Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Südamerika’ Category

Brasilianische Kaffees gelten meist als mild mit nussigen Noten und sind eher säurearm. Die bekanntesten Kaffeesorten aus Brasilien sind Brazil Santos, Brazil Lagoa und Brazil Bourbon. Häufig sind brasilianische Kaffees auch Bestandteil verschiedener Mischungen, vor allem von Espresso-Mischungen.

Wie schmecken nun aber brasilianische Spezialitätenkaffees, die durch den internationalen Cup of Excellence Wettbewerb bewertet werden?
Dazu lud die BSOC Berlin School of Coffee am Montag, 6. November 2017 zu einem Cupping der Top 10 Cup of Excellence of Brazil ein.

Der Cup of Excellence gilt heute als der prestigeträchtigste Wettbewerb für Top-Kaffees weltweit. Die Siegerkaffees werden in Internet-Auktionen versteigert, bei denen regelmäßig Top-Preise erzielt werden, je höher die Kaffees in den Wettbewerben bewertet wurden.

Über 9oo Kaffeeproben (Brazil Pulped Naturals and Naturals) wurden in den sogenannten nationalen Cup of Excellence Wettbewerb in Brasilien geschmacklich bewertet. Daraus gingen 79 Kaffees hervor, die mit mindestens 86 Punkten bewertet wurden. Vom 16. bis 22. Oktober 2017 wurden diese samples nun von einer internationalen Jury bewertet.
Auf Einladung der BSCA Brazilian Speciality Coffee Association nahm erstmals der Sensoriker Joachim Kühne von der BSOC als Juror an diesem Wettbewerb in Brasilien teil. Es war nicht nur eine persönliche Auszeichnung verbunden mit vielen neuen Kaffee-Eindrücken für Kühne, sondern bereicherte auch seine persönliche Sensorik-Erfahrungen für brasilianischen Kaffee ungemein: wie schmeckt eine bestimmte Varietät aus dieser oder jener Region war nur eine der intensiven Erfahrungen, die Kühne aus den Tagen bei dem Wettewerb mitnehmen konnte und heute (fast) blind zuordnen könnte.
Dazu wurde eine ansteckende Begeisterung und Leidenschaft für brasilianische Kaffees bei ihm geweckt, die er vorher nicht erwartet hatte, wie er sagte. Schlussendlich gehört auch das Networking zu einer solchen Erfahrung.
Zu dem Cupping in Berlin hatte Kühne daher auch Chris Allen (International Business Promotion) von der BSCA Brazilian Speciality Coffee Association sowie Marília de Faria von der Fazenda Imperio aus der Alto Sao Francisco Region eingeladen. Also beste Voraussetzungen, die Spannung und Neugierde auf die brasilianischen CoE Top 10 bei uns auf den Siedepunkt zu treiben.

13 „pulped naturals“ (halbtrocken und dazu zählen in Brasilien wohl auch gewaschene Kaffees) und noch weit mehr „naturals“ (trocken aufbereitet) hatte die BSOC für uns vorbereitet. Hauptsächlich Red and Yellow Catuai und Acaia Cerrado Kaffeesorten waren darunter zu finden. Dabei jeweils die Top10 samples aus beiden Kategorien (naturals und pulped naturals) verborgen.

10g Kaffee pro Tasse wurden frisch gemahlen und von uns gerochen. 150ml gefiltertes Wasser bei etwa 95 Grad dann aufgegegosssen. Wieder hatten wir das Vergügen die unterschiedlichen Aromen in unsere Nasen aufzusaugen. Bewaffnet mit Löffel und Becher wurde zunächst die Kruste gebrochen und wieder mit der Nase geschnuppert. Nach 4 Minuten Abkühlung ging es ans „Cuppen“.  Die ersten Favoriten wurden ausgemacht. Es wurde auf Teufel komm raus geschlürft und diskutiert. Ein Kaffee überraschender als der andere.

Wir wurden wirklich nicht enttäuscht!

Tropical fruits, Honigmelone, Ananas & Apfelnoten, Cranberries, Citrus- oder weinige Noten, intensive Süße und spritzige Fruchtsäure wechselten unsere Gaumenfreuden ab und ließen uns eintauchen in ein Feuerwerk an komplexer Abwechslung, Freude und Genuß.

