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Archive for the ‘Rohkaffee’ Category

 

Hamburg, 12. Juli 2016 – Getropft, gepresst oder einfach übergossen – Filterkaffee ist seit einiger Zeit wieder in aller Munde und hat sein angestaubtes „Blümchenkaffee“-Image endgültig abgelegt, sagt die Coteca.

Neues HARIO Produktdesign für Wasserkessel und Kaffeefilter

Kaffeezubereitungsgerät für Pour-over-Methode

Wenn es heute heißt „Gehen wir einen Kaffee trinken…?“ dann ist damit nicht das klassische Kännchen gemeint, sondern Pour over, Drip Coffee oder auch Cold Brew, verallgemeinert die Coteca in ihrer Pressemitteilung.
Ob diese gängige Aufforderung für den „Außer-Haus-Konsum“ landauf, landab auf alle Altersgruppen für „third places“ zutrifft, ist vermutlich eine gewagte Behauptung oder eher der Wunsch der Vater des Gedankens.

Mit einem Pro-Kopf-Konsum von 162 Litern Kaffee (lt. Deutschen Kaffeeverband, bezogen auf das Jahr 2015) ist Kaffee das beliebteste Getränk hierzulande. Filterkaffee hat hierbei einen Marktanteil von 64 Prozent, das aber von 96 Prozent! am liebsten zu Hause (71,8 Prozent der Kaffeetrinker in Deutschland haben eine Filterkaffeemaschine) genossen wird (lt. Tchibo Kaffeereport 2016).

Gefilterte Spezialitätenkaffees und die neu interpretierten Zubereitungsmethoden sind aber sicherlich ein starker Trend in den hippen Kaffeebars und Coffeeshops. Hier wird Kaffee wieder zelebriert – mit fachkundiger Beratung ausgewählt, frisch gemahlen, direkt vor dem Gast zubereitet.
Diese neu interpretierte Art der Zubereitung bedeutet auch Muße, auf einen Kaffee zu warten, man nimmt sich wieder Zeit, das Aroma verschiedener Kaffeesorten und Zubereitungsarten zu entdecken, sozusagen als Gegenentwurf zum schnellen Coffee to-go auf dem Weg in die Uni oder zur Arbeit.

Filterkaffee-Trend steigert auch Nachfrage nach besonderen Kaffees
Den anhaltenden Trend zum gefilterten Kaffee spüren lt. Coteca nicht nur die Hersteller von Zubehör für die Zubereitung, sondern auch die Rohkaffee-Händler, die den Röstern die begehrten Bohnen für die aromatischen Filterkaffees liefern.
Auch wir merken die wachsende Popularität des Filterkaffees in unseren Absätzen. Mittlerweile sind es nicht nur die Röster der „3rd Wave“, die darauf schon seit längerer Zeit eingerichtet sind, sondern auch die Markenartikler. Wir merken, dass nicht unbedingt neue Ursprünge angefragt werden, sondern eher feinere Kaffees aus den bestehenden Ursprüngen. So bekommen wir von unseren Röstern Anfragen für Kaffees aus gewissen Regionen mit bestimmten Eigenschaften – wie Säure- und Süßegehalt“, beschreibt Arthur E. Darboven, Geschäftsführer von Benecke Coffee in Hamburg den Filterkaffeetrend aus Rohkaffee-Sicht.

Auch Gabriela Parfait, Rohkaffee-Händlerin bei Belco aus Frankreich, schließt sich seinem Eindruck an: „Auch bei uns fragen die Röster nach speziellen Kaffees, wenn sie Filterkaffee rösten wollen. Meistens werden für Filterkaffee hochwertige Rohkaffee-Sorten nachgefragt. Diese Nachfrage zwingt uns als Händler dazu, unser Angebot an speziellen Kaffees mit bestimmten Eigenschaften wie fruchtigen Aromen, feinen Säuren oder Süße, auszuweiten. Da Filterkaffee in der Regel hell geröstet wird, sind Abweichungen bei der Qualität nicht durch eine längere Röstung oder Mischung mit anderen Kaffees zu kaschieren. Der Filterkaffeetrend wird dazu führen, dass das Angebot an exzellenten Ursprungskaffees weiter wächst.

Einfache Zubereitung für exquisiten Kaffeegeschmack
Bei der Zubereitung des aromatischen Getränkes ist die Vielfalt inzwischen deutlich größer als der klassische Porzellanfilter oder die praktische French-Press-Kanne. Wer heute seinen Kaffee trendgerecht brühen will, der benutzt Aeropress, Chemex Kanne, Vakuum-Brüher oder einen praktischen Clever Dripper.
Dieser Aufsatz für Tasse oder Kanne zum Beispiel sieht auf den ersten Blick wie ein herkömmlicher Handfilter aus. Allerdings sorgt ein spezieller Verschluss- und Auslösemechanischmus dafür, dass Kaffeemehl und Wasser so lange in Kontakt bleiben, bis man ihn selbst in die Tasse tröpfeln lässt. Jessica Tien, Geschäftsführerin von Handybrew aus Taiwan erklärt, warum die neuen Filtermethoden bei den Konsumenten so beliebt sind: „Brühmethoden wie der Clever Dripper wurden entwickelt, um eine sehr aromatische, exzellente Tasse Kaffee ohne große Anstrengung zuzubereiten. Jeder kann so seinen Kaffee zubereiten und die Entstehung des Getränkes von der ersten Minute an verfolgen – immer und überall.

Robert Jones, Geschäftsführer des Kaffeeanbieters Coffee Planet aus Dubai, sieht den Filterkaffeetrend erst am Anfang: „Filterkaffee ist der einfachste und sauberste Weg, das Beste aus dem Kaffee herauszuholen. Darum ist es die ideale Zubereitungsmethode für frisch geröstete Ursprungskaffees. Für die Zukunft erwarten wir eine steigende Nachfrage nach neuen Filter-Brühmethoden, aber auch nach besonderen 100% Arabica Single-Origin-Kaffees.

Wer sich selbst einen Eindruck von exklusiven, aromatischen Kaffeesorten oder der Vielfalt von Zubehör und Zubereitungsmethoden machen möchte, sollte für seinen Besuch auf der COTECA und dem Kaffeekampus genügend Zeit zum Probieren einplanen.

Auf der COTECA, der internationalen Fachmesse für Kaffee, Tee und Kakao, vom 7. bis 9. September in Hamburg soll Filterkaffee ein wichtiger Schwerpunkt der Aussteller aus dem Kaffee-Sektor sein. In Kooperation mit dem Kaffee Campus der Deutschen Röstergilde wird die COTECA 2016 das gesamte Spektrum des Kaffees für die Besucher erlebbar machen.

Über die COTECA
Die COTECA Coffee, Tea and Cocoa Global Industry Expo findet vom 7. bis 9. September 2016 von 10 bis 18 Uhr im CCH – Congress Center Hamburg statt. Als Fachmesse für Kaffee, Tee und Kakao ist die COTECA der einzige Business-Treff in Europa, der alle drei Branchen vereint. Begleitet wird die COTECA von einer hochkarätigen Konferenz, die sich mit der Zukunft der Märkte für Kaffee, Tee und Kakao beschäftigt. In Kooperation mit dem Kaffee Campus der Deutschen Röstergilde bildet die COTECA 2016 das gesamte Spektrum des Kaffees ab. Ideelle Träger der Fachmesse sind der Deutsche Kaffeeverband, der Deutsche Teeverband, die Wirtschaftsvereinigung Kräuter- und Früchtetee (WKF) und der Verein der am Rohkakao beteiligten Fimen.

 

Quelle: Coteca Hamburg

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Hamburg, 14. Juni 2016 – Neues aus Forschung und Wirtschaft sowie heiße Trends um Kaffee, Tee und Kakao präsentieren die internationalen Referenten dieses Jahr auf der zweitägigen Konferenz der COTECA Coffee, Tea and Cocoa Global Industry Expo.
logo_coteca_kleinSchon jetzt haben namhafte Experten ihre Beteiligung in Hamburg zugesagt. Die Fachmesse für die Kaffee-, Kakao- und Teebranchen aus aller Welt findet vom 7. bis 9. September 2016 zum vierten Mal statt – dieses Jahr noch größer und vielfältiger.
Mit dem Kaffee Campus der Deutschen Röstergilde hat die COTECA einen idealen Partner gefunden, der zahlreiche Fachvorträge und ein umfangreiches Rahmenprogramm zum Thema Kaffee bietet.

