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Posts Tagged ‘Cupping’

Brasilianische Kaffees gelten meist als mild mit nussigen Noten und sind eher säurearm. Die bekanntesten Kaffeesorten aus Brasilien sind Brazil Santos, Brazil Lagoa und Brazil Bourbon. Häufig sind brasilianische Kaffees auch Bestandteil verschiedener Mischungen, vor allem von Espresso-Mischungen.

Wie schmecken nun aber brasilianische Spezialitätenkaffees, die durch den internationalen Cup of Excellence Wettbewerb bewertet werden?
Dazu lud die BSOC Berlin School of Coffee am Montag, 6. November 2017 zu einem Cupping der Top 10 Cup of Excellence of Brazil ein.

Der Cup of Excellence gilt heute als der prestigeträchtigste Wettbewerb für Top-Kaffees weltweit. Die Siegerkaffees werden in Internet-Auktionen versteigert, bei denen regelmäßig Top-Preise erzielt werden, je höher die Kaffees in den Wettbewerben bewertet wurden.

Über 9oo Kaffeeproben (Brazil Pulped Naturals and Naturals) wurden in den sogenannten nationalen Cup of Excellence Wettbewerb in Brasilien geschmacklich bewertet. Daraus gingen 79 Kaffees hervor, die mit mindestens 86 Punkten bewertet wurden. Vom 16. bis 22. Oktober 2017 wurden diese samples nun von einer internationalen Jury bewertet.
Auf Einladung der BSCA Brazilian Speciality Coffee Association nahm erstmals der Sensoriker Joachim Kühne von der BSOC als Juror an diesem Wettbewerb in Brasilien teil. Es war nicht nur eine persönliche Auszeichnung verbunden mit vielen neuen Kaffee-Eindrücken für Kühne, sondern bereicherte auch seine persönliche Sensorik-Erfahrungen für brasilianischen Kaffee ungemein: wie schmeckt eine bestimmte Varietät aus dieser oder jener Region war nur eine der intensiven Erfahrungen, die Kühne aus den Tagen bei dem Wettewerb mitnehmen konnte und heute (fast) blind zuordnen könnte.
Dazu wurde eine ansteckende Begeisterung und Leidenschaft für brasilianische Kaffees bei ihm geweckt, die er vorher nicht erwartet hatte, wie er sagte. Schlussendlich gehört auch das Networking zu einer solchen Erfahrung.
Zu dem Cupping in Berlin hatte Kühne daher auch Chris Allen (International Business Promotion) von der BSCA Brazilian Speciality Coffee Association sowie Marília de Faria von der Fazenda Imperio aus der Alto Sao Francisco Region eingeladen. Also beste Voraussetzungen, die Spannung und Neugierde auf die brasilianischen CoE Top 10 bei uns auf den Siedepunkt zu treiben.

13 „pulped naturals“ (halbtrocken und dazu zählen in Brasilien wohl auch gewaschene Kaffees) und noch weit mehr „naturals“ (trocken aufbereitet) hatte die BSOC für uns vorbereitet. Hauptsächlich Red and Yellow Catuai und Acaia Cerrado Kaffeesorten waren darunter zu finden. Dabei jeweils die Top10 samples aus beiden Kategorien (naturals und pulped naturals) verborgen.

10g Kaffee pro Tasse wurden frisch gemahlen und von uns gerochen. 150ml gefiltertes Wasser bei etwa 95 Grad dann aufgegegosssen. Wieder hatten wir das Vergügen die unterschiedlichen Aromen in unsere Nasen aufzusaugen. Bewaffnet mit Löffel und Becher wurde zunächst die Kruste gebrochen und wieder mit der Nase geschnuppert. Nach 4 Minuten Abkühlung ging es ans „Cuppen“.  Die ersten Favoriten wurden ausgemacht. Es wurde auf Teufel komm raus geschlürft und diskutiert. Ein Kaffee überraschender als der andere.

Wir wurden wirklich nicht enttäuscht!

Tropical fruits, Honigmelone, Ananas & Apfelnoten, Cranberries, Citrus- oder weinige Noten, intensive Süße und spritzige Fruchtsäure wechselten unsere Gaumenfreuden ab und ließen uns eintauchen in ein Feuerwerk an komplexer Abwechslung, Freude und Genuß.

Auch wenn wir nicht jede Platzierung der Jury teilten, hatten wir das Vergnügen sehr eigenständige und unterschiedliche Kaffees aus Brasilien kennenzulernen.
Die Begeisterung von Joachim Kühne konnten wir nach über 3,5 Stunden voll und ganz nachvollziehen. Brasilien hat weit mehr als milde, nussige und säurearme Kaffees! Grandiose Spezialitätenkaffees, denen wir künftig mit ganz anderen Erwartungen begegnen und aktiv nachfragen werden.

Alle Rechte an Fotos und Texten liegen bei ©kaffeewacht : Axel R. Bollmann

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Rwanda, Gisenyi/Rubavu (West Province), 13. Mai 2014, Gisenyi im District Rubavu ist Grenzstatdt zur D.R. Congo.

Auf dem Weg zu Coopac in der Grenzszadt Gisenyi machen wir einen Abstecher zum Grenzübergang. Alles ruhig.

Auf dem Weg zu Coopac in der Grenzszadt Gisenyi machen wir einen Abstecher zum Grenzübergang. Alles ruhig.

Heute stand der Besuch und ein Cupping bei Coopac an.
Diese Kooperative hat sich auf das Kaffee-Anbaugebiet in der Gisenyi-Region (Ack, Ubuzima, Tuzamurane, Kopabm, Abakundskurima und Abanyamurava) konzentriert. Fruchtbare, vulkanische Böden auf einer Höhe von 1.500 m bis 1.900 m ü.d.M. sowie regelmäßiger und reichlicher Regen sind charakteristisch für diese Region.