Auch wenn wir nicht jede Platzierung der Jury teilten, hatten wir das Vergnügen sehr eigenständige und unterschiedliche Kaffees aus Brasilien kennenzulernen.
Die Begeisterung von Joachim Kühne konnten wir nach über 3,5 Stunden voll und ganz nachvollziehen. Brasilien hat weit mehr als milde, nussige und säurearme Kaffees! Grandiose Spezialitätenkaffees, denen wir künftig mit ganz anderen Erwartungen begegnen und aktiv nachfragen werden.

Alle Rechte an Fotos und Texten liegen bei ©kaffeewacht : Axel R. Bollmann

Advertisements

Read Full Post »

Verkostung eines »Cup of Excellence Bolivia« Gewinners

Verkostung eines »Cup of Excellence Bolivia« Gewinners

In Bezug auf die Kaffeemenge ist Bolivien ein kleiner Akteur: Es steht an 38. Stelle der Kaffee produzierenden Länder. Noch hinter den USA. Doch im Hinblick auf die Qualität des Kaffees arbeitet Bolivien hart daran, um in den großen Ligen mitzuspielen. In den letzten Jahren hat das Land große Fortschritte erzielt, dank der bolivianischen Specialty Coffee Association (ACEB), die Anti-Drogen-Geld von der US-Regierung bekommt. So engagiert sich auch die US-amerikanische, gemeinnützige Organisation ACE (Alliance for Coffee Excellence) mit ihrem Cup of Excellence Programm in Bolivien. Das Andenland beteiligt sich seit 2004 an diesem Programm und kann herausragende Kaffee-Erfolge vorweisen.

Ein Gewinner (Platz 19 von 26 Auserwählten) des bolivanischen Cup of Excellence Wettbewerbs in 2007 war zum Beispiel die Plantage NECTAR (Pablo Yana Mamani, Anacleto Muri, Ricardo Olori) aus der Region Caranavi in Bolivien. Anacleto Muri nahm zum ersten Mal in 2007 an dem Programm teil, um zu sehen wo er qualitativ mit seiner Plantage steht.
Auf der 18,00 Hektar großen Farm werden auf 10,00 Hektar die Arabica-Varietäten Typica und Caturra in 1.600 m u. M. Höhe angebaut. Die Produktion dieses Jahrgangskaffees betrug 994 kg.
Die Kaffeebäume werden ohne künstlichen Dünger und ohne Pestizide aufgezogen. Von Juni bis September werden nur die reifen Kirschen von Hand  geerntet und sofort mit Wasser aus Gebirgsbächen entpulpt. Anschließend in der Sonne getrocknet.
Die Beschreibung des Kaffees mit Rangfolge, laut CoE-Jury:
Milchschokolade, Zuckerrohr, Kirsche/Beeren, Orange, Zitronengras, Grüner Apfel, Mandarinen, Trauben, Pflaume, Orangenschale.
(Quelle: Cup of Excellence, Alliance for Coffee Excellence, Inc. (ACE), einer gemeinnützigen Organisation mit Sitz in den USA).

250 g Supremo-Terroirkaffee für 9,80 Euro

250 g Supremo Jahrgangskaffee für 9,80 Euro

Auktionsgewinner:
Die Münchner Kaffeerösterei Supremo ersteigerte die komplette Losgröße dieses Kaffees. Übrigens, ist Supremo, eine der ganz wenigen deutschen Firmen, die an solchen Auktionen teilnehmen und auch entsprechende Spitzenkaffees ersteigern. Hauptsächlich kommen die Auktionsteilnehmer aus den USA und aus Japan. Aus Europa sind es eher Vertreter aus Großbritannien und aus den skandinawischen Länder.
Diese Rarität haben wir für 9,80 Euro für 250 g online bei der Supremo Kaffeerösterei, unter Raritäten,  erworben und gleich nach der Lieferung ausprobiert …

Zubereitung des Plantagenkaffees:
Zur Verkostung bereiten wir eine sortenreine Kaffeerarität, die medium geröstet ist,  in der Cafétiere (Press-Stempelkanne) zu.

Abwiegen von 20 g und 18 g Nectar-Bohnen

Abwiegen von 20 g und 18 g Nectar-Bohnen

Wir mahlen heute zum Vergleich einmal 20 g und einmal 18 g des »NECTARs« bei einem mittleren Mahlgrad. Und bereiten uns zwei Kannen zu.
Befüllen beide Cafétiere (0,35 l Volumen) mit dem frischen Mahlgut und gießen gefiltertes nicht mehr kochendes Wasser über den Kaffee. Rühren das frisch aufgebrühte Getränk jeweils um, damit sich die freisetzenden Öle, Fette, Zucker und Säuren mit dem Wasser gut verbinden. Erst dann setzen wir den Deckel mit Stempel auf die Kanne und lassen dieses Gebräu ca. 3,5 Minuten ziehen. So hat das Getränk genügend Zeit seinen aromatischen Geschmack zu bilden. Dann erst drücken wir den Stempel langsam nach unten. So dass sich kaum Kaffeesatz im Getränk selbst befindet. Und genießen den Kaffee pur: schwarz!

Dieser Kaffee und diese Röstung verdienen hohe Anerkennung!

Dieser Kaffee und diese Röstung verdienen hohe Anerkennung!

Unser persönliches Genuss-Erlebnis:
Es kommt uns ein feiner Geruch nach Kirsche, Erde, feiner Süße entgegen. Bei dem mit 20 g aufbereiteten Kaffee riecht es intensiv nach frisch geschnittenem Holz, nach Wald.
Im Geschmack kommt die Kirsche zum Ausdruck. Mit Paprikanoten. Leichte Zartbitterschokolade. Beim 20 g Kaffee schmecken wir insgesamt eine ausgeprägte saftige Fruchtigkeit. Eine feine Kirsch-Zartbitterschokolade mit 70 % Kakaoanteil ;-). Lecker. Dazu ist er vollmundig mit einer feinen Säure. Im Abgang lang anhaltend. Fruchtig-würzig. Toll!
Auf unserer Genuss-Skala von 1 bis 10 bekommt der Cup of Excellence Gewinner NECTAR aus Bolivien, geröstet von Supremo, eine ZWEI plus.

© 2009 by Axel R. Bollmann

Read Full Post »

Verkostung eines »Cup of Excellence Brasilien« Gewinners

Verkostung eines »Cup of Excellence Brasilien« Gewinners

Bei unserer heutigen Verkostung haben wir uns auf einen überraschenden Qualitätskaffee fokussiert. Auf einen Cup of Excellence Gewinner 2006 aus Brasilien (Platz 24 von 29 Auszeichnungen in Brasilien). Überraschend deshalb, da Brasilien bei uns eher dafür bekannt ist, dass er als Kaffeegigant meistens für Kaffeemischungen eingesetzt wird, es den größten Teil der Robustas in Standard-Konsumqualität erzeugt. Und Brasilien den meisten Kaffee im eigenen Land verbraucht und somit viele edle Kaffees gar nicht ausgeführt werden.

Hintergrund zur Kaffeeplantage »Do Moinho«:

mittlerer Röstgrad des Do Moinho

mittlerer Röstgrad des Do Moinho

Die Fazenda Do Moinho von Vinícius Carneiro José Pereira befindet sich in der Gemeinde Olímpio Noronha (ca. 2.500 Einwohner), im Süden Minas Gerais (ca. 20 Mio. Einwohner), Brasilien. Minas Gerais gehört zu den 4 Staaten  (Minas Gerais, Paraná, Sao Paulo, Espírito Santo), die 98 % des Gesamtertrages an Kaffee in Brasilien ausmachen. In Minas Gerais hat man in der Region Cerrado alte Bourbon-Varietäten wieder entdeckt, die jetzt als Plantagenkaffees angebaut werden. Auf einer Farmgröße von 315 Hektar, wovon 60 Hektar für die Kaffeeplantage genutzt werden, wird die Kaffeesorte »Arabica-Bourbon« in einer durchschnittliche Höhe von 1100 Meter angebaut. Der Rohkaffee von dieser Kaffeeplantage wurde in 2006 mit der dem Cup of Excellence Award versehen.

Was ist der Cup of Excellence?

Diese Auszeichnungen (Awards) werden in einem strengen Wettbewerb verliehen, bei dem die allerbesten Kaffees des jeweiligen Landes für das jeweilige Jahr von nationalen und internationalen Verkostern ausgewählt werden (Jahrgangskaffees). Mittlerweile ist die Cup of Excellence – aufgelegt in 1999 und gestartet in Brasilien – die begehrteste Auszeichnung für Kaffees der Spitzenklasse. Alliance for Coffee Excellence, Inc. (ACE), eine gemeinnützigen Organisation mit Sitz in den USA, ist Initiator und Eigentümer des Cup of Excellence Programmes.

Kriterien vergleichbar eines Terroir-Wein-Wettbewerbs
:
perfekte Reife,  gut entwickelter Körper, angenehmes Aroma, lebendige Süße, die nur Kaffeespezialitäten höchster Qualität enthalten. Jeder prämierte Kaffee hat seine eigene Geschmacksnote des Bodens, auf dem er wächst, und jeder wurde so gefertigt, dass diese einzigartigen Charakteristiken hervorgehoben werden.

Auszeichnung und Auktion:

Die Gewinner werden mit dem angesehenen Cup of Excellence® ausgezeichnet und bei einer Internetauktion an den Meistbietenden verkauft. 85% des Höchstgebots geht an die Kaffeeproduzenten selbst, um die Leistung der erreichten Qualität auch finanziell zu würdigen.

250 g Do Moinho von Supremo für 9,95 Euro

250 g Do Moinho von Supremo für 9,95 Euro

Beschreibung des Do Moinho Kaffees der Cup of Excellence Jury:
leicht schokoladige Süße · voller Körper · Kirschen · Salbei · herb und würzig · feste Struktur · süßliches Bohnenkraut · Anis · klare süße Säure

Gewinner der Internet-Auktion dieses Kaffees waren 2 deutsche Qualitätshändler:
Rohkaffeeimporteur Rehm & Co. in Hamburg (www.rehmcoffee.de) für das alteingesessene Tee- und Kaffeehandelshaus Dethlefsen & Balk in Hamburg (www.dethlefsen-balk.de) und
Supremo Kaffeerösterei in Unterhaching/München (www.supremo-kaffee.de). Für 9,95 Euro haben wir 250 g dieses Supremo Röstkaffees erworben. Ohne Auktion, aber online via www.supremo-kaffee.de im Online-Shop unter Raritäten.

Do Moinho Zubereitung in der Cafétiere

Do Moinho Zubereitung in der Cafétiere

Zubereitung des Plantagenkaffees:
Zur Verkostung bereiten wir einen solch besonderen Plantagenkaffee in der Cafétiere (Press-Stempelkanne) zu. Wir mahlen knapp 20 g des medium gerösteten Kaffees bei einem mittleren Mahlgrad.
Befüllen die Cafétiere (0,35 l Volumen) mit dem frischen Mahlgut und gießen gefiltertes nicht mehr kochendes Wasser über den Kaffee. Rühren das frisch aufgebrühte Getränk um, damit sich die freisetzenden Öle, Fette, Zucker und Säuren mit dem Wasser gut verbinden. Erst dann setzen wir den Deckel mit Stempel auf die Kanne und lassen das Gebräu ca. vier Minuten ziehen. So hat das Getränk genügend Zeit seinen aromatischen Geschmack zu bilden. Dann erst drücken wir den Stempel langsam nach unten. So dass sich kaum Kaffeesatz im Getränk selbst befindet. Und genießen den Kaffee pur: schwarz!

Verkostung von Do Mohinho: pur, schwarz

Verkostung von Do Mohinho: pur, schwarz

Unser persönliches Genuss-Erlebnis:
Kakao, Nüsse, Baumrinde steigen als erste Aromen auf. Es riecht dann sehr schokoladig. Im Geschmack nehmen wir eine süßliche Schärfe (Kirschen und Cayenne?) wahr. Die Salbei-Note ist gewöhnungsbedürftig. Verleiht ihm vermutlich den eigenständigen Charakter. Er hat einen vollen Körper, leicht rauchig. Lang im Abgang.
Auf unserer Genuss-Skala von 1 bis 10 bekommt der Cup of Excellence Gewinner Do Moinho aus Brasilien, eine DREI bis VIER.

© 2009 by Axel R. Bollmann

Read Full Post »