Brisantes zum Start der Konferenz
csm_albert-scalla_0c3b162aa0Eröffnet wird die Konferenz von Albert Scalla, Senior Vice President bei Intl FCStone, einem international führenden Finanzdienstleister aus den USA, mit seinem hochaktuellen Vortrag „Coffee and Cocoa: Price Risk Management in two of the most volatile Products in the commodity markets“. Er zeigt Mittel und Wege auf, wie Unternehmen sich gegen das Risiko beim Handel mit den Rohstoffen Kaffee und Kakao, der stark wechselnden Preisen unterliegt, absichern können.

Tee unter wandelnden Einflüssen
Tee_Coteca2016Aus Indien kommt die wissenschaftliche Koryphäe Dr. R.M. Bhagat, Deputy Director/Chief Scientist des Tocklai Tea Research Institute in Jorhat, der weltweit größten Forschungsstation ihrer Art. Das Institut berät über 1.000 Teegärten mit insgesamt rund 3,5 Millionen ha Land, verteilt über die South Bank, North Bank, Ober Assam, Cachar, Tripura, Dooars, Darjeeling und Terai.
Dr. Bhagat referiert über “Climate Change in Assam – recent research findings of future sustainability of tea in Assam. Der Klimawandel in Assam – aktuelle Forschungsergebnisse zur künftigen Nachhaltigkeit.“

Tee-Trends made im WWW
csm_martin-sasse_6414994205Die neuen, dynamischen Meinungsbildner im Internet, die „YouTube Generation“, hat Martin Sasse, Managing Partner t.lovers, Hamburg, Jurist, Neu-Unternehmer und Sport-Marketing Experte, unter die Lupe genommen.
Sein Vortrag „Spirit of the time – Tea goes YouTube/How internet bloggers and YouTube stars can help to promote tea“ stellt den vorherrschenden Zeitgeist vor und wie die Tee-Branche aus diesem lernen und ihn für sich nutzen kann.

Kakao in reiner Bestform
csm_silke-elwers_2df3b23f96„Cocoa – Avoiding Contaminants. Kakao – Kontaminanten vermeiden.“ steht im Zentrum des Workshops von Dr. Silke Elwers, Seniorberaterin für Kakao und Agroforstsysteme bei der ForestFinest Consulting GmbH, Bonn. Der Workshop gibt eine Einführung in die unterschiedlichen Kategorien von Kontaminanten, also unerwünschte Stoffe in Lebensmitteln, und entwickelt Strategien, wie diese vermieden werden können. Dr. Elwers hat langjährige Erfahrung im Kakaosektor, sie beschäftigt sich unter anderem mit der Auswahl geeigneter Anbauflächen und Kakaovarietäten in Lateinamerika und Südostasien. Eines ihrer Spezialgebiete ist die Beratung bezüglich der Vermeidung von Verunreinigungen auf den Plantagen sowie entlang der ganzen Wertschöpfungskette.

Kaffee Campus mit Vorträgen und Workshops
kc_logo_185_132Der Kaffee Campus der Deutschen Röstergilde bringt weitere spannende Vorträge rund um die Bohne auf die COTECA.
Das Themenspektrum reicht von Nachhaltigkeit und Menschenrechten beim Kaffeeanbau über Qualitätsmerkmale der handwerklichen Kaffeeröstung bis hin zu zeitgemäßen Vermarktungsstrategien für Röstereien.
Zu den Vortragenden gehört Markus Löning, Löning – Human Rights & Responsible Business, Berlin, ehemals Mitglied des Deutschen Bundestages und Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung.
Foto_Sauter_CotecaDie Qualitätsbeurteilung von Kaffee aus wissenschaftlicher Sicht erläutert der Kaffeeforscher Dr. Marco Wellinger, Q-Grader und Mitarbeiter von Chahan Yeretzian an der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Handwerkliches Fachwissen aus einem verwandten Bereich vermittelt Daniel Schneider, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des deutschen Bäckerhandwerks e.V.
Neben vielen weiteren Vorträgen laden Expertinnen und Experten zu abwechslungsreichen Workshops ein, zum Beispiel zu Kaffeezubereitung, Sensorik, Röstprofilen und vielem mehr. Ausführliche Informationen zum Kaffee Campus finden Sie hier:  www.kaffeecampus.de

Zwei Tage geballte Fachkompetenz und spannende Themen rund um Kaffee, Tee und Kakao machen die COTECA 2016 zum internationalen Treffpunkt der Branche.

Über die COTECA
Die COTECA Coffee, Tea and Cocoa Global Industry Expo findet vom 7. bis 9. September 2016 von 10 bis 18 Uhr im CCH – Congress Center Hamburg statt. Als Fachmesse für Kaffee, Tee und Kakao ist die COTECA der einzige Business-Treff in Europa, der alle drei Branchen vereint.
Begleitet wird die COTECA von einer hochkarätigen Konferenz, die sich mit der Zukunft der Märkte für Kaffee, Tee und Kakao beschäftigt. Ideelle Träger der Fachmesse sind der Deutsche Kaffeeverband, der Deutsche Teeverband, die Wirtschaftsvereinigung Kräuter- und Früchtetee (WKF) und der Verein der am Rohkakao beteiligten Fimen.

 

Bild- und Textquelle: Coteca Hamburg

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Rwanda, Kibuye City/West Provinz, 14. Mai 2014. Hotel Bethanie. Frühstück direkt am Lake Kivu.

Frühstück im Hotel Bathanie direkt am Kiwu-See mit Blick auf eine Fledermaus-Insel

Frühstück im Hotel Bathanie direkt am Kivu-See in Kibuye. Mit Blick auf eine Fledermaus-Insel (Mitte)

Heute ging es zum „Kaffeekirschen pflücken“ zur Washing-Station Karengera im Nyamasheke District in der West Provinz. Samuel Muhirwa (SAM), Operational Manger von KZNoir Ltd. begleitete uns auf dieser Reise.

Nicole P. von der BSOC (Trip Managerin) und Samuel Muhirwa (re.)

Nicole Pilz von der BSOC (Coffee Trek Managerin) und Samuel Muhirwa (re.)

Einige Stunden Fahrt lagen vor uns. Immer entlang des Kivu-Sees im Süd-Westen Ruandas.

”Land der Tausend Hügel" kann ich sprichwörtlich bestätigen

”Land der Tausend Hügel“ kann ich sprichwörtlich bestätigen

Nach Karengera geht es immer entlang des Kiwu-Sees

Nach Karengera geht es immer entlang des Kivu-Sees

Atemberaubender Blick auf den Kiwu-See

Atemberaubender Blick auf den Kivu-See

Dann hieß es auf einer Höhe von 1.800 m ü.d.M.: „Nur die reifen roten Kirschen. Keine grünen, keine überreifen. Und nicht die Stengel mit abreißen“ So wurden wir in unseren Pflückdienst auf der Kaffeeplantage eingewiesen. Wir begriffen schnell, wie anstrengend es ist, in den Hängen einer Plantage präzise und ausdauernd zu ernten. Hohen Respekt allen Pflückern!

Kaffeekirschen pflücken mit SAM

Kaffeekirschen pflücken mit SAM

 

Jeder sucht sich einen Platz zum pflücken

Jeder sucht sich einen Platz zum pflücken

Halt finden, Kirschen sichten, nur die Roten pflücken

Halt finden, Kirschen sichten, nur die Roten pflücken

Auf der Kirsch-Pirsch. Nur die besten zählen

Auf der Kirsch-Pirsch. Nur die besten zählen

Zwischenergebnis

Zwischenergebnis

Stolz und glücklich auf dem Weg zur Washing Station

Stolz und glücklich auf dem Weg zur Washing-Station

Neugierige Beobachter

Neugierige Beobachter

Die gleichnamige Kooperative Karengera (2 Washing-Stations) ist übrigens ein Pionier im ruandischen Kaffeesektor. Sie erlangten als erste die „Rain Forest Alliance“ Zertifizierung.
Auch hier wurde uns genau der Prozess der Nass-Aufbereitung (nur tagesaktuelle Ernte, Wiegen, Selektieren, wieder Wiegen, Entpulpen, Fermentation, Säuberung, Selektion von Fehlbohnen, Sonnen-Trocknung auf den Tischen) genau erläutert. Wir sind wieder beeindruckt.

Info-Tafel für die Farmer/Pflücker am Eingang, dass zum Beispiel nur die tagesaktuelle Ernte geliefert werden darf uvm.

Info-Tafel für die Farmer/Pflücker am Eingang, dass zum Beispiel nur die tagesaktuelle Ernte geliefert werden darf uvm.