Eingangstor zum Firmengeländer der Coopac in Gisenyi

Eingangstor zum Firmengeländer der Coopac in Gisenyi

Die Firmenzentrale von Coopac befindet sich in der Stadt Gisenyi, am Ufer des Kivu-Sees, direkt an der Grenze zur D.R. Congo.

Emmanuel Rwakagara Nzungize, Gründer und Chairman von Coopac (Cooperative pour la Promotion des Activities Cafe), kam nach 40 Jahren aus dem Exil in der D.R. Congo zurück in seine Heimat Rwanda und gründete 2001 die Coopac mit rund 100 Mitgliedern. Heute hat die Kooperative weit über 5.000 Mitglieder. Bereits in 2003 wurde die erste eigene Washing-Station (Nass-Aufbereitungsanlage) gebaut. Heute gibt es vier Stationen, die zur Kooperative gehören. Seit 2011 werden die Farmer auch in BIO-Anbaumethoden weitergebildet.

Emmanuel Rwakagara Nzungize (li.), Gründer und Chairman von Coopac

Emmanuel Rwakagara Nzungize (li.), Gründer und Chairman von Coopac

Auf dem Gelände der Zentrale besuchten wir zuerst die Dry Mill. Hier werden die Parchments auf ihre Restfeuchte (12 %) noch einmal stichprobenartig geprüft und dann von ihren Silberhäutchen zu dem grünen Rohkaffee gewandelt, der nach frischem Heu riecht.

Wie aus Parchments  (mit Silberhäutchen) Rohkaffee wird

Wie aus Parchments (mit Silberhäutchen) Rohkaffee wird

Wie aus Parchments grüner Rohkaffee wird, der nach frischem Heu duftet

Wie aus Parchments grüner Rohkaffee wird, der nach frischem Heu duftet

Wir lernten, dass es drei verschiedene Qualitäten gibt. A1-Qualität mit einer Bohnen-Größe von 15 bis 18 mm Durchmesser, A2-Qualität auch mit einer Bohnen-Größe von 15 bis 18 mm und eine A3-Qualität, die für den lokalen Markt und bestimmte Exportländer, wie die Schweiz bestimmt sind.
Der von den Silberhäutchen gereinigte Rohkaffee geht anschließend noch einmal durch eine Qualitätskontrolle nach Kigali, wo Fehlbohnen per Hand aussortiert werden.

Sortieranlage in der Dry Mill in den Bohnen-Größen 15 mm, 16 mm , 17 mm und 18 mm

Sortieranlage in der Dry Mill in den Bohnen-Größen 15 mm, 16 mm , 17 mm und 18 mm

Frisch sortierter Rohkaffee in der Coopac Dry Mill

Frisch sortierter Rohkaffee in der Coopac Dry Mill

Anschließend wurden wir in das Cupping-Labor von Coopac eingeladen. Unglaubliche 16 verschiedene Spezialitätenkaffees aus der Gisinyi-Region und eine Spezialität aus der D.R. Congo wurden für uns aufbereitet. Wir waren überwältigt.

Cupping-Labor von Coopac 17 verschiedene Spezialitätenkaffees sollten verkostet werden

Cupping-Labor von Coopac 17 verschiedene Spezialitätenkaffees sollten verkostet werden

Cupping-Labor von Coopac: 17 verschiedene Spezialitätenkaffees wurden vorbereitet

Cupping-Labor von Coopac: 17 verschiedene Spezialitätenkaffees wurden vorbereitet

Cupping-Labor von Coopac: 17 verschiedene Spezialitätenkaffees wurden verkostet

Cupping-Labor von Coopac: 17 verschiedene Spezialitätenkaffees wurden verkostet

Die Aromen reichten von floral, süßen roten Beeren über gelbe Citrusfrüchte bis hin zu schokoladig-nussigen Noten. Süß und zumeist vollmundig im Geschmack. Rund und clean die A1-Qualitäten. Ein Cup-Profil hatte mir persönlich besonders gut gefallen. Ein fully-washed „Nyabumena“.

Mein Favorit: Ein fully-washed "Nyabumena"

Mein Favorit: Ein fully-washed „Nyabumena“

Schöne rote Fruchtnoten, intensive Süße, vollmundig, balanced, clean mit einem schönen langen Abgang. Der Preis: 3.50 US$/lb. Ich erhalte ein Sample. Neun washed A1-Qualitäten, sieben washed A2-Qualitäten hatten wir verkostet. Fantastisch.

Und die Nr. 17 war die exotische Überraschung für uns alle. Eine natural dryed Spezialität von einer Bioplantage vom Gishamwana Island auf dem Kivusee!
Die Plantage gehört Emmanuel Rwakagara Nzungize selbst. Ein suuuper fruchtiger Kaffee mit einer intensiven Süße, vollmundig im Geschmack. Ich war und bin begeistert!

Mein Held: Eine "natural dryed" Spezialität von einer Bioplantage vom Gishamwana Island auf dem Kiwu-See

Mein Held: Eine „natural dryed“ Spezialität von einer Bioplantage vom Gishamwana Island auf dem Kivu-See

Da er deutlich herausfällt und dazu natural dryed ist, wollten wir natürlich mehr wissen.
Wir erfuhren, dass Spezialitätenkaffees im direkten Kundenauftrag – hier wohl ein belgischer  Auftraggeber – auch natural dryed weiterverarbeitet werden dürfen.
Das war für uns neu und ist auch für das Herkunftsland Ruanda neu, das sonst strikt washed coffees produziert.
Dieser Exot hatte natürlich auch seinen Preis. Im Unterschied zu den durchschnittlich 3 US$/lb sollte dieser UTZ-, Fair-Trade-, organic- und Rainforest-Alliance-zertifizierte Spezialitätenkaffee 5 US$/lb kosten. Es gab auch nur eine begrenzte Menge: 1 Container, also 300 Sack à 60 kg wurden produziert. Ich nahm ein 200 g Sample mit nach Deutschland. Dafür müsste es einen Abnehmer unter den anspruchsvollen Micro-Röstereien in der Heimat geben.

Nicht überrascht fanden wir  auch hier eine ganze Reihe an Cup of Excellence Auszeichnungen.

Eine von vielen Cup of Excellence Auszeichnungen bei Coopac

Eine von vielen Cup of Excellence Auszeichnungen bei Coopac

Vorerst gesättigt mit vielen exzellenten Geschmackseindrücken machten wir uns wieder auf den Weg. Mit einem kurzen Zwischenstopp für ein Mittagessen am Kivu-See.

kleines Mittagessen am Kiwu-See

kleines Mittagessen am Kivu-See

Frischer Fisch aus dem Kiwu-See auf dem Grill

Frischer Fisch aus dem Kivu-See auf dem Grill

Weiter ging die Fahrt entlang des Kiwu-Sees

Weiter ging die Fahrt entlang des Kivu-Sees

Auf der Route des Congo Nile Trails

Auf der Route des Congo Nile Trails

Vorbei an unzähligen, grünen Hügeln. Mit kleinen Washing Stations, Gehöften, Lehmhütten oder bewirtschafteten Feldern

Vorbei an unzähligen, grünen Hügeln. Mit kleinen Washing-Stations, Gehöften, Lehmhütten und bewirtschafteten Feldern

Ziel war die älteste (1959) und einer der größten Washing-Stations Ruandas. NKORA/Caferwa Coop, die zu KZNoir gehört.

NKORA st die älteste Washing Station in Rwanda

NKORA st die älteste Washing-Station in Ruanda

NKORA-Anlegestelle für den Schifftransport der fertigen Exportware nach Gisenyi/Rubavu

NKORA-Anlegestelle für den Schifftransport der fertigen Exportware nach Gisenyi/Rubavu

Auf einer Höhe von 1.850 m ü.d.M. liegt diese Station direkt am Kivusee. Aus 1.500 t Kaffeekirschen werden 300 t Parchments im Jahresdurchschnitt weiter verarbeitet. In der Hochsaison arbeiten hier 350 Kräfte. Speziell für uns konnten wir live die Nassaufberietung einer gerade gelieferten kleinen Lieferung eines Farmers mitverfolgen. Über das Wiegen, das Selektieren, erneut Wiegen, Quittierung (270 F/pro kg), Entpulpung, Selektion nach Qualität, Fermentation, Säuberung und die Trocknung auf Tischen unter der Sonne.

Nach dem Wiegen und der Qualitätskontrolle erfolgt eine Selektion der grünen Bohnen

Nach dem Wiegen und der Qualitätskontrolle erfolgt eine Selektion der grünen Bohnen

Zum Abschluss wurden wir zu einer Kaffeezeremonie eingeladen. Frische Parchments wurden erst gesiebt, mit einem runden schweren Holz gestampft. So wurde der Rohkaffee von den Silberhäutchen getrennt. Anschließend wurden die Bohnen in einem Topf über einem offenen Feuer dunkel, teilweise schwarz, geröstet. Mit einem Stein auf einer rauhen Holz-Unterfläche sehr fein zermahlen. Schlussendlich durch ein einfaches Haushaltssieb aufgebrüht. Fertig. Von uns allen sofort neugierig verkostet.

Kaffeezeremonie auf NKORA, von der Ernte in die Tasse

Kaffeezeremonie auf NKORA, von der Ernte in die Tasse

Kaffeezeremonie auf NKORA, hier wird noch von Hand geröstet

Kaffeezeremonie auf NKORA, hier wird noch von Hand geröstet

Kaffeezeremonie auf NKORA, hier wird noch von Hand geröstet

Kaffeezeremonie auf NKORA, hier wird noch von Hand geröstet

Kaffeezeremonie auf NKORA, das Röstergebnis wird noch abgekühlt

Kaffeezeremonie auf NKORA, das Röstergebnis wird noch abgekühlt

Kaffeezeremonie auf NKORA; gemahlen und aufgegossen

Kaffeezeremonie auf NKORA; gemahlen und aufgegossen

Wunderbar. Verblüffend schmackhaft, nicht verbrannt. Und viel besser als so mancher Industrie-Röstkaffee bei uns zu Hause.

Trockenbetten auf NKORA

Trockenbetten auf NKORA

Die Sonne war bereits untergegangen, als wir uns auf den Weg nach Rusizi machten, das ganz im Süden im Dreiländereck (D.R. Congo, Burundi, Ruanda) liegt. Fortsetzung folgt

Alle Rechte an Fotos und Texten liegen bei ©kaffeewacht : Axel R. Bollmann

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Kigali, 12 Mai 2014. Unsere erste Station auf unserem coffee trek war NAEB.

NAEB National Agricultural Export Development Board

NAEB National Agricultural Export Development Board

Das National Agricultural Export Development Board. Wir besuchten die Divison Coffee. Begrüßt wurden wir von Dr. Gatarayiha Mutimura Celestin. Er ist Head of Coffee Division und gab uns einen Überblick über den Kaffeemarkt in Ruanda.

Auf 43.000 Hektar (430 qkm) werden 20.000 t Rohkaffee produziert. Das entspricht einem Anteil von ca. 0,2 Prozent am Weltmarkt. Ruanda, etwa so groß wie Brandenburg, hat sich bedingt durch seine Größe auf den Spezialitätenkaffee-Markt fokussiert. Es ist aber wohl vor allem dem sogenannten PEARL-Projekt zu verdanken, dass sich eine qualitativ hochwertige und privat organisierte Spezialitätenkaffee-Industrie in Ruanda entwickeln konnte. PEARL ist eine kooperative Zusammenarbeit der  Texas A&M, der U.S. Agency for International Development und Rwanda’s Ministry of Education.

Seit 2000 bildet PEARL junge ruandische Studenten im Bereich Agrarwissenschaften, Cupping und Qualitätsmanagement aus. Die meisten Menschen mit Erfahrung in diesem Bereich waren durch den Genozid 1994 geflohen oder umgekommen. PEARL baute auch neue „Washing-Stations“. Diese gibt es in Ruanda erst seit 2002 und sind ein wesentlicher Bestandteil der eingeschlagenen Qualitäts-Strategie. Im Vergleich zu 1990 verkauft man aktuell deutlich weniger Kaffee, dafür aber einen qualitativ hochwertigen, höherpreisigen Kaffee als vor dem Genozid. PEARL unterstützte auch die Gründung von Kooperativen, die der Schlüssel zur Neuasurichtung waren. Denn Kooperativen geben den Kaffee-Farmern mehr Kontrolle über ihren ökonomischen Erfolg und über die qualitative Weiterentwicklung des Kaffeeanbaus.

Die Preisentwicklung von Kirschen und Parchments für die Farmer zeigt nach oben (Stand: 2011)

Die Preisentwicklung von Kirschen und Parchments für die Farmer zeigt nach oben (Stand: 2011)

Die rund 400.000 Farmer bauen ausschließlich die Arabica Sorte Bourbon Mayaguez, allgemein RED BOURBON genannt (eine Bourbon Unter-Varietät) an. Die Arabica-Varietät Bourbon stammte ursprünglich aus dem Jemen und wurde von den Franzosen auf der Insel Bourbon (heute Réunion) angebaut. Deutsche Missionare haben der Legende nach diese Bourbon-Untersorte 1903 nach Ruanda gebracht.

Neue Varietäten sind in der Erprobung. Nach Angaben von Dr. Celestin handelt es sich um „BM 71“ und „BM 72“. Es sollen Unter-Varietäten der Bourbon sein. Dazu die Population „POP 139“. Ein Hybrid oder eine Varietät aus Portugal (tiefergehende Recherche erforderlich).

Der beste Kaffee soll aus der West-Provinz Ruandas kommen

Der beste Kaffee soll aus der West-Provinz Ruandas kommen

Die besten Anbaugebiete für ruandischen Spezialitätenkaffee sollen in der West-Provinz liegen, 1.600 m bis 2.000 m ü.d.M., entlang des Kivu-Sees. 50 % des gesamten Kaffeeanbaus befinden sich im Westen. Bedingt durch den begrenzten Platz soll der Anbau von neuen Kaffeesträuchern – Aufzucht in Baumschulen – staatlich koordiniert und kontrolliert sein.

Landesweit gibt es nach Angaben von NAEB rund 225 sogenannte „Washing-Stations“ (Nassaufbereitungsanlagen). Hier wird der Kaffee von den Farmen angeliefert, geprüft, entpulpt, gewaschen, fermentiert, wieder gewaschen, auf Fehler untersucht und anschließend auf sogenannten „Betten“ bis zu 4 Wochen sonnengetrocknet.
75 Prozent des Kaffees ist „fully-washed“ und 25 % ist semi-washed. Letzterer ist der sogenannte „ordinary coffee“ der in die Schweiz exportiert und in kleinen Mengen auf dem lokalen Markt verkauft wird.

Zu Besuch bei Dr. Celestin, Head of Coffee Division (2. v.l.)

Zu Besuch bei Dr. Celestin, Head of Coffee Division (2. v.l.)

Die hochwertigen fully-washed Spezialitätenkaffees werden nach Japan, USA, Süd-Korea und in einige Länder Europas (u.a. UK, Skandinavien, Deutschland) exportiert.

Ruanda soll das erste Land in Afrika gewesen sein, das einen nationalen Cup of Excellence Wettbewerb vor fünf Jahren ausrichtete. Und seitdem regelmäßig veranstaltet. Hier werden die besten Spezialitätenkaffees von einer internationalen Jury in mehreren Stufen verkostet, bewertet und dann online weltweit versteigert.
Jede CoE-ausgezeichnete „Washing-Station“ kann nach meinen Recherchen nur einen Lot (25 bags à 60 kg) versteigern lassen. Für dieses Lot erzielt man Erlöse, die um ein vielfaches höher liegen als für die sehr gut bewerteten Spezialitätenkaffees (aktuell 3 bis 4 US$/lb) in Ruanda sonst bezahlt werden. Hauptsächlich dient der Cup of Excellence der Motivation, die eigene Kaffee-Qualität und damit auch die Verkaufspreise zu steigern und seinen Ruf als Kaffeeanbauer noch zu verbessern.

Qualitätskontrolle bei NAEB

Qualitätskontrolle bei NAEB

Mit diesem Hintergrundwissen wurden wir zu einem Cupping eingeladen. Ing. Eric Ruganintwali, Director of Quality Control, Inspection and Standards Compliance unit begleitete uns zur Verkostung von fünf Spezialitätenkaffees ins NAEB Labor.
Eric Ruganintwali informierte uns hier, dass Ruanda in den nächsten zwei bis drei Jahren in Spezialitätenkaffee-Regionen (Appelation-Project) strukturiert werden soll. Nach Klima (Regen, Temperaturen, Luftfeuchtigkeit), Böden und Anbauhöhe soll der Kaffee im Cup-Profil dann klar abgrenzbar sein. Aktuell fehlen wohl noch die finanziellen Mittel sowie ein Experte, der das Projekt federführend planen und umsetzen kann.

NAEB Cupping-Lab zur Qualitätskontrolle

NAEB Cupping-Lab zur Qualitätskontrolle

Zunächst zeigten uns die Laborantinnen das Procedere eines Cuppings, das der Qualitätskontrolle dient. Ein fruchtiger „Rusizi“ mit einer schönen Süße, intensiv und ein sehr interessanter „Nyamasheke“, der schokoladig-nussige Noten hat, an gelbe Früchte (Stachelbeere) erinnert und vollmundig im Geschmack ist, stachen für mich heraus.

NAEB-Lab: Cupping Ergebnisse werden schriftlich festgehalten

NAEB-Lab: Cupping Ergebnisse werden schriftlich festgehalten

Zum Abschluss unseres Besuchs warfen wir einen Blick in das Lagerhaus, wo gerade ein LKW mit frischen „Parchments“ (Rohkaffee mit dem noch schützenden Silberhäutchen) angeliefert wurde. Dann ging es mit unseren Jeeps nach Musasa in die Nord-Provinz.

Kigali - auf dem Weg in Richtung Nord Provinz

Kigali – auf dem Weg in Richtung Nord Provinz

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Musasa/Ruli (North Province), 12. Mai 2014. Bevor es in Richtung Lake Kivu (West Province) ging, besuchten wir die „washing station“ Musasa im Ruli District/North Province.

Kigali lag hinter uns. Und nach einigen Kilometern verließen wir vorerst auch die asphaltierte Straße.

Entlang des Nyabarongo Flusses in Richtung Musasa in der Nord Provinz

Entlang des Nyabarongo Flusses in Richtung Musasa in der Nord Provinz

Entlang des Nyabarongo Flusses fuhren wir auf holprigen Wegen durch kleine Dörfer mit kargen Lehmhäusern, vielen Menschen, die neugierig zurückblickten, vorbei an Bananen-Plantagen, Maniok-Feldern (Maniokmehl zur Brotherstellung), Süßkartoffeln, Mais, Bohnen, Eukalyptus-Bäumen, wilden Kaffeebäumen, saftigen, grünen Landschaften.

Immer wieder winkende Kinder, die »Umuzungu, Umuzungu« riefen

Immer wieder winkende Kinder, die »Umuzungu, Umuzungu« riefen

Und kleine Kinder riefen freudig und winkend „Umuzungu, Umuzungu„, was übersetzt „Weiße“ bedeutet. Nach einer mehrstündigen Fahrt kamen wir auf der ca. 1.800 m ü.d.M. hoch gelegenen Washing-Station Musasa an.

Angekommen. Musasa. Unsere erste Washing Station in Ruanda

Angekommen. Musasa. Unsere erste Washing-Station in Ruanda

Musasa gehört zur Cooperative Dukunde kawa, was übersetzt so viel heißt wie „Let’s love coffee“. Über 2.100 Mitglieder gehören der Kooperative Dukunde kawa an und bringen ihre Kaffee-Ernte hierher, um sie weiter zu verarbeiten.

General Manager Isaac (li.) im Gespräch mit Jaques (re.), der uns jede Frage übersetzt

General Manager Isaac (li.) im Gespräch mit Jacques (re.), der uns jede Frage übersetzt

Isaac, der General Manager, zeigte uns, wo der Kaffee der Farmer angeliefert und sortiert wird (u.a. keine grüne Kirschen, keine überreifen Kirschen) bevor er gewogen und eingestuft wird.

Nur die roten Kirschen kommen in die Aufbereitung

Nur die roten Kirschen kommen in die Aufbereitung

Jedes gelieferte Kaffeelot bekommt einen Code bevor er in die Nassaufbereitung geht. Die Kaffeekirschen, die an jedem Tag geliefert werden, bekommen eine Markierung, zum Beispiel: 12. Mai  =1205. Diese Markierung begleitet den Kaffee durch den kompletten Prozess, so dass der Kaffee, bei Bedarf, bis zum Farmer zurückverfolgt werden kann.

Der Code-Zettel, der den gesamten Prozess begleitet

Der Code-Zettel, der den gesamten Prozess begleitet

Auf der Musasa Washing-Station sind knapp 230 Mitarbeiter in der Hochsaison beschäftigt, davon 94 % Frauen. Jeder Trocknungstisch hat zum Beispiel eine einzelne Person in der Verantwortung, die den Kaffee wendet, wenn es erforderlich ist. Und dafür sorgt, dass der Tisch frei ist für den nächsten Lot. Der Kaffee bleibt bis zu 21 Tage auf den Trocknungstischen, je nach Wetterlage.

Für jedes Lot ist eine Person verantwortlich, die Parchments regelmäßig zu wenden.

Für jedes Lot ist eine Person verantwortlich, die Parchments regelmäßig zu wenden.

Nach der Trocknung werden die Parchments in Säcke verpackt und im Lagerhaus zwischengelagert bis sie nach Kigali in die Dry Mill transportiert werden. Immer mit dem Code am Einlieferungstag versehen. Aktuell wird auf dem Areal eine Dry Mill gebaut, um den kompletten Wertschöpfung-Prozess zu kontrollieren. Noch in dieser Saison soll sie in Betrieb gehen.

Musasa. Eindrucksvolle Washing Station mit hervorragenden Kaffees

Musasa. Eindrucksvolle Washing-Station mit hervorragenden Kaffees

Der Farmer erhält eine Quittung für den Kaffee, den er bei der Buchhaltung-/ Rechnungsstelle der Washing-Station einreicht. Sie umfasst den Namen des Farmers, alle relevanten Daten wie Bankkonto-Details, Sektor, Distrikt, Washing Station, Summe die bezahlt wird, Preis pro Kilogramm (hier aktuell 250 F/1 kg Kirschen), und sie wird dann vom Farmer gegengezeichnet.

Die Kooperative bietet seinen Mitgliedern auch einen Sparplansystem an, ihr Geld erst dann einzuziehen, wenn sie es benötigen. Oder sie können einen Vorschuss auf ihre zu erwartende Ernte bekommen.

Der aktuelle Verkaufpreis für den Export (fob – free on board) liegt bei 3 USD/lb (amerikanisches Pfund = 465 g)

Isaac präsentiert uns die Cup of Excellence Auszeichnungen der letzten Jahre

Isaac präsentiert uns die Cup of Excellence Auszeichnungen der letzten Jahre

Dass die Kooperative Dukunde kawa exzellente Kaffees hat, stellt sie mit der erfolgreichen Teilnahme an den jährlich stattfindenden nationalen Cup of Excellence Wettbewerben immer wieder auf Neue unter Beweis. Im Besprechungsraum präsentierte uns ISAAC die CoE-Auszeichnungen.

Auf insgesamt 336 Hektar Land befinden sich 840.000 Kaffeebäume. Jeder Farmer besitzt hier durchschnittlich 200 bis zu 600 Kaffeebäume. Jährlich werden 1.400 t Kirschen geernetet. Davon werden durchschnittlich 2.400 Sack à 60 kg Rohkaffee verarbeitet. Und in die USA, nach Japan, Süd-Korea oder auch nach Europa exportiert.

Auf der Trainingsfarm von Musasa

Auf der Trainingsfarm von Musasa

In der Nähe der Washing-Station wurde eine kleine Trainingsfarm angelegt. Es ermöglicht den Farmern sich dort zu treffen und Erfahrungen über den Kaffeeanbau auszutauschen und zu lernen wie und warum man seine eigene Kenntnisse verbessern kann.

Neben Musasa/Ruli gibt es zwei weitere Washing-Stations, MBilima und NKARA, die zu der Kooperative Dukunde kawa gehören.

Insgesamt hat uns das Musasa-Engagement sehr beeindruckt, wie sie den Farmern helfen, ihre Ergebnisse zu verbessern sowie besten Kaffee zu produzieren.
Sie versteht, wie wichtig die Aus- und Weiterbildung in einer genossenschaftlichen  Gemeinschaft ist, vor allem da die Farmer oft keinen einfachen Zugang zu solchen Themen haben.

Beeindruckt machen wir uns auf dem Weg nach Rubavu an an Kiwu-See

Beeindruckt machen wir uns auf dem Weg nach Rubavu an an Kiwu-See

Weiter ging die Fahrt in Richtung Nord-Westen, zum Lake Kivu. Übernachtung im sehr ansprechenden Gorilla Hotel in Rubavu mit einem kleinen paradiesisch anmutendem Garten direkt am Kivu-See.

Übernachtung im Hotel Gorilla in Rubavu

Übernachtung im Hotel Gorilla in Rubavu


Fortsetzung folgt…

 

Alle Rechte an Fotos und Texten liegen bei ©kaffeewacht : Axel R. Bollmann.

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Am 6. Dezember 2012 erhielt ich eine E-Mail von J. Richards (Membership Coordinator) von der SCAE »Speciality Coffee Association Europe« von der Oak Lodge Farm aus Bicknacre Essex in UK. Es war eine Aufforderung zur Teilnahme an einer einmaligen Kaffee-Exkursion nach Guatemala. Organisiert von ANACAFÉ, der »Guatemalan National Coffee Association« mit Sitz in Guatemala City.
Das Programm sollte den Besuch von großen und kleinen Kaffeefarmen, eine Unterrichtung in die Aromenvielfalt und Profile der acht verschiedenen Spezialitätenkaffee-Regionen des Landes sowie in die Weiterverarbeitungsprozesse – Nass- und Trockenaufbereitung – nach der Kaffeeernte umfassen. Ergänzt um ein kleines Kulturprogramm nach Antigua (ehemalige Hauptstadt) und Takalik Abaj (große Maya-Ausgrabungsstätte des Landes).

Guatemala

Guatemala – südlich von Mexiko (Halbinsel Yucatán). Nördlich von Honduras und El Salvador. Westlich von Belize.

Noch nie war ich in einem Ursprungsland für Kaffee gewesen. Wo genau liegt noch mal Guatemala? Schnell gegoogelt. Na klar in Zentralamerika. Südlich von Mexiko (Halbinsel Yucatán). Nördlich von Honduras und El Salvador. Westlich von Belize. Das sind die unmittelbaren Nachbarländer. Im Einflußgebiet von Pazifik, Atlantik und des Golf von Honduras. Bestes Klima für Kaffee. Jetzt hatte ich endgültig Feuer gefangen. Angemeldet. Und einen Flug gebucht.

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Am Sonntag, 3. März 2013 flog ich mit American Airlines über London, Dallas nach Guatemala City. Mit Wartezeiten an den Flughäfen brauchte ich knapp 24 Stunden. Egal. Freundlich begrüßt von Anacafé Mitarbeitern am Flughafen wurde ich ins Hotel gefahren. Eingecheckt im Clarion Suite Hotel fiel ich in einen kurzen aber tiefen Schlaf.

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Montag, 4. März 2013: 08:00 Uhr Frühstück in einer exotischen open-air area des Hotels. Begrüßung durch Colin Smith aus UK, der SCAE-Reisekoordinator der Gruppe. Colin war lange Jahre Präsident der SCAE und hatte schon viele Reisen dieser Art durchgeführt. Aber noch nie nach Guatemala.

SCAE-Besuch bei ANACAFÉ im Headquarter in Guatemala-City (©Foto: Colin Smith)

SCAE-Besuch bei ANACAFÉ im Headquarter in Guatemala-City (©Foto: Colin Smith)

Insgesamt gab es 15 Teilnehmer aus England (5), Ungarn (4), Ukraine (1), Honduras (1), Schweden (2), Irland (1) und ich aus Deutschland. Um 09:20 Uhr fuhr der Anacafé-Bus vor. Enrique (Reiseführer) und Alberto (Fahrer), beide von Anacafé, begleiteten uns auf unserer kompletten Expedition. Jetzt konnte das Abenteuer beginnen. Unsere erste Tour führte ins Headquarter von Anacafé in Guatemala-City.
Direktor Ing. Juan Barrios von Anacafé ist wie die meisten der 90.000 Mitglieder, Inhaber einer Kaffeefarm (Finca La Merced, Nähe San Martin, nordwestlich von Guatemala City). Er präsentierte uns das Kaffeeland Guatemala mit Hilfe einer sehr anschaulichen Präsentation.

Bild

Guatemalan Coffee in the World

Kaffee in Guatemala
Auf 270.000 Hektar (2.700 qkm) wird in Guatemala zu 98 % Arabica-Kaffee angebaut. Diese Fläche entspricht 2,5 Prozent des Landes. Der beste und meiste Kaffee wird in einer Höhe von ca. 1.300 bis 2.000 m (ü.d.M) kultiviert. Der Einfluß von Atlantik, Pazifik und dem Golfstrom, unterschiedliche Böden (»Vulkanerde«, Lehm und Ton, Kalkstein) sehr unterschiedliche, aber regelmäßige Niederschlagsmengen (800 bis 5.000 mm) und ein mildes Klima ergeben über 300 verschiedene Mikroklimazonen, die zu sehr unterschiedlichen Kaffeeprofilen führen. Nahezu alle Kaffeeplantagen (98 %) schützen ihren Kaffeeanbau durch Schattenbäume. Typische Arten sind Inga (ca. 50 %), Gravilea, Palo Blanco, Madrecacao u.v.m. Darüber hinaus werden die meisten Kaffees (98 %) nass aufbereitet und anschließend auf Patios sonnengetrocknet. Diese Voraussetzungen machen das Land so besonders für hervorragenden Spezialitätenkaffee. Es gibt 5 Qualitäten: 1. Prime, 2. Extra Prime, 3. Semi Hard, 4. Hard, 5. Strictly Hard Bean (SHB = beste Qualität). Rund 70 Prozent der ca. 3.72 Millionen Sack à 60 kg Rohkaffee (Green coffee) wurden im letzten Jahr (2011/12) in SHB-Qualität exportiert. Je höher der Anbau, desto länger das Wachstum, desto härter die Bohne, desto besser die Qualität.
Zu Beginn der 90er Jahre hatte Anacafé das Land präzise nach Cup Profil (Klimabedingungen, Spezies und Varietäten, Weiterverabeitung), Klima (Regen, Temperaturen, Luftfeuchtigkeit), Böden und Anbau-höhe in 7 später 8 Spezialitätenkaffee-Regionen abgegrenzt, die konsequent SHB-Qualität produzieren und höchste Standards für Rohkaffee erfüllen.
Die 8 Regionen sind: Acatenango, Antigua, Atitlán, Cobán, Frajanes, Huehue, New Oriente, San Marcos.
Hauptexportland sind die USA (45 bis 50 %). In Europa (27 %) ist Deutschland der größte Abnehmer (8 %). Japanische Kunden (13 %) beziehen die besten Qualitäten meist direkt von ausgewählten Plantagen. Dazu veranstalten japanische Kaffee-Experten wie »Tully´s Coffee« zum Beispiel einen »Coffee Cup Contest«, wie auch dieses Jahr, zu dem aus den Spezialitätenkaffee-Regionen von Guatemala verschiedene Rohkaffees zum Rösten und Verkosten eingekauft werden, um die besten Kaffees zu selektieren.

Exkurs: »Roya« – die Kaffeeblatt-Rostpilz-Krankheit
Besondere Aufmerksamkeit hat seit 2010/11 der starke Ausbruch des Kaffeeblatt-Rostpilz, genannt »Roya«. Erste Anzeichen des Kaffeerosts sind kleine gelbe Flecken auf der Unterseite der dunkelgrünen Blätter der Büsche. Die werden immer grösser, das Blatt färbt sich und wird schließlich von einem weissen Pulver überzogen. Dann fallen die Blätter ab, und die Kaffeefrucht ist schutzlos der Sonne ausgeliefert. Die Konsequenz: Die wenigen Kaffeebohnen, die noch übrig bleiben, sind von minderer Qualität. Aktuell sind 193.200 Hektar der 270.000 Hektar befallen (ca. 70 %). Der prognostizierte Absatz für 2012/2013 liegt bei 3.1 bis 3.5 Mio. Säcke à 60 kg und für 2013/2014 bei 2.2 bis 2.9 Mio. Säcke à 60 kg. Im schlechtesten Fall würde das einen Absatzrückgang um ca. 40 % zu 2011/2012 bedeuten.

Bild

Guatemalan Coffees – total exports and FX earnings

Die sozio-ökonomischen Auswirkungen sind katastrophal: ein möglicher Verlust von ca. 185.000 (ca. -37 %) Arbeitsplätzen sowie eine mehr als Halbierung der Einnahmen um ca. 580 Mio. US Dollar werden prognostiziert.
Das Zusammenspiel von Regen, Sonnenschein und Temperaturen waren in 2010/2011 ideal für eine rapide Ausbreitung des Kaffeeblatt-Rostpilz. Nicht zu kalt. Nicht zu heiß. Wie ein »Waldbrand« konnte sich der Pilz verbreiten. Die Pflanzen sind größtenteils so stark angegriffen, dass sie entweder bis auf 20 cm über den Stumpf abgeholzt oder komplett ersetzt werden müssen. Fungizide helfen nur im frühen Stadium des Pilzbefalls. Betroffen sind die am meisten verbreiteten Varietäten Caturra und Bourbon.
Eine Revitalisierung braucht je nach Anbauhöhe ein bis 2 Jahre Zeit. Aktuell werden neue Hybride entwickelt, die gegen den Pilz resistent sind. Resistente Kaffeepflanzen sind u.a. Robusta und Catimor. Aber keine Qualitätsalternative zu den beiden o.a.
Die Maßnahmen (finanzielle Unterstützung) seitens der Regierung scheinen nach Einschätzung von ANACAFÉ noch deutlich Potenzial nach oben zu haben. Nach Meinung einiger Kaffee-Experten großer und erfolgreicher Plantagen, die namentlich nicht genannt werden, wird das Problem seitens der Regierung aber eher ausgeblendet oder will nicht gesehen werden … »Kaffeerost haben wir schon immer gehabt«. Anhand der Zahlen ist das eine fatale Fehleinschätzung. Kaffee ist nach Textilien wohl das zweitwichtigste Exportgut für Guatemala.

ANALABOR

Im Analabor

Im »Analabor« hatten wir anschließend ausführlich Gelegenheit mit den Analysten über die Kaffee-krankheit zu sprechen. Eine Art Krebsgeschwür, das sehr schwer in den Griff zu bekommen ist.

In den folgenden Tagen bekamen wir noch Gelegenheit auf den einzelnen Farmen mit den Eignern über die Seuche und deren Einschätzung zu sprechen.

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Amazing Cupping:
Verkostung von Kaffees aus 8 unterschiedlichen Mikroklimata-Zonen

Im Anacafé »Untersuchungslabor für Sensorik« wurden wir eingeladen Repräsentanten aus den 8 Spezialitätenkaffee-Regionen des Landes zu verkosten.

ANACAFÉ - Untersuchungslabor für Sensorik

ANACAFÉ – Untersuchungslabor für Sensorik

Fünf Kaffee-Cups pro Region wurden aufgebrüht. Nach vier Minuten wurde die Kruste aufgebrochen und intensiv geschnuppert. Erst nach 12 bis 15 Minuten ist das Getränk, nach Auffassung der Anacafé Senorik-Experten, so heruntergekühlt, dass es die optimale Trinktemperatur zur Analyse hat. Innerhalb von maximal 30 Minuten sollte dann das Tasting abgeschlossen sein.

Anacafé Sensorik Team

Anacafé Sensorik Team

Die Süsse/Sweetness schmeckt man vorne an der Zunge. Die Säure/Acidity an den Zungenseitenrändern. Die Intensität des Körpers/Body beim Abgang am Hals und die Aromen/Flavours am Gaumen über die Nase.

Und tatsächlich alle Kaffees schmeckten sehr unterschiedlich. Herausragend waren für mich persönlich die Kaffeemuster aus Acatenango (ausgeprägte Säure, komplexe Aromen, ausgewogen und rund mit einem klaren, nachhaltigen Abgang) und aus San Marco (zarte blumige Noten im Aroma und im Geschmack, deutlich hervortretende Säure und vollmundig). Ein phantastisches Kaffeegenusserlebnis.

Allein dieser Tag war schon die Reise wert. Erschöpft und voller sinnlicher Eindrücke ging es zurück ins Hotel zum Abendessen.

Fortsetzung folgt… Reise zum Lake Atitlán, Besuch der Cooperative LA VOZ, Finca Los Andes

Alle Rechte an Fotos und Texten liegen bei ©kaffeewacht : Axel R. Bollmann.

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Lavazza-Barista zaubert auf der barzone in Berlin

Lavazza-Barista zaubert auf der barzone in Berlin

Zum dritten Mal veranstaltete das Szene-Gastronomie-Magazin FIZZZ, dahinter steht der Meininger Fachverlag für Wein- und Getränkehandel, die „barzone“ in Berlin. Die barzone, positioniert als „Leitmesse der Szene-Gastronomie“, öffnete wieder für zwei Tage (4. und 5. Mai) ihre Tore in der arena in Berlin Treptow. Im Kern zeigten Zulieferer von Bars und Restaurants ihre neuesten Produkte und Dienstleistungen. Im Kaffeebereich waren Lavazza, Chicco di Caffè und IFBI vertreten.

Exotische Zigarrenverkäuferin vor der »Education Area«

Exotische Zigarrenverkäuferin vor der »Education Area«

Mit einem sehr überzeugenden Begleitkonzept wurden dem Besucher dieser Fachmesse viele praxisorientierte und inspirierende Angebote rund um das eigene Metier geboten. Internationale Barkeeper und Bar-Stars präsentierten aktuelle Trends auf einer großen Show-Bühne und am Tresen. Gastronomieexperten vermittelten relevantes Wissen rund um die Themen Unternehmensführung und Marketing. In der neu geschaffenen „Design Area“ gab es in diesem Jahr erstmals kreative Gestaltungsanregungen in Sachen Gastro-Design. Und in der „Tasting Area“ konnten Neuigkeiten aus der Welt der Getränke konzeptionell verkostet werden.

Plantagenkaffees in der Tasting Area:

Heiko Rehorik moderiert mit Vergnügen das Cupping der Plantagenkaffees

Heiko Rehorik moderierte mit Vergnügen das Cupping der Plantagenkaffees

Am Dienstag, 5. Mai, 13:30 Uhr standen „PLANTAGENKAFFEES“ mit Heiko Rehorik (Berlin School of Coffee)“ in der Tasting Area auf der Agenda.
Unter dem Motto „breaking the crust“ setzte Heiko Rehorik (auch Generalsekretär der Deutschen Röstergilde) ausgewählte Plantagen- bzw. