/Green Beans wurden dieses Jahr geerntet. Knapp 30 % weniger als letztes Jahr.

Hier sahen wir zum ersten Mal wie der Rostpilz  »Roya« gewütet hatte. Abgestorbene Blätter auf den Böden, halbnackte und kahle Bäume mit und ohne Kirschen, abgeholzte Parzellen, frisch befallene Bäume aber auch gesunde Bäume, die alle geernetet waren. Wir waren ernüchtert und etwas frustiert. Familien, die davon betroffen sind, werden andere Parzellen angeboten auf denen sie ihr erspartes Geld in den Anbau von Zwiebeln oder Tomaten investieren können.

Nach der Führung durch die Plantage zeigten uns die Verwalter die Funktion der Nass-Aufbereitungsanlage/Wet Mill und das Lagerhaus.

Zu unserer Überraschung wurden die Pergaminos/Parchments in Kaffeesäcken gelagert, die Aufschriften von anderen Spezialitätenkaffee-Regionen hatten oder sogar FAIR TRADE draufstand. Ich war irritiert. Auf Nachfragen erfuhr ich, dass es sich hier um die nachrangige Resternte handelte, die in die lokalen Märkte geht und nicht in den Export. Nichts geht verloren, aber vermutlich auch kein sinnvoller Beitrag um den Menschen vor Ort, die Qualität ihrer eigenen Kaffees zu vermitteln.
Ein angeschlossener roter namenloser Trommelröster stand in einer der Lagerhallen. Zum Abschluss durften wir die Ernte des letzten Jahres verkosten.

LaVoz Kaffeeröstung verkostet

LaVoz Kaffeeröstung verkostet

Selbst geröstete Kaffees wurden uns als French Press Zubereitung angeboten. Nicht ganz rund, aber schokoladige Noten im Aroma, mit einer leichten Citrussäure, vollmundig mit einem langen Abgang. Vielleicht war er etwas zu schnell und zu dunkel geröstet? Trotzdem ok. Nachdenklich und voller neuer Eindrücke machten wir uns auf den Weg zurück.

Rückfahrt mit dem Transferboot zum Hotel

Rückfahrt mit dem Transferboot zum Hotel

Mit dem Boot über den See ins Hotel. Der Sonnenuntergang über den Vulkanen lenkte mich ab. Unglaubliches Panorama. Notizen durchgesehen. Koffer vorbereitet. Spaziergang zum Wasser. Ein paar Postkarten geschrieben. Für 1 US Dollar pro Postkarte wurde der Versand vom Hotel organisiert. »Ob die je zu Hause ankommen werden?«

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Mittwoch, 06. März 2013:
Besuch der Los Andes Farm in Santa Bárbara im »Private Natural Reserve« im Department Suchitepequez, Region Atitlán

Gut geschlafen. Um 04:00 Uhr aufgewacht. Frühstück: 06:00 Uhr, Abfahrt: 07:00 Uhr. Suchitepequez liegt südlich des Atitlán Lakes. Wir fuhren um den See herum.

Die Landschaft verändert sich auf der Fahrt nach Süden

Die Landschaft verändert sich auf der Fahrt nach Süden

Die Vegetation veränderte sich. Die Sonne schien und es wurde wärmer (rund 25 °C bis 27 °C). Sehr grün. Zuckerrohr-Plantagen, Citrusfrüchte, Gummibaum-Plantagen und natürlich Kaffee. Nach 2,5 Stunden erreichten wir die Panama-Farm. Hier werden viele unterschiedliche Früchte und Hölzer angebaut.
Am Schlagbaum notierte sich der Wächter den Namen unseres Fahrers und das Buskennzeichen. Es ist eine riesige Farm, genannt Panama-Farm, die wir über mehrere Kilometer duchqueren mussten. Zu der Panama-Farm gehörte mal die Los Andes Farm, von der man sich aus wirtschaftlichen Gründen wohl getrennt hatte.

Finca Los Andes

Finca Los Andes

Dann erhob sich das Anwesen von Los Andes an den südlichen Hängen des Atitlán Volcano vor unseren Augen. »Jenseits von Afrika« könnte hier gespielt haben. Das musste das Paradies sein. Ein traumhafter Garten angelegt im britischen Stil mit einer Orchideenpracht, Palmen, Bananen, exotischen Blumen und Pflanzen. Ein Pool ludt zum Baden ein. Der Blick ins Tal: faszinierend. Und hinter der Farmvilla erhebt sich majestätisch der Atitlán Volcano. Es war atemberaubend. Wir waren verzaubert. Freundlich wurden wir von der Familie »Hazard« (Vater & Tochter) begrüßt und auf unsere Zimmer geleitet.

Auf der Terrasse nahmen wir eine frische Limonade oder einen Eistee zu uns. Was für ein Kontrast zu La Voz.

Los Andes Schule

Los Andes Schule

Noch etwas benommen von den Natureindrücken besuchten wir als erstes die privat organisierte Schule (rund 50 Schüler, im Alter von 6 bis 10 Jahre) von Los Andes. Es sind Kinder der Menschen, die rund um die Farm leben und arbeiten. Erziehung zur Selbstverantwortung ist das Leitprinzip. Jede kleine Gruppe an Schülern wird eine Aufgabe am Schultisch übertragen für die er/sie verantwortlich ist (Sprecher, Materialbeschaffung, Ordnung etc.). Die Kinder stellten sich bei uns mit Namen und Aufgabenbereich vor und sangen uns einstudierte Lieder vor. Es war sehr berührend.

Los Andes Schule

Los Andes Schule

Nach der Aufführung bedankte sich Colin Smith (Reisekkordinator) bei allen Kindern und übergab Buntstifte, Filzstifte und Lineale sowie Papierblöcke, die er im Namen der SCAE aus England mitgebracht hatte. »Es ist eine große Freude und eine sinnvolle Maßnahme, die die Kinder brauchen«, meinte der Schuldirektor/Lehrer, der übrigens auch der lokale Arzt ist, wie wir später überraschend erfuhren.Denn es gibt auch eine eigene Krankenstation auf Los Andes.

Mit den Schülern an der Chicken-Farm

Von den Schülern selbst verwaltete Chicken-Farm

Weiter ging es zu einer kleinen Chicken-Farm und zum Gemüsegarten, die auch in Selbstverwaltung der Kinder stehen. Hier lernen sie den Nutzen von Hühner- und Gartenhaltung kennen und wie man damit Geld verdient. Ein selbst geerntetes Radieschen durfte ich direkt probieren. Es gibt auch einen Fußballplatz für die Kinder und Erwachsenen.

Ein kleiner Kolonialwarenladen steht unter gemeinschaftlicher Verantwortung der örtlichen Dorfgemeinschaft, finanziert von den Eigentümern der Los Andes Farm. Die Überschüsse aus dem Produktverkauf des Ladens werden gemeinschaftlich geteilt und gespart. Der lokale Laden reduziert die Betriebskosten für Fahrten in die nächste Stadt, die viele Kilometer entfernt ist.

Präsentation: Kaffeeanbau auf Los Andes

Präsentation: Kaffeeanbau auf Los Andes

Zurück zu Kaffee.
Von der 630 Hektar großen Farm werden 104 Hektar mit Kaffee angebaut. Caturra, Catuaí, Catimor und Sarchimor Varietäten werden angebaut. Zwei Drittel »Strictly Hard Bean« und ein Drittel »Hard Bean«. Geerntet wird von November bis Januar. Die Erntezeit ist auch hier vorrüber.
Neben Kaffee werden auch Tee (23 Hektar), Quina – hilft gegen Malaria (30 Hektar), Macadamia (22 Hektar) und Kakao (12 Hektar) angebaut. Der Rest (420 Hektar) ist Waldgebiet.

Baumschule (Grafting) auf Los Andes

Baumschule (hier: Grafting) auf Los Andes

Am Nachmittag besuchten wir die Baumschule. Die Jungpflanzen wachsen über acht Monate von der Saat bis zu einer Größe von 20 cm. Alle Jungpflanzen werden anschließend gepfropft. Eine entsprechende Arabica Varietät wird auf eine Robustapflanze transplantiert. So nutzt die Arabicapflanze die Resistenz der Robusta-Wurzel gegen Krankheiten. Allerdings hilft das nicht gegen den Rostpilzbefall auf den Blättern. Daher werden auf Los Andes mehr »Sarchimor «und »Catimor« Jungpflanzen angebaut, die resistent gegen den Pilzbefall derzeit scheinen. Sarchimor soll im Vergleich zu Cartimor ein besseres Cup Profil haben.

Kompostieranlage auf Los Andes

Kompostieranlage auf Los Andes

Etwas entfernt lag eine große Kompostanlage in der sich massenhaft Regenwürmer durch die abgesonderte Pulpe der Kaffeekirschen fraßen. Dieser natürliche Restmüll wird von den Würmern in wertvollen Humus gewandelt, der als natürlicher Dünger wieder eingesetzt wird. Dieser Humus enthält im Durchschnitt fünf mal mehr Stickstoff und Kalium, sieben Mal mehr Phosphor und doppelt soviel Kalzium als der Wurm vorher eingenommen hat. Nicht schlecht für einen Haufen Würmer, die sonst als Fischfutter eingesetzt werden.

Wet Mill Anlage auf Los Andes

»Trockene« Wet Mill Anlage auf Los Andes

Weiter ging es zu der »Peligro«, der Nass- Aufbereitungsanlage, wo die frisch gepflückten Kirschen normalerweise entpulpt werden. Aber auch diese Anlage stand bereits still, da die Ernte bereits beendet war. Wir wurden etwas nervös. Dass wir diesen Weiterverabreitungs-prozess auf unserer Reise vielleicht gar nicht mehr sehen können.

Colin Smith telefonierte mit Anacafé in Guatemala City. Eine Stunde später erhielten wir eine Planänderung und das Versprechen, dass Direktor Luis Ortega uns seine Farm La Merced bei San Martin in Chimaltenango zeigen wird. Sie liegt höher als andere Farmen. Der Kaffee wächst dort länger, entsprechend später wird geerntet und weiterverarbeitet. Erleichterung und Freude kamen  bei uns allen auf. Und Dankbarkeit für die hohe Flexibiliät und die Einsatzbereitschaft für unsere Interessen.

Am Abend fing es an zu Regnen. Nach dem abendlichen Buffet mit Gemüse, Kartoffel, Huhn und Tortillas bot uns Familie Hazard die Gelegenheit ihre Kaffee-Ernten zu probieren.
Sie hatten vier Sorten geröstet. Zu unserer Überraschung kannten sie nicht das Geschmacksprofil und hatten im Verkosten keinerlei Erfahrung. Sie hatten diese Kaffees nur für uns rösten lassen.

Cupping auf Los Andes

Cupping auf Los Andes

Tibor Hajcsunk (li.) von Pasco in Ungarn, der schon unzählige Barista- und Cuppingmeisterschaften gejudged hat, bereitete ein Cupping für uns vor. Fünf Cups pro Kaffeeröstung. 15 g wurden für 200 ml gewogen und grob gemahlen und dann gebrüht.

Ein Kaffee stach heraus »Lot 11«. Rund, schöne Süße, feine, elegante Säure, blumige Noten, gefolgt von Fruchtaromen, die an Himbeeren erinnern; vollmundig im Abgang. Leider wußte Mrs. Hazard nicht, was für ein Single Origin Kaffee der »LOT 11« war …

Fortsetzung folgt: phantastischer Sonnenaufgang, Besuch der Finca Rosario Quezada und Dry Mill & Exporteur Fedecocagua, Pacaya sowie Besuch der Finca La Merced

Alle Bild- und Textrechte liegen bei ©kaffeewacht : Axel R. Bollmann

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Am 6. Dezember 2012 erhielt ich eine E-Mail von J. Richards (Membership Coordinator) von der SCAE »Speciality Coffee Association Europe« von der Oak Lodge Farm aus Bicknacre Essex in UK. Es war eine Aufforderung zur Teilnahme an einer einmaligen Kaffee-Exkursion nach Guatemala. Organisiert von ANACAFÉ, der »Guatemalan National Coffee Association« mit Sitz in Guatemala City.
Das Programm sollte den Besuch von großen und kleinen Kaffeefarmen, eine Unterrichtung in die Aromenvielfalt und Profile der acht verschiedenen Spezialitätenkaffee-Regionen des Landes sowie in die Weiterverarbeitungsprozesse – Nass- und Trockenaufbereitung – nach der Kaffeeernte umfassen. Ergänzt um ein kleines Kulturprogramm nach Antigua (ehemalige Hauptstadt) und Takalik Abaj (große Maya-Ausgrabungsstätte des Landes).

Guatemala

Guatemala – südlich von Mexiko (Halbinsel Yucatán). Nördlich von Honduras und El Salvador. Westlich von Belize.

Noch nie war ich in einem Ursprungsland für Kaffee gewesen. Wo genau liegt noch mal Guatemala? Schnell gegoogelt. Na klar in Zentralamerika. Südlich von Mexiko (Halbinsel Yucatán). Nördlich von Honduras und El Salvador. Westlich von Belize. Das sind die unmittelbaren Nachbarländer. Im Einflußgebiet von Pazifik, Atlantik und des Golf von Honduras. Bestes Klima für Kaffee. Jetzt hatte ich endgültig Feuer gefangen. Angemeldet. Und einen Flug gebucht.

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Am Sonntag, 3. März 2013 flog ich mit American Airlines über London, Dallas nach Guatemala City. Mit Wartezeiten an den Flughäfen brauchte ich knapp 24 Stunden. Egal. Freundlich begrüßt von Anacafé Mitarbeitern am Flughafen wurde ich ins Hotel gefahren. Eingecheckt im Clarion Suite Hotel fiel ich in einen kurzen aber tiefen Schlaf.

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Montag, 4. März 2013: 08:00 Uhr Frühstück in einer exotischen open-air area des Hotels. Begrüßung durch Colin Smith aus UK, der SCAE-Reisekoordinator der Gruppe. Colin war lange Jahre Präsident der SCAE und hatte schon viele Reisen dieser Art durchgeführt. Aber noch nie nach Guatemala.

SCAE-Besuch bei ANACAFÉ im Headquarter in Guatemala-City (©Foto: Colin Smith)

SCAE-Besuch bei ANACAFÉ im Headquarter in Guatemala-City (©Foto: Colin Smith)

Insgesamt gab es 15 Teilnehmer aus England (5), Ungarn (4), Ukraine (1), Honduras (1), Schweden (2), Irland (1) und ich aus Deutschland. Um 09:20 Uhr fuhr der Anacafé-Bus vor. Enrique (Reiseführer) und Alberto (Fahrer), beide von Anacafé, begleiteten uns auf unserer kompletten Expedition. Jetzt konnte das Abenteuer beginnen. Unsere erste Tour führte ins Headquarter von Anacafé in Guatemala-City.
Direktor Ing. Juan Barrios von Anacafé ist wie die meisten der 90.000 Mitglieder, Inhaber einer Kaffeefarm (Finca La Merced, Nähe San Martin, nordwestlich von Guatemala City). Er präsentierte uns das Kaffeeland Guatemala mit Hilfe einer sehr anschaulichen Präsentation.

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Guatemalan Coffee in the World

Kaffee in Guatemala
Auf 270.000 Hektar (2.700 qkm) wird in Guatemala zu 98 % Arabica-Kaffee angebaut. Diese Fläche entspricht 2,5 Prozent des Landes. Der beste und meiste Kaffee wird in einer Höhe von ca. 1.300 bis 2.000 m (ü.d.M) kultiviert. Der Einfluß von Atlantik, Pazifik und dem Golfstrom, unterschiedliche Böden (»Vulkanerde«, Lehm und Ton, Kalkstein) sehr unterschiedliche, aber regelmäßige Niederschlagsmengen (800 bis 5.000 mm) und ein mildes Klima ergeben über 300 verschiedene Mikroklimazonen, die zu sehr unterschiedlichen Kaffeeprofilen führen. Nahezu alle Kaffeeplantagen (98 %) schützen ihren Kaffeeanbau durch Schattenbäume. Typische Arten sind Inga (ca. 50 %), Gravilea, Palo Blanco, Madrecacao u.v.m. Darüber hinaus werden die meisten Kaffees (98 %) nass aufbereitet und anschließend auf Patios sonnengetrocknet. Diese Voraussetzungen machen das Land so besonders für hervorragenden Spezialitätenkaffee. Es gibt 5 Qualitäten: 1. Prime, 2. Extra Prime, 3. Semi Hard, 4. Hard, 5. Strictly Hard Bean (SHB = beste Qualität). Rund 70 Prozent der ca. 3.72 Millionen Sack à 60 kg Rohkaffee (Green coffee) wurden im letzten Jahr (2011/12) in SHB-Qualität exportiert. Je höher der Anbau, desto länger das Wachstum, desto härter die Bohne, desto besser die Qualität.
Zu Beginn der 90er Jahre hatte Anacafé das Land präzise nach Cup Profil (Klimabedingungen, Spezies und Varietäten, Weiterverabeitung), Klima (Regen, Temperaturen, Luftfeuchtigkeit), Böden und Anbau-höhe in 7 später 8 Spezialitätenkaffee-Regionen abgegrenzt, die konsequent SHB-Qualität produzieren und höchste Standards für Rohkaffee erfüllen.
Die 8 Regionen sind: Acatenango, Antigua, Atitlán, Cobán, Frajanes, Huehue, New Oriente, San Marcos.
Hauptexportland sind die USA (45 bis 50 %). In Europa (27 %) ist Deutschland der größte Abnehmer (8 %). Japanische Kunden (13 %) beziehen die besten Qualitäten meist direkt von ausgewählten Plantagen. Dazu veranstalten japanische Kaffee-Experten wie »Tully´s Coffee« zum Beispiel einen »Coffee Cup Contest«, wie auch dieses Jahr, zu dem aus den Spezialitätenkaffee-Regionen von Guatemala verschiedene Rohkaffees zum Rösten und Verkosten eingekauft werden, um die besten Kaffees zu selektieren.

Exkurs: »Roya« – die Kaffeeblatt-Rostpilz-Krankheit
Besondere Aufmerksamkeit hat seit 2010/11 der starke Ausbruch des Kaffeeblatt-Rostpilz, genannt »Roya«. Erste Anzeichen des Kaffeerosts sind kleine gelbe Flecken auf der Unterseite der dunkelgrünen Blätter der Büsche. Die werden immer grösser, das Blatt färbt sich und wird schließlich von einem weissen Pulver überzogen. Dann fallen die Blätter ab, und die Kaffeefrucht ist schutzlos der Sonne ausgeliefert. Die Konsequenz: Die wenigen Kaffeebohnen, die noch übrig bleiben, sind von minderer Qualität. Aktuell sind 193.200 Hektar der 270.000 Hektar befallen (ca. 70 %). Der prognostizierte Absatz für 2012/2013 liegt bei 3.1 bis 3.5 Mio. Säcke à 60 kg und für 2013/2014 bei 2.2 bis 2.9 Mio. Säcke à 60 kg. Im schlechtesten Fall würde das einen Absatzrückgang um ca. 40 % zu 2011/2012 bedeuten.

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Guatemalan Coffees – total exports and FX earnings

Die sozio-ökonomischen Auswirkungen sind katastrophal: ein möglicher Verlust von ca. 185.000 (ca. -37 %) Arbeitsplätzen sowie eine mehr als Halbierung der Einnahmen um ca. 580 Mio. US Dollar werden prognostiziert.
Das Zusammenspiel von Regen, Sonnenschein und Temperaturen waren in 2010/2011 ideal für eine rapide Ausbreitung des Kaffeeblatt-Rostpilz. Nicht zu kalt. Nicht zu heiß. Wie ein »Waldbrand« konnte sich der Pilz verbreiten. Die Pflanzen sind größtenteils so stark angegriffen, dass sie entweder bis auf 20 cm über den Stumpf abgeholzt oder komplett ersetzt werden müssen. Fungizide helfen nur im frühen Stadium des Pilzbefalls. Betroffen sind die am meisten verbreiteten Varietäten Caturra und Bourbon.
Eine Revitalisierung braucht je nach Anbauhöhe ein bis 2 Jahre Zeit. Aktuell werden neue Hybride entwickelt, die gegen den Pilz resistent sind. Resistente Kaffeepflanzen sind u.a. Robusta und Catimor. Aber keine Qualitätsalternative zu den beiden o.a.
Die Maßnahmen (finanzielle Unterstützung) seitens der Regierung scheinen nach Einschätzung von ANACAFÉ noch deutlich Potenzial nach oben zu haben. Nach Meinung einiger Kaffee-Experten großer und erfolgreicher Plantagen, die namentlich nicht genannt werden, wird das Problem seitens der Regierung aber eher ausgeblendet oder will nicht gesehen werden … »Kaffeerost haben wir schon immer gehabt«. Anhand der Zahlen ist das eine fatale Fehleinschätzung. Kaffee ist nach Textilien wohl das zweitwichtigste Exportgut für Guatemala.

ANALABOR

Im Analabor

Im »Analabor« hatten wir anschließend ausführlich Gelegenheit mit den Analysten über die Kaffee-krankheit zu sprechen. Eine Art Krebsgeschwür, das sehr schwer in den Griff zu bekommen ist.

In den folgenden Tagen bekamen wir noch Gelegenheit auf den einzelnen Farmen mit den Eignern über die Seuche und deren Einschätzung zu sprechen.

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Amazing Cupping:
Verkostung von Kaffees aus 8 unterschiedlichen Mikroklimata-Zonen

Im Anacafé »Untersuchungslabor für Sensorik« wurden wir eingeladen Repräsentanten aus den 8 Spezialitätenkaffee-Regionen des Landes zu verkosten.

ANACAFÉ - Untersuchungslabor für Sensorik

ANACAFÉ – Untersuchungslabor für Sensorik

Fünf Kaffee-Cups pro Region wurden aufgebrüht. Nach vier Minuten wurde die Kruste aufgebrochen und intensiv geschnuppert. Erst nach 12 bis 15 Minuten ist das Getränk, nach Auffassung der Anacafé Senorik-Experten, so heruntergekühlt, dass es die optimale Trinktemperatur zur Analyse hat. Innerhalb von maximal 30 Minuten sollte dann das Tasting abgeschlossen sein.

Anacafé Sensorik Team

Anacafé Sensorik Team

Die Süsse/Sweetness schmeckt man vorne an der Zunge. Die Säure/Acidity an den Zungenseitenrändern. Die Intensität des Körpers/Body beim Abgang am Hals und die Aromen/Flavours am Gaumen über die Nase.

Und tatsächlich alle Kaffees schmeckten sehr unterschiedlich. Herausragend waren für mich persönlich die Kaffeemuster aus Acatenango (ausgeprägte Säure, komplexe Aromen, ausgewogen und rund mit einem klaren, nachhaltigen Abgang) und aus San Marco (zarte blumige Noten im Aroma und im Geschmack, deutlich hervortretende Säure und vollmundig). Ein phantastisches Kaffeegenusserlebnis.

Allein dieser Tag war schon die Reise wert. Erschöpft und voller sinnlicher Eindrücke ging es zurück ins Hotel zum Abendessen.

Fortsetzung folgt… Reise zum Lake Atitlán, Besuch der Cooperative LA VOZ, Finca Los Andes

Alle Rechte an Fotos und Texten liegen bei ©kaffeewacht : Axel R. Bollmann.

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Die Regierung von Guatemala hat in der letzten Woche den sogenannten landwirtschaftlichen Notstand über das Land verhängt. Auf den dortigen Kaffeeplantagen herrscht der Ausnahmezustand. Ein Rostpilz, namens Roya, geht um – und verbreitet sich rasend schnell. Bis zu siebzig Prozent der Pflanzungen in Guatemala sollen infiziert sein. Der guatemaltekische Kaffeeverband Anacafé prognostiziert einen Ernteausfall von rund 40%. Einnahmen und Arbeitsplätze sollen in erheblichen Maße gefährdet sein.

Die guatemaltekische Regierung hat daher umgerechnet gut 10,5 Millionen Euro als Hilfe für die Kaffeebauern zur Verfügung gestellt, um Chemie/Pestizide einzusetzen. Der Kaffeeanbau gilt als der bedeutendste Wirtschaftszeig in Guatemala.

Erste Anzeichen des Kaffeerosts sind kleine gelbe Flecken auf der Unterseite der dunkelgrünen Blätter der Büsche. Die werden immer grösser, das Blatt färbt sich und wird schließlich von einem weissen Pulver überzogen. Dann fallen die Blätter ab, und die Kaffeefrucht ist schutzlos der Sonne ausgeliefert. Die Konsequenz: Die wenigen Kaffeebohnen, die noch übrig bleiben, sind von minderer Qualität. Probleme mit dem Pilz gibt es scheinbar in allen zentralamerikanischen Kaffeeländern sowie in Mexiko und in Kolumbien. Als Ursache wird der Klimawandel (steigende Durchschnittstemperaturen, die einher gehen mit steigenden Niederschlagsmengen sowie tropischen Unwettern) vermutet.

Ein aufschlussreicher Hintergrundbericht zur Kaffeeseuche in Mittelamerika erschien von Cecibel Romero, San Salvador in der WOZ (Die Wochenzeitung, Schweiz) vom 6. Dezember 2012. Mehr dazu: http://www.woz.ch/1249/kaffee-und-klimawandel/der-sterbenskranke-muntermacher

Textquelle: Deutschlandradio vom 9. Februar 2013; Anacafé, Guatemala

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Bildquelle: Rainforest Alliance Logo

Bildquelle: Rainforest Alliance Logo

San José (Costa Rica)/Frankfurt am Main, 20. Dezember 2011 – Die Plantage El Platanillo in Guatemala ist die erste Farm, die gemäß dem Klimamodul des Sustainable Agriculture Network (SAN) – Netzwerk für nachhaltige Landwirtschaft – verifiziert wurde. Das Klimamodul hilft den Farmern, die Auswirkungen des Klimawandels für sich zu mindern, eigene Emissionen und Energiebedarf zu reduzieren und die Kohlenstoffbindung zu maximieren. Es besteht aus Richtlinien, die den bestehenden SAN-Standard ergänzen. Neben dem SAN waren die Guatemalan Coffee Association (ANACAFE), die Inter-American Foundation for Tropical Research (FIIT) und der belgisch-schweizerische Kaffee- und Kakaohändler EFICO an der Entwicklung des Moduls beteiligt.

Anhaltende Dürren, unvorhersehbare Niederschlagsverteilung und Stürme bedrohen nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Lebensgrundlage der Farmer. In vielen Kaffeeanbaugebieten sorgen die veränderten Wetterbedingungen bereits jetzt für geringere Ernten. Zur selben Zeit steigt das Verlangen des Weltmarkts nach dem Rohstoff Kaffee, was den Druck auf die Ökosysteme weiter verstärkt.

„Wir müssen den Farmern dabei helfen, ihre landwirtschaftlichen Praktiken zu verbessern und die lokalen Ökosysteme zu schützen und wieder aufzubauen, wenn wir wollen, dass die Farmer weiterhin ein Auskommen haben, ohne dabei die Wälder weiter abforsten zu müssen“, sagt Gianluca Gondolini, bei der Rainforest Alliance verantwortlich für nachhaltige Landwirtschaft in Lateinamerika.

Das neue Klimamodul ist ein freiwilliger Standard und ergänzt den SAN-Standard, den Farmen erfüllen müssen, um das Rainforest Alliance Certified™-Siegel zu erlangen. Der SAN-Standard schreibt bereits verschiedene Maßnahmen vor, die helfen, die Folgen des Klimawandels abzumildern. Dazu gehören beispielsweise das Pflanzen von Schattenbäumen, Bodenschutzmaßnahmen und der Schutz lokaler Ökosysteme. Das Klimamodul fordert darüber hinaus, die Energie effizient zu nutzen, Kohlendioxid auf der Farm zu binden und einen Notfallplan für extreme Wetterbedingungen zu entwerfen.

„Das Klimamodul ist ein bahnbrechender Schritt und ein innovatives Werkzeug mit dem Potential, Kaffeefarmern auf der ganzen Welt dabei zu helfen, sich den Anforderungen des Klimawandels zu stellen“, unterstreicht Tensie Whelan, Präsidentin der Rainforest Alliance.

Die öffentlichen Konsultationen im Vorfeld der Modulentwicklung wurden vom SAN geleitet. Über 350 Stakeholder aus 41 Ländern beteiligten sich daran. Feldversuche und Workshops wurden in Lateinamerika, Afrika und Asien durchgeführt, um sicherzustellen, dass das Klimamodul auf Farmen jeder Größe und in verschiedenen Anbauregionen Anwendung finden kann. Die Finanzierung des Projekts übernahmen die Rockefeller Stiftung, die Zürich Stiftung und die EFICO Stiftung.

Text-Quelle: Rainforest Alliance

Über die Rainforest Alliance
Die Rainforest Alliance ist eine unabhängige nicht-regierungsgebundene Umweltschutzorganisation, die sich für den Erhalt der Artenvielfalt (Biodiversität) einsetzt und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Lebensgemeinschaften fördert. Sie engagiert sich für eine ökologisch verträgliche Landnutzung, sozial verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln und ein werteorientiertes Verbraucherverhalten. Dafür ist sie weltweit in über 70 Ländern aktiv. Die Rainforest Alliance ist Mitglied im Sustainable Agriculture Network (SAN) – Netzwerk für nachhaltige Landwirtschaft. Das SAN ist die am längsten bestehende und größte Koalition von Nichtregierungsorganisationen, deren Bestreben eine verbesserte Erzeugung von Rohstoffen in den tropischen Ländern ist.

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