Die Entpulpungsmaschine, das maschinelle Herzstück jeder Washing Station

Die Entpulpungsmaschine, das maschinelle Herzstück jeder Washing-Station

250 bis 300 Säcke à 60 kg Parchments werden hier in der Hochsaison hergestellt

250 bis 300 Säcke à 60 kg Parchments werden hier in der Hochsaison hergestellt

Wichtiger Arbeitsgang bevor die Parchments auf die Trockenbestten kommen: Fehlbohnen selektieren

Wichtiger Arbeitsgang, bevor die Parchments auf die Trockenbetten kommen: Fehlbohnen selektieren

fehlerhafte Bohnen werden aussortiert

Fehlerhafte Bohnen werden aussortiert

2.800 Farmer liefern hier in der Hochsaison 1.000 t Kirschen an. 2 Tonnen täglich. Daraus werden 250 bis 300 Säcke à 60 kg Parchments hergestellt. Von jedem Lot wird 1 kg als Muster genommen und zu KZNoir nach Kigali geschickt. Jedes Muster wird im Labor geröstet und von den geschulten Cup Tastern verkostet. Erst dann wird entschieden, welche Lots zusammen passen und gemischt werden können.

Müde und hungrig werden wir zu einem köstlichen Lunch in das Privathaus von Samuel Muhirwa Familie, beziehungsweise der Mutter eines Cousins von Sam, eingeladen, die ganz in der Nähe der Plantage leben. Sehr herzlich und freundlich wurden wir aufgenommen. Es gab „Brochettes“ (Fleischspieße), „Sambasa“ (kleine frittierte Fische), gegrillte Bananen, gekochte Maiskolben und frische, saftige Ananas, so aromatisch, wie ich sie noch nie zuvor gegessen hatte.

Eingeladen bei Freunden

Eingeladen bei Freunden

Wir fühlen uns wie die Könige. Köstliche Speisen.

Wir fühlen uns wie die Könige. Köstliche Speisen.

Ein herzliches Danke Schön. Abschied nehmen von Freunden

Ein herzliches Danke Schön. Abschied nehmen von Freunden

Ich hatte mich endgültig in dieses Land und vor allem in dessen wundervollen Menschen verliebt.

friends forever

friends forever

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Rwanda, Nyungwe Nebelwald/im Süd-Westen, 15. Mai 2014. Am nächsten Tag machten wir eine „Kaffeepause“.

Übernachtungs-Bungalows im “Peace Guest House”

Übernachtungs-Bungalows im “Peace Guest House”

Von unserem Hotel „Peace Guest House“, in der Nähe des Hafens Cyangugu direkt am Kiwusee fuhren wir zu dem immergrünen Berg-Regenwald im Südwesten Ruandas. Er gilt als der größte zusammenhängende Bergwald in Ost- und Zentralafrika. Wir nahmen an einer zweistündigen geführten Wandertour durch den Nyungwe-Wald teil. Ausgangspunkt war die Station in Uwinka.

Ausgangspunkt war die Station in Uwinka

Ausgangspunkt war die Station in Uwinka

geführte Wandertour durch den Nyungwe-Wald

geführte Wandertour durch den Nyungwe-Wald

Blick über die Baumkronen des Berg-Regenwaldes

Blick über die Baumkronen des Berg-Regenwaldes

Zauberhafte Blütenwelt im Regenwald

Zarte Blütenwelt im Regenwald

Hinweis auf Bäume und Pflanzen mit Heilkraft zum Überleben im Nebelwald

Hinweis auf Bäume und Pflanzen mit Heilkraft zum Überleben im Nebelwald

Keine Schlange. Ein Wurm

Keine Schlange. Ein Wurm

Beeindruckende Pflanzwenwelt

Beeindruckende Pflanzwenwelt

Unsere Tour führte zu einem Baumkronenpfad im Park, dem „Canopy walkway“. Bei der Überquerung der dreiteiligen Hänge-Brücke hatten wir einem atemberaubenden Blick über die Baumkronen und hinunter in die Tiefe des Waldes. Nur die Schimpansen und andere Primaten machten sich rar.

dreiteiliger Canopy Walkway über die Baumkronen

Dreiteiliger Canopy Walkway über die Baumkronen

Ein letzter Blick. Atemberaubend schön.

Ein letzter Blick. Atemberaubend schön.

Beeindruckt von der Pflanzenvielfalt fuhren wir anschließend in Richtung unseres nächsten Hotels. Ein phantastisches Highlight. Eine wunderschöne Lodge inmitten einer Teeplantage. Die „Nyungwe Forest Lodge“.

Ankunft “Nyungwe Forest Lodge”

Ankunft “Nyungwe Forest Lodge”

Schwimmbad mit Blick in den Regenwald

Schwimmbad mit Blick in den Regenwald

Begrüßt wurden wir mit einem fruchtigen Cocktail und einem Melonenspieß. Die Pässe übergaben wir im Kaminzimmer und wurden direkt zu einem köstlichen Lunch gebeten. Unsere Koffer wurden währenddessen auf unsere luxuriösen Bungalows gebracht. Jeder Teilnehmer bekam seine eigene kleine Luxusvilla mit allen erdenklichen Schikanen und Annehmlichkeiten.

Dort unten lagen unsere Luxussuiten. Was für ein Erlenbis, das wir nie erwartet hätten

Dort unten lagen unsere Luxussuiten. Was für ein Erlenbis, das wir nie erwartet hätten

Hier wären wir alle noch ein paar Tage länger geblieben. Am Abend protokollierten wir gemeinsam die bisherigen Besuche auf den Washing-Stations. Und verkosteten einen frisch zubereiteten Spezialitätenkaffee in der AeroPress mit „integriertem Press-Service“ durch Nicole.

Feiner Spezialitätenkaffee, exklusiv zubereitet in der AeroPress

Feiner Spezialitätenkaffee, exklusiv zubereitet in der AeroPress

Eine letzte besondere Station auf unserem Rwanda Coffee Trek erwartete uns am nächsten Tag. Fortsetzung folgt… letzter Teil 5

Alle Rechte an Fotos und Texten liegen bei ©kaffeewacht : Axel R. Bollmann.

 

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Rwanda, Gisenyi/Rubavu (West Province), 13. Mai 2014, Gisenyi im District Rubavu ist Grenzstatdt zur D.R. Congo.

Auf dem Weg zu Coopac in der Grenzszadt Gisenyi machen wir einen Abstecher zum Grenzübergang. Alles ruhig.

Auf dem Weg zu Coopac in der Grenzszadt Gisenyi machen wir einen Abstecher zum Grenzübergang. Alles ruhig.

Heute stand der Besuch und ein Cupping bei Coopac an.
Diese Kooperative hat sich auf das Kaffee-Anbaugebiet in der Gisenyi-Region (Ack, Ubuzima, Tuzamurane, Kopabm, Abakundskurima und Abanyamurava) konzentriert. Fruchtbare, vulkanische Böden auf einer Höhe von 1.500 m bis 1.900 m ü.d.M. sowie regelmäßiger und reichlicher Regen sind charakteristisch für diese Region.

Eingangstor zum Firmengeländer der Coopac in Gisenyi

Eingangstor zum Firmengeländer der Coopac in Gisenyi

Die Firmenzentrale von Coopac befindet sich in der Stadt Gisenyi, am Ufer des Kivu-Sees, direkt an der Grenze zur D.R. Congo.

Emmanuel Rwakagara Nzungize, Gründer und Chairman von Coopac (Cooperative pour la Promotion des Activities Cafe), kam nach 40 Jahren aus dem Exil in der D.R. Congo zurück in seine Heimat Rwanda und gründete 2001 die Coopac mit rund 100 Mitgliedern. Heute hat die Kooperative weit über 5.000 Mitglieder. Bereits in 2003 wurde die erste eigene Washing-Station (Nass-Aufbereitungsanlage) gebaut. Heute gibt es vier Stationen, die zur Kooperative gehören. Seit 2011 werden die Farmer auch in BIO-Anbaumethoden weitergebildet.

Emmanuel Rwakagara Nzungize (li.), Gründer und Chairman von Coopac

Emmanuel Rwakagara Nzungize (li.), Gründer und Chairman von Coopac

Auf dem Gelände der Zentrale besuchten wir zuerst die Dry Mill. Hier werden die Parchments auf ihre Restfeuchte (12 %) noch einmal stichprobenartig geprüft und dann von ihren Silberhäutchen zu dem grünen Rohkaffee gewandelt, der nach frischem Heu riecht.

Wie aus Parchments  (mit Silberhäutchen) Rohkaffee wird

Wie aus Parchments (mit Silberhäutchen) Rohkaffee wird

Wie aus Parchments grüner Rohkaffee wird, der nach frischem Heu duftet

Wie aus Parchments grüner Rohkaffee wird, der nach frischem Heu duftet

Wir lernten, dass es drei verschiedene Qualitäten gibt. A1-Qualität mit einer Bohnen-Größe von 15 bis 18 mm Durchmesser, A2-Qualität auch mit einer Bohnen-Größe von 15 bis 18 mm und eine A3-Qualität, die für den lokalen Markt und bestimmte Exportländer, wie die Schweiz bestimmt sind.
Der von den Silberhäutchen gereinigte Rohkaffee geht anschließend noch einmal durch eine Qualitätskontrolle nach Kigali, wo Fehlbohnen per Hand aussortiert werden.

Sortieranlage in der Dry Mill in den Bohnen-Größen 15 mm, 16 mm , 17 mm und 18 mm

Sortieranlage in der Dry Mill in den Bohnen-Größen 15 mm, 16 mm , 17 mm und 18 mm

Frisch sortierter Rohkaffee in der Coopac Dry Mill

Frisch sortierter Rohkaffee in der Coopac Dry Mill

Anschließend wurden wir in das Cupping-Labor von Coopac eingeladen. Unglaubliche 16 verschiedene Spezialitätenkaffees aus der Gisinyi-Region und eine Spezialität aus der D.R. Congo wurden für uns aufbereitet. Wir waren überwältigt.

Cupping-Labor von Coopac 17 verschiedene Spezialitätenkaffees sollten verkostet werden

Cupping-Labor von Coopac 17 verschiedene Spezialitätenkaffees sollten verkostet werden

Cupping-Labor von Coopac: 17 verschiedene Spezialitätenkaffees wurden vorbereitet

Cupping-Labor von Coopac: 17 verschiedene Spezialitätenkaffees wurden vorbereitet

Cupping-Labor von Coopac: 17 verschiedene Spezialitätenkaffees wurden verkostet

Cupping-Labor von Coopac: 17 verschiedene Spezialitätenkaffees wurden verkostet

Die Aromen reichten von floral, süßen roten Beeren über gelbe Citrusfrüchte bis hin zu schokoladig-nussigen Noten. Süß und zumeist vollmundig im Geschmack. Rund und clean die A1-Qualitäten. Ein Cup-Profil hatte mir persönlich besonders gut gefallen. Ein fully-washed „Nyabumena“.

Mein Favorit: Ein fully-washed "Nyabumena"

Mein Favorit: Ein fully-washed „Nyabumena“

Schöne rote Fruchtnoten, intensive Süße, vollmundig, balanced, clean mit einem schönen langen Abgang. Der Preis: 3.50 US$/lb. Ich erhalte ein Sample. Neun washed A1-Qualitäten, sieben washed A2-Qualitäten hatten wir verkostet. Fantastisch.

Und die Nr. 17 war die exotische Überraschung für uns alle. Eine natural dryed Spezialität von einer Bioplantage vom Gishamwana Island auf dem Kivusee!
Die Plantage gehört Emmanuel Rwakagara Nzungize selbst. Ein suuuper fruchtiger Kaffee mit einer intensiven Süße, vollmundig im Geschmack. Ich war und bin begeistert!

Mein Held: Eine "natural dryed" Spezialität von einer Bioplantage vom Gishamwana Island auf dem Kiwu-See

Mein Held: Eine „natural dryed“ Spezialität von einer Bioplantage vom Gishamwana Island auf dem Kivu-See

Da er deutlich herausfällt und dazu natural dryed ist, wollten wir natürlich mehr wissen.
Wir erfuhren, dass Spezialitätenkaffees im direkten Kundenauftrag – hier wohl ein belgischer  Auftraggeber – auch natural dryed weiterverarbeitet werden dürfen.
Das war für uns neu und ist auch für das Herkunftsland Ruanda neu, das sonst strikt washed coffees produziert.
Dieser Exot hatte natürlich auch seinen Preis. Im Unterschied zu den durchschnittlich 3 US$/lb sollte dieser UTZ-, Fair-Trade-, organic- und Rainforest-Alliance-zertifizierte Spezialitätenkaffee 5 US$/lb kosten. Es gab auch nur eine begrenzte Menge: 1 Container, also 300 Sack à 60 kg wurden produziert. Ich nahm ein 200 g Sample mit nach Deutschland. Dafür müsste es einen Abnehmer unter den anspruchsvollen Micro-Röstereien in der Heimat geben.

Nicht überrascht fanden wir  auch hier eine ganze Reihe an Cup of Excellence Auszeichnungen.

Eine von vielen Cup of Excellence Auszeichnungen bei Coopac

Eine von vielen Cup of Excellence Auszeichnungen bei Coopac

Vorerst gesättigt mit vielen exzellenten Geschmackseindrücken machten wir uns wieder auf den Weg. Mit einem kurzen Zwischenstopp für ein Mittagessen am Kivu-See.

kleines Mittagessen am Kiwu-See

kleines Mittagessen am Kivu-See

Frischer Fisch aus dem Kiwu-See auf dem Grill

Frischer Fisch aus dem Kivu-See auf dem Grill

Weiter ging die Fahrt entlang des Kiwu-Sees

Weiter ging die Fahrt entlang des Kivu-Sees

Auf der Route des Congo Nile Trails

Auf der Route des Congo Nile Trails

Vorbei an unzähligen, grünen Hügeln. Mit kleinen Washing Stations, Gehöften, Lehmhütten oder bewirtschafteten Feldern

Vorbei an unzähligen, grünen Hügeln. Mit kleinen Washing-Stations, Gehöften, Lehmhütten und bewirtschafteten Feldern

Ziel war die älteste (1959) und einer der größten Washing-Stations Ruandas. NKORA/Caferwa Coop, die zu KZNoir gehört.

NKORA st die älteste Washing Station in Rwanda

NKORA st die älteste Washing-Station in Ruanda

NKORA-Anlegestelle für den Schifftransport der fertigen Exportware nach Gisenyi/Rubavu

NKORA-Anlegestelle für den Schifftransport der fertigen Exportware nach Gisenyi/Rubavu

Auf einer Höhe von 1.850 m ü.d.M. liegt diese Station direkt am Kivusee. Aus 1.500 t Kaffeekirschen werden 300 t Parchments im Jahresdurchschnitt weiter verarbeitet. In der Hochsaison arbeiten hier 350 Kräfte. Speziell für uns konnten wir live die Nassaufberietung einer gerade gelieferten kleinen Lieferung eines Farmers mitverfolgen. Über das Wiegen, das Selektieren, erneut Wiegen, Quittierung (270 F/pro kg), Entpulpung, Selektion nach Qualität, Fermentation, Säuberung und die Trocknung auf Tischen unter der Sonne.

Nach dem Wiegen und der Qualitätskontrolle erfolgt eine Selektion der grünen Bohnen

Nach dem Wiegen und der Qualitätskontrolle erfolgt eine Selektion der grünen Bohnen

Zum Abschluss wurden wir zu einer Kaffeezeremonie eingeladen. Frische Parchments wurden erst gesiebt, mit einem runden schweren Holz gestampft. So wurde der Rohkaffee von den Silberhäutchen getrennt. Anschließend wurden die Bohnen in einem Topf über einem offenen Feuer dunkel, teilweise schwarz, geröstet. Mit einem Stein auf einer rauhen Holz-Unterfläche sehr fein zermahlen. Schlussendlich durch ein einfaches Haushaltssieb aufgebrüht. Fertig. Von uns allen sofort neugierig verkostet.

Kaffeezeremonie auf NKORA, von der Ernte in die Tasse

Kaffeezeremonie auf NKORA, von der Ernte in die Tasse

Kaffeezeremonie auf NKORA, hier wird noch von Hand geröstet

Kaffeezeremonie auf NKORA, hier wird noch von Hand geröstet

Kaffeezeremonie auf NKORA, hier wird noch von Hand geröstet

Kaffeezeremonie auf NKORA, hier wird noch von Hand geröstet

Kaffeezeremonie auf NKORA, das Röstergebnis wird noch abgekühlt

Kaffeezeremonie auf NKORA, das Röstergebnis wird noch abgekühlt

Kaffeezeremonie auf NKORA; gemahlen und aufgegossen

Kaffeezeremonie auf NKORA; gemahlen und aufgegossen

Wunderbar. Verblüffend schmackhaft, nicht verbrannt. Und viel besser als so mancher Industrie-Röstkaffee bei uns zu Hause.

Trockenbetten auf NKORA

Trockenbetten auf NKORA

Die Sonne war bereits untergegangen, als wir uns auf den Weg nach Rusizi machten, das ganz im Süden im Dreiländereck (D.R. Congo, Burundi, Ruanda) liegt. Fortsetzung folgt

Alle Rechte an Fotos und Texten liegen bei ©kaffeewacht : Axel R. Bollmann

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Kigali, 12 Mai 2014. Unsere erste Station auf unserem coffee trek war NAEB.

NAEB National Agricultural Export Development Board

NAEB National Agricultural Export Development Board

Das National Agricultural Export Development Board. Wir besuchten die Divison Coffee. Begrüßt wurden wir von Dr. Gatarayiha Mutimura Celestin. Er ist Head of Coffee Division und gab uns einen Überblick über den Kaffeemarkt in Ruanda.

Auf 43.000 Hektar (430 qkm) werden 20.000 t Rohkaffee produziert. Das entspricht einem Anteil von ca. 0,2 Prozent am Weltmarkt. Ruanda, etwa so groß wie Brandenburg, hat sich bedingt durch seine Größe auf den Spezialitätenkaffee-Markt fokussiert. Es ist aber wohl vor allem dem sogenannten PEARL-Projekt zu verdanken, dass sich eine qualitativ hochwertige und privat organisierte Spezialitätenkaffee-Industrie in Ruanda entwickeln konnte. PEARL ist eine kooperative Zusammenarbeit der  Texas A&M, der U.S. Agency for International Development und Rwanda’s Ministry of Education.

Seit 2000 bildet PEARL junge ruandische Studenten im Bereich Agrarwissenschaften, Cupping und Qualitätsmanagement aus. Die meisten Menschen mit Erfahrung in diesem Bereich waren durch den Genozid 1994 geflohen oder umgekommen. PEARL baute auch neue „Washing-Stations“. Diese gibt es in Ruanda erst seit 2002 und sind ein wesentlicher Bestandteil der eingeschlagenen Qualitäts-Strategie. Im Vergleich zu 1990 verkauft man aktuell deutlich weniger Kaffee, dafür aber einen qualitativ hochwertigen, höherpreisigen Kaffee als vor dem Genozid. PEARL unterstützte auch die Gründung von Kooperativen, die der Schlüssel zur Neuasurichtung waren. Denn Kooperativen geben den Kaffee-Farmern mehr Kontrolle über ihren ökonomischen Erfolg und über die qualitative Weiterentwicklung des Kaffeeanbaus.

Die Preisentwicklung von Kirschen und Parchments für die Farmer zeigt nach oben (Stand: 2011)

Die Preisentwicklung von Kirschen und Parchments für die Farmer zeigt nach oben (Stand: 2011)

Die rund 400.000 Farmer bauen ausschließlich die Arabica Sorte Bourbon Mayaguez, allgemein RED BOURBON genannt (eine Bourbon Unter-Varietät) an. Die Arabica-Varietät Bourbon stammte ursprünglich aus dem Jemen und wurde von den Franzosen auf der Insel Bourbon (heute Réunion) angebaut. Deutsche Missionare haben der Legende nach diese Bourbon-Untersorte 1903 nach Ruanda gebracht.

Neue Varietäten sind in der Erprobung. Nach Angaben von Dr. Celestin handelt es sich um „BM 71“ und „BM 72“. Es sollen Unter-Varietäten der Bourbon sein. Dazu die Population „POP 139“. Ein Hybrid oder eine Varietät aus Portugal (tiefergehende Recherche erforderlich).

Der beste Kaffee soll aus der West-Provinz Ruandas kommen

Der beste Kaffee soll aus der West-Provinz Ruandas kommen

Die besten Anbaugebiete für ruandischen Spezialitätenkaffee sollen in der West-Provinz liegen, 1.600 m bis 2.000 m ü.d.M., entlang des Kivu-Sees. 50 % des gesamten Kaffeeanbaus befinden sich im Westen. Bedingt durch den begrenzten Platz soll der Anbau von neuen Kaffeesträuchern – Aufzucht in Baumschulen – staatlich koordiniert und kontrolliert sein.

Landesweit gibt es nach Angaben von NAEB rund 225 sogenannte „Washing-Stations“ (Nassaufbereitungsanlagen). Hier wird der Kaffee von den Farmen angeliefert, geprüft, entpulpt, gewaschen, fermentiert, wieder gewaschen, auf Fehler untersucht und anschließend auf sogenannten „Betten“ bis zu 4 Wochen sonnengetrocknet.
75 Prozent des Kaffees ist „fully-washed“ und 25 % ist semi-washed. Letzterer ist der sogenannte „ordinary coffee“ der in die Schweiz exportiert und in kleinen Mengen auf dem lokalen Markt verkauft wird.

Zu Besuch bei Dr. Celestin, Head of Coffee Division (2. v.l.)

Zu Besuch bei Dr. Celestin, Head of Coffee Division (2. v.l.)

Die hochwertigen fully-washed Spezialitätenkaffees werden nach Japan, USA, Süd-Korea und in einige Länder Europas (u.a. UK, Skandinavien, Deutschland) exportiert.

Ruanda soll das erste Land in Afrika gewesen sein, das einen nationalen Cup of Excellence Wettbewerb vor fünf Jahren ausrichtete. Und seitdem regelmäßig veranstaltet. Hier werden die besten Spezialitätenkaffees von einer internationalen Jury in mehreren Stufen verkostet, bewertet und dann online weltweit versteigert.
Jede CoE-ausgezeichnete „Washing-Station“ kann nach meinen Recherchen nur einen Lot (25 bags à 60 kg) versteigern lassen. Für dieses Lot erzielt man Erlöse, die um ein vielfaches höher liegen als für die sehr gut bewerteten Spezialitätenkaffees (aktuell 3 bis 4 US$/lb) in Ruanda sonst bezahlt werden. Hauptsächlich dient der Cup of Excellence der Motivation, die eigene Kaffee-Qualität und damit auch die Verkaufspreise zu steigern und seinen Ruf als Kaffeeanbauer noch zu verbessern.

Qualitätskontrolle bei NAEB

Qualitätskontrolle bei NAEB

Mit diesem Hintergrundwissen wurden wir zu einem Cupping eingeladen. Ing. Eric Ruganintwali, Director of Quality Control, Inspection and Standards Compliance unit begleitete uns zur Verkostung von fünf Spezialitätenkaffees ins NAEB Labor.
Eric Ruganintwali informierte uns hier, dass Ruanda in den nächsten zwei bis drei Jahren in Spezialitätenkaffee-Regionen (Appelation-Project) strukturiert werden soll. Nach Klima (Regen, Temperaturen, Luftfeuchtigkeit), Böden und Anbauhöhe soll der Kaffee im Cup-Profil dann klar abgrenzbar sein. Aktuell fehlen wohl noch die finanziellen Mittel sowie ein Experte, der das Projekt federführend planen und umsetzen kann.

NAEB Cupping-Lab zur Qualitätskontrolle

NAEB Cupping-Lab zur Qualitätskontrolle

Zunächst zeigten uns die Laborantinnen das Procedere eines Cuppings, das der Qualitätskontrolle dient. Ein fruchtiger „Rusizi“ mit einer schönen Süße, intensiv und ein sehr interessanter „Nyamasheke“, der schokoladig-nussige Noten hat, an gelbe Früchte (Stachelbeere) erinnert und vollmundig im Geschmack ist, stachen für mich heraus.

NAEB-Lab: Cupping Ergebnisse werden schriftlich festgehalten

NAEB-Lab: Cupping Ergebnisse werden schriftlich festgehalten

Zum Abschluss unseres Besuchs warfen wir einen Blick in das Lagerhaus, wo gerade ein LKW mit frischen „Parchments“ (Rohkaffee mit dem noch schützenden Silberhäutchen) angeliefert wurde. Dann ging es mit unseren Jeeps nach Musasa in die Nord-Provinz.

Kigali - auf dem Weg in Richtung Nord Provinz

Kigali – auf dem Weg in Richtung Nord Provinz

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Musasa/Ruli (North Province), 12. Mai 2014. Bevor es in Richtung Lake Kivu (West Province) ging, besuchten wir die „washing station“ Musasa im Ruli District/North Province.

Kigali lag hinter uns. Und nach einigen Kilometern verließen wir vorerst auch die asphaltierte Straße.

Entlang des Nyabarongo Flusses in Richtung Musasa in der Nord Provinz

Entlang des Nyabarongo Flusses in Richtung Musasa in der Nord Provinz

Entlang des Nyabarongo Flusses fuhren wir auf holprigen Wegen durch kleine Dörfer mit kargen Lehmhäusern, vielen Menschen, die neugierig zurückblickten, vorbei an Bananen-Plantagen, Maniok-Feldern (Maniokmehl zur Brotherstellung), Süßkartoffeln, Mais, Bohnen, Eukalyptus-Bäumen, wilden Kaffeebäumen, saftigen, grünen Landschaften.

Immer wieder winkende Kinder, die »Umuzungu, Umuzungu« riefen

Immer wieder winkende Kinder, die »Umuzungu, Umuzungu« riefen

Und kleine Kinder riefen freudig und winkend „Umuzungu, Umuzungu„, was übersetzt „Weiße“ bedeutet. Nach einer mehrstündigen Fahrt kamen wir auf der ca. 1.800 m ü.d.M. hoch gelegenen Washing-Station Musasa an.

Angekommen. Musasa. Unsere erste Washing Station in Ruanda

Angekommen. Musasa. Unsere erste Washing-Station in Ruanda

Musasa gehört zur Cooperative Dukunde kawa, was übersetzt so viel heißt wie „Let’s love coffee“. Über 2.100 Mitglieder gehören der Kooperative Dukunde kawa an und bringen ihre Kaffee-Ernte hierher, um sie weiter zu verarbeiten.

General Manager Isaac (li.) im Gespräch mit Jaques (re.), der uns jede Frage übersetzt

General Manager Isaac (li.) im Gespräch mit Jacques (re.), der uns jede Frage übersetzt

Isaac, der General Manager, zeigte uns, wo der Kaffee der Farmer angeliefert und sortiert wird (u.a. keine grüne Kirschen, keine überreifen Kirschen) bevor er gewogen und eingestuft wird.

Nur die roten Kirschen kommen in die Aufbereitung

Nur die roten Kirschen kommen in die Aufbereitung

Jedes gelieferte Kaffeelot bekommt einen Code bevor er in die Nassaufbereitung geht. Die Kaffeekirschen, die an jedem Tag geliefert werden, bekommen eine Markierung, zum Beispiel: 12. Mai  =1205. Diese Markierung begleitet den Kaffee durch den kompletten Prozess, so dass der Kaffee, bei Bedarf, bis zum Farmer zurückverfolgt werden kann.

Der Code-Zettel, der den gesamten Prozess begleitet

Der Code-Zettel, der den gesamten Prozess begleitet

Auf der Musasa Washing-Station sind knapp 230 Mitarbeiter in der Hochsaison beschäftigt, davon 94 % Frauen. Jeder Trocknungstisch hat zum Beispiel eine einzelne Person in der Verantwortung, die den Kaffee wendet, wenn es erforderlich ist. Und dafür sorgt, dass der Tisch frei ist für den nächsten Lot. Der Kaffee bleibt bis zu 21 Tage auf den Trocknungstischen, je nach Wetterlage.

Für jedes Lot ist eine Person verantwortlich, die Parchments regelmäßig zu wenden.

Für jedes Lot ist eine Person verantwortlich, die Parchments regelmäßig zu wenden.

Nach der Trocknung werden die Parchments in Säcke verpackt und im Lagerhaus zwischengelagert bis sie nach Kigali in die Dry Mill transportiert werden. Immer mit dem Code am Einlieferungstag versehen. Aktuell wird auf dem Areal eine Dry Mill gebaut, um den kompletten Wertschöpfung-Prozess zu kontrollieren. Noch in dieser Saison soll sie in Betrieb gehen.

Musasa. Eindrucksvolle Washing Station mit hervorragenden Kaffees

Musasa. Eindrucksvolle Washing-Station mit hervorragenden Kaffees

Der Farmer erhält eine Quittung für den Kaffee, den er bei der Buchhaltung-/ Rechnungsstelle der Washing-Station einreicht. Sie umfasst den Namen des Farmers, alle relevanten Daten wie Bankkonto-Details, Sektor, Distrikt, Washing Station, Summe die bezahlt wird, Preis pro Kilogramm (hier aktuell 250 F/1 kg Kirschen), und sie wird dann vom Farmer gegengezeichnet.

Die Kooperative bietet seinen Mitgliedern auch einen Sparplansystem an, ihr Geld erst dann einzuziehen, wenn sie es benötigen. Oder sie können einen Vorschuss auf ihre zu erwartende Ernte bekommen.

Der aktuelle Verkaufpreis für den Export (fob – free on board) liegt bei 3 USD/lb (amerikanisches Pfund = 465 g)

Isaac präsentiert uns die Cup of Excellence Auszeichnungen der letzten Jahre

Isaac präsentiert uns die Cup of Excellence Auszeichnungen der letzten Jahre

Dass die Kooperative Dukunde kawa exzellente Kaffees hat, stellt sie mit der erfolgreichen Teilnahme an den jährlich stattfindenden nationalen Cup of Excellence Wettbewerben immer wieder auf Neue unter Beweis. Im Besprechungsraum präsentierte uns ISAAC die CoE-Auszeichnungen.

Auf insgesamt 336 Hektar Land befinden sich 840.000 Kaffeebäume. Jeder Farmer besitzt hier durchschnittlich 200 bis zu 600 Kaffeebäume. Jährlich werden 1.400 t Kirschen geernetet. Davon werden durchschnittlich 2.400 Sack à 60 kg Rohkaffee verarbeitet. Und in die USA, nach Japan, Süd-Korea oder auch nach Europa exportiert.

Auf der Trainingsfarm von Musasa

Auf der Trainingsfarm von Musasa

In der Nähe der Washing-Station wurde eine kleine Trainingsfarm angelegt. Es ermöglicht den Farmern sich dort zu treffen und Erfahrungen über den Kaffeeanbau auszutauschen und zu lernen wie und warum man seine eigene Kenntnisse verbessern kann.

Neben Musasa/Ruli gibt es zwei weitere Washing-Stations, MBilima und NKARA, die zu der Kooperative Dukunde kawa gehören.

Insgesamt hat uns das Musasa-Engagement sehr beeindruckt, wie sie den Farmern helfen, ihre Ergebnisse zu verbessern sowie besten Kaffee zu produzieren.
Sie versteht, wie wichtig die Aus- und Weiterbildung in einer genossenschaftlichen  Gemeinschaft ist, vor allem da die Farmer oft keinen einfachen Zugang zu solchen Themen haben.

Beeindruckt machen wir uns auf dem Weg nach Rubavu an an Kiwu-See

Beeindruckt machen wir uns auf dem Weg nach Rubavu an an Kiwu-See

Weiter ging die Fahrt in Richtung Nord-Westen, zum Lake Kivu. Übernachtung im sehr ansprechenden Gorilla Hotel in Rubavu mit einem kleinen paradiesisch anmutendem Garten direkt am Kivu-See.

Übernachtung im Hotel Gorilla in Rubavu

Übernachtung im Hotel Gorilla in Rubavu


Fortsetzung folgt…

 

Alle Rechte an Fotos und Texten liegen bei ©kaffeewacht : Axel R. Bollmann.

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Ruanda. Ost-Afrika. „Völkermord 1994 und Gorillas. Darauf wird Ruanda oft reduziert“, so wurde die ruandische Botschafterin in Deutschland Christine Nkulikiyinka in einem Artikel von „Der Tagesspiegel“ am 6. April 2014 sinngemäß zitiert. Am 6. April 1994 – genau vor 20 Jahren – startete ein beispielloses Morden der „Hutus“ an den „Tutsis“. Mehr als 1 Million Menschen starben innerhalb von 100 Tagen. Die Welt sah hilflos zu. Die meisten Menschen in der westlichen Welt kannten nicht einmal den Namen des Landes.

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„20 Jahre nach dem Völkermord erfindet sich das Land neu, vor allem die Jugend hat keine Lust mehr auf Trauer. Aber lässt sich die Vergangenheit so leicht abschütteln?“ schrieb die TAZ am 6. April 2014 auf ihrer Titelseite. Eine interessante Frage, die die TAZ, sehr ausführlich und lesenswert, versuchte zu beantworten. Zum Schluss hieß es: „Von den aufgehetzten Jugendbanden, die 1994 mit Macheten durch das Land zogen, sind wir Lichtjahre entfernt.“

Es ist also an der Zeit das Ruanda-Bild zu erweitern. Zum Beispiel um herausragende Spezialitätenkaffees und die Menschen, die dahinter stehen.

Einige tolle Filter-Roast- und Espresso-Roast-Spezialitätenkaffees aus Ruanda hatte ich schon verkostet.
In 2012 „Musasa Ruli“ von Square Mile Coffee Roasters, London, „Rubavu“ von koppi aus Schweden oder den fantastischen Cup of Excellence 2012 „Ubunitegeka“ von backyard coffee in Frankfurt/Main. In 2013 einen „Huye Mountain“ von The Barn.
Ganz aktuell einen „Karengera“ von der Berliner Kaffeerösterei sowie den schokoladig-fruchtig, intensiven „Mahembe“ ebenfalls von The Barn aus Berlin.

Mahembe aus der rundischen West Provinz. Phantastisch.

Mahembe aus der rundischen West Provinz. Phantastisch.

Gut. Aber wer steht hinter dem Kaffeeanbau? Wo wird angebaut? Warum wird nur eine Varietät angebaut? Wie sieht das Processing/die Aufbereitung aus? Und viele Fragen mehr.

Wie heißt es so schön: „Wer eine Reise tut, der hat etwas zu erzählen“. Die BSOC Berlin School of Coffee lud zu einem Coffee Trek nach Ruanda im Mai 2014 ein. Eine wunderbare Gelegenheit das Herkunftsland kennenzulernen. Angemeldet. Flug gebucht. Gelbfieber-Impfung im Tropeninstitut durchgeführt. Malarone-Tabletten zur Malaria-Prophylaxe verschrieben bekommen.

Berlin. Samstag, 10. Mai 2014 ging es los. 04:30 Uhr Fahrt zum Flughafen Berlin-Tegel. 05:30 Uhr eingecheckt. Abflug 6:55 mit brussels airlines. Pünktliche Landung um 08:00 Uhr in Brüssel. Weiterflug um 10:25 Uhr. 8 Stunden später landeten wir in Kigali.

Kigali, Hauptstadt Ruandas

Kigali, Hauptstadt Ruandas

Es war 18:40 Uhr, genauso spät wie in Deutschland. Am Flughafen traf ich zwei weitere Teilnehmer. Andrea aus Berlin und Tristan aus Leinefelde in Thüringen.

Abgeholt wurden wir von Roger. In seinem Toyota Land Cruiser brachte er uns zu unserem Hotel (Urban Boutique) in Kigali. Roger ist selbständig. Er betreibt einen Travel Service und begleitete uns auf der gesamten Reise. Es war ein großes Vergnügen, mit ihm zu reisen. Er kennt sich aus, ist sehr freundlich, kompetent und engagiert. Wir fühlten uns die gesamte Reise über sehr sicher mit ihm am Steuer. Ein exzellenter Fahrer.

Nette BSOC Begrüßung im Blue City Urban Hotel in Kigali

Nette BSOC Begrüßung im Blue City Urban Hotel in Kigali

Im Restaurant auf der Hotelterrasse trafen wir die anderen Teilnehmer: Stefan und Christiane aus München, Rainer aus Frankfurt/Oder und natürlich Nicole von der BSOC. Sie hatte die gesamte Reise geplant und das Land schon ein Jahr zuvor bereist. Bei einem köstlichen Abendessen (Coffee Steak mit Gemüse und Salat) erzählte uns Nicole, was wir alles vorhaben, wo sie improvisieren musste, weil etwas nicht geklappt hatte und was uns am nächsten Tag (Sonntag) erwartet. Erschöpft, aber voller Neugierde fielen wir in unsere Betten.

Kigali, Sonntag, 11. Mai 2014. Geweckt von einer Mücke (insgesamt sah ich drei Mücken auf der gesamten Reise) eilte ich aufgeregt ins Bad, um mich mit dem Moskito-Spray einzusprühen und meine nächste Malarone Tablette einzunehmen.

Aromatisches, erstes Frühstück in Kigali

Aromatisches, erstes Frühstück in Kigali

Nach einem köstlichen Frühstück mit sehr aromatischen Früchten, Rührei mit Toast und einem fruchtig, intensiven Kaffee mit einer feinen Süße machte ich einen ersten Spaziergang um den Block des Hotels. Jeder Einheimische, dem ich begegnete, schaute mir in die Augen und ich grüßte. Ein freundliches „Bonjour“ und ein eilig hinterher geworfenes „ça va“ kamen zurück. So oft und freundlich war ich noch nirgends auf der Straße begrüßt worden.

Zurück im Hotel trafen wir auf eine Überraschung. S.E. Botschafter Jacques Nshimyumukiza begleitete uns auf der weiteren Reise. Er ist der Ehemann der Botschafterin in Deutschland. Wir erfuhren, dass das Botschafter-Ehepaar bei einem Besuch der Berliner Kaffeerösterei ruandischen Kaffee entdeckte. Bei vertiefenden Gesprächen wurde die Idee für diese Reise geboren.

S.E. Botschafter Jaques Nshimyumukiza

S.E. Botschafter Jacques Nshimyumukiza

Wir begrüßten uns beim Vornamen, was bei offiziellen Anlässen sicher nicht üblich ist. Aber Jacques arbeitet ja auch nicht in der Botschaft, wie er uns erzählte. Er spricht nicht nur perfekt deutsch, sondern auch kinyarwanda (ruandisch), englisch und französisch.
Er war uns auf dieser Reise ein wichtiger Berater, Übersetzer, Koordinator und Freund!

Mit zwei „Jeeps“ ging es dann zu einer Wechselstube. Auf die Frage, was wir für die 8 Tage an Geld bräuchten (Restaurant, Verpflegung, Getränke, Geschenke, Tip etc.), einigte man sich auf 200 bis 300 Euro. Also wechelte ich 250 Euro zum Kurs von 1 Euro = 960 Ruandische Francs. Zurück bekam ich ein dickes Bündel 130 x 2.000 F-Scheine. Nachdem der Vierte sein Geld gewechselt hatte, hatten wir die „Bank“ gesprengt. Bei der zweiten Bank kauften die anderen Teilnehmer mit ihrer Kreditkarte ruandisches Geld. Jeder war mit Ruandischen Francs versorgt.

Wie schön. Kaffeebohnen auf den Geldscheinen.

Wie schön. Kaffeebohnen auf den Geldscheinen.

Unser erstes wichtiges Ziel an diesem Sonntag war das Genocide Memorial Center, wo 250.000 Menschen aus dem Völkermord von 1994 in einem Massengrab beigesetzt sind. Das Center wurde durch ein joint partnership des Kigali City Council und des UK Aegis Trust vor 10 Jahren gebaut.

Kigali Genocide Memorial

Kigali Genocide Memorial

In einem kleinen Museum hatte jeder die Gelegenheit, sich über die Hintergründe, den Ablauf des Genozids und die furchtbaren Gräueltaten auf Bildern und Texten zu informieren. Schwere Kost. Zum Verständnis des Landes war dieser Besuch aber eine wichtige Station. Mit der „Fackel der Hoffnung“ endete dieser Rundgang für uns.

Fackel der Hoffnung

Fackel der Hoffnung

Nachdenklich fuhren wir in einen ausgewählten coffeeshop „Shokola“, der uns beeindruckte. Bei einem „African Latte“ hellte sich unsere Stimmung auf. Nach einem köstlichen Lunch fachsimpelten wir über ruandischen Kaffee.

Coffeeshop Shokola

Coffeeshop Shokola

Unser Sonntagsausflug führte am späten Nachmittag auf einen lokalen Markt in Kigali. Fisch, Gemüse, Früchte, Stoffe, Schuhe, Kleidung, Souveniers uvm. wurden feilgeboten. Hier ging mein Herz auf. Das Handeln gehört hier zum Ritual wie auf einem Basar. Es machte richtig Spaß mit viel Lachen und guten Preisen für beide Seiten, hatten wir den Eindruck.

Besuch eines lokalen Marktes in Kigali

Besuch eines lokalen Marktes in Kigali

Am Abend ging es zum Essen in das „Phyrus“ Restaurant in Kigali, wo wir Samuel Muhirwa (SAM) trafen, Vice-President von Rwashoscco Ltd. und Operational Manager von KZNoir Ltd.

Beim Abendessen mit SAM (re.) im Restaurant Phyrus in KIgali

Beim Abendessen mit SAM (re.) im Restaurant Phyrus in Kigali

Beide Marketing- und Export-Unternehmen gehören jeweils zu mehreren Cooperativen. Es sind also Schirm-Organisationen, die das Marketing und die Export-Logistik ihrer Kooperativen/Washing-Stations organisieren. Sie vermarkten zusammen 21 Washing-Stations. Das entspricht fast 10 Prozent am Gesamtbestand an derzeit 225 Washing-Stations in Ruanda. Beide Unternehmen exportieren Spezialitätenkaffees direkt nach Japan, Süd-Korea, USA und auch nach Europa.
Die Gründung dieser Vermarktungsunternehmen ist übrigens eine der abschliessenden Ideen/Konzepte von PEARL gewesen, die den gesamten Umstrukturieungsprozess im Kaffeesektor in Ruanda begleitet haben. PEARL ist eine kooperative Zusammenarbeit der  Texas A&M, der U.S. Agency for International Development und Rwanda’s Ministry of Education.

Vier der Washing-Stations besuchten wir in den nächsten Tagen. Endlich Kaffee. Ruandischen Spezialitätenkaffee.  Fortsetzung folgt…

Alle Rechte an Fotos und Texten liegen bei ©kaffeewacht : Axel R. Bollmann.

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Zugegeben – »99 % kennen meistens alten Kaffee – wie schmeckt frischer Kaffee?« – ist polemisch formuliert. Bewußt. Denn unter diesem Motto könnte die gestrige Veranstaltung von David Latourell, Export Manager bei der Osloer Kaffeerösterei Solberg & Hansen gestanden haben.
Berlin, 6. Juni 2013. Eingeladen hatte der Berliner Coffeeshop CAFÉ CK, Prenzlauer Berg. Cory Andreen (C) und Kerstin Winkelbauer (K) sind professionelle Kaffee-Experten, Cory Andreen zudem amtierender Cupping Weltmeister.
Spezialitätenkaffees von Solberg & Hansen aus Oslo

Spezialitätenkaffees von Solberg & Hansen aus Oslo

Seit wenigen Monaten beziehen sie ihren Spezialitätenkaffee für die Filtermethode von der norwegischen Spezialitätenkaffee-Rösterei Solberg & Hansen. Erst seit dem letzten Jahr ist es möglich diesen Kaffee überhaupt nach Deutschland zu importieren. Solberg & Hansen gilt nicht nur als die älteste Spezialitätenkaffee-Rösterei (1879), sondern gehört vermutlich zu den international renommiertesten Micro-Röstereien in Europa, die in einem Atemzug mit Square Mile Coffee Roasters, The Coffee Collective, Tim Windelboe oder zum Beispiel Has Bean genannt werden. Sicherlich gehören auch einige wenige deutsche Micro-Röstereien mittlerweile zu diesem erlauchten Kreis.

Kaffee ist Obst. „Spargel kaufen Sie auch nur frisch – in der Saison“
Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 6,9 kg Rohkaffee* ist Kaffee die “Lieblingskirsche“ der Deutschen. Genau wie Süß- und Sauerkirschen, Erdbeeren oder Spargel hat auch die Kaffeekirsche ihre Saison. Doch Saison ist in den jeweiligen Anbauländern zu unterschiedlichen Ernte-Zeiten (Guatemala: Januar bis März.; Kenia: November bis Dezember; Brasilien: Juni bis August). Und genau wie Kirschen, Erdbeeren oder Spargel schmeckt natürlich auch der Kaffee am besten, wenn die Bohnen frisch sind.
David Latourell, Export Manager von S&H aus Norwegen

David Latourell, Export Manager von S&H aus Norwegen

Zu diesem Thema hatten David Latourell (S&H) und das CAFÉ CK zu einen interessanten Vortrag mit Tasting eingeladen. In einer Blindverkostung sollten 5 Kaffees (2 Cuppingschalen pro Kaffee) probiert werden.

Mitgebracht habe ich vier Kaffees aus der aktuellen frischen Ernte und ein Kaffee kommt aus der Ernte des Vorjahres, ist also alt. Aufgabe ist es nun, den „alten“ Kaffee herauszuschmecken.

Zusatzaufgabe: zwei Kaffees stammen jeweils aus einer Region, wobei 2 Kaffees sogar von der gleichen Farm stammen. Welche hängen zusammen, welche nicht?

Zum Procedere:
Nach dem Mahlen und Abfüllen der fünf Kaffees in die Cupping-Schalen wurde geschnuppert. Erste Meinungen wurden gebildet, aber nichts verraten. Denn erst beim Schmecken kann man das ganze Spektrum erfassen und schlussendlich beurteilen. Nach dem Aufguss wurde vier Minuten gewartet, die Kruste aufgebrochen und wieder geschnuppert. Dann geschlürft und wieder ausgespuckt. Notizen gemacht. Und schlussendlich beurteilt und bewertet. Das Ergebnis war eindeutig.
Die Erkennungszeichen: Süße, Säure, Körper, Aromen, Nachgeschmack.
Cupping-Weltmeister Cory Andreen und Kerstin Winkelbauer von CAFÈ CK

Cupping-Weltmeister Cory Andreen und Kerstin Winkelbauer von CAFÈ CK

 
1. Süße.
Spürt man an der Zungenspitze
Breaking the crust durch Cory Andreen (li) und David Latourell (re)

Breaking the crust durch Cory Andreen (li) und David Latourell (re)

2. Säure.
Wie zum Beispiel Citrus-, Wein- oder zum Beispiel grüner Apfelsäure schmeckt man an den Zungenrändern.
Süße oder Säure kann dabei hervorstechen oder gut miteinander ausbalanciert sein, mehr oder weniger intensiv sein.
Smelling

Smelling

3. Körper.
Das ist das Mundraum-Gefühl. Am besten kann man das mit Milch trinken vergleichen. Eine leichte Milch mit wenig Fettanteil, im Vergleich zu einer 1,8 prozentigen oder 3,5 prozentigen fetthaltigen Milch bis zu einem schweren griechischen Joghurt gibt es also leichte, sanfte, oder seidig, mittlere oder eben sehr vollmundige (buttrige) Körper.
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4. Aromen.
Unterschiedliche Aromen nimmt man über den Gaumen in der Nase wahr.

Alles ist dabei richtig. Nichts ist falsch, was man dabei schmeckt bzw. riecht. Denn jeder Mensch, jeder Kulturraum, jedes Land hat seine eigenen Erfahrungen, Prägungen, Geschmäcker, sagt David Latourell.

»Schlürfen und Spucken«

»Schlürfen und Spucken«

5. Nachgeschmack.
Wie lange bleibt der Geschmack. Geht er „Gott sei Dank“ schnell weg oder bleibt er erfreulich lang erhalten. Ist es angenehm oder unangenehm?
Beurteilen und Bewerten

Beurteilen und Bewerten

Die Profile nach dem Cupping im einzelnen:
1 & 2. La Amistad, Kolumbien
Region Huila, San Augustin; Varietäten: Typica, Caturra, Castillo; Process: washed.
Profil 1: Intensive Süße und eine Säure, die an roten Apfel erinnert; samtiger Körper, frischer Abgang. Aromen: Honig, Karamell, Apfelkuchen
Profil 2: im Unterschied zu sample 1 hat der zweite Kaffee mehr Säure (grüner Apfel); ist insgesamt mehr ausgeglichen zwischen Süße und Säure. Hat etwas mehr Körper.
Beide Kaffees kamen nicht nur aus der gleichen Region, sondern stammten von der gleichen Farm. Entscheidender Unterschied: der Kaffee aus der zweiten Verkostung stammte nur von den 30 der 90 Bauern, die bereit waren die Qualität des Kaffeeanbaus noch einmal zu steigern, wofür sie auch mehr Geld bekamen.
3. Muchoki, Kenia
Region Nyeri, Varietät: SL 28/SL 34, Process: washed. Muchoki ist eine der ganz wenigen Privatfarmen in Kenia. Nahezu alle anderen Farmen sind in Kooperativen organisiert. Profil 3: intensive Süße und schöne Säure (Citrus), mittlerer Körper, leichter Abgang Aromen: schwarze Johannisbeere, Rhabarber.
4. Thun Guri, Perlbohne, Kenia
Region Nyeri, Varietät: SL 28/SL 34, Process: washed. Thuns Guri ist der Name der “working station“, zu der über 400 Bauern liefern. Jeder Bauer hat zwischen 50 und 100 Kaffeebäumen. Profil 4: wunderbare Süße und Säure (Citrus), etwas weniger intensiv und mehr ausgelichen als der Muchoki Kaffee. Seidiger feiner Körper. Aromen: milchig-buttrig, schwarze Johannisbeere, Kumquat.
5. El Salvador (keine Namensnennung)
Es war der Kaffee aus der Ernte des Vorjahres. Und jetzt schmeckten wir sehr deutlich den Unterschied von altem zu frischem Kaffee. Profil 5: keine Süße, keine Säure, weniger Körper und… Aromen, die an holzig, staubig, erdig erinnerten.
Sehr typisch für alten Kaffee im Abgang: trocken am Hals.erwähnte Cupping-Weltmeister Cory Andreen.
David Latourell (S&H): „99 % kennen meistens industriell geröstete Kaffees  und meistens handelt es sich dabei um ältere Rohkaffees. Denn alle Kaffees werden verkauft. Alle!
Um jemanden an schonend gerösteten, frischen Kaffee heran zu führen macht es keinen Sinn einen saftigen fruchtig-süßen Kenianer als erstes zu präsentieren. Stufenweise sollte man erst Spezialitätenkaffees aus unterschiedlichen Lagen zum Beispiel aus Kolumbien, Guatemala oder Brasilien verkosten. Erst dann empfehle ich Lagen- oder sortenreine Plantagenkaffees aus frischen Ernten in Afrika zu probieren.
Cupping Table mit Fokus auf den alten Kaffee

Cupping Table mit Fokus auf den alten Kaffee

Ein großes Danke schön für ein lehrreiches und interessantes Seminar & Tasting an David Latourell von Solberg & Hansen. Und ein besonderer Dank gebührt Kerstin Winkelbauer und Cory Andreen von CAFÉ CK für die tolle Gastfreundschaft und eine sehr gelungene Veranstaltung.
*Rohkaffeekonsum pro Kopf 2011 in Kilogramm in Deutschland, Quelle: „Kaffee in Zahlen No.2, 2013“
©2013 kaffeewacht : Axel R. Bollmann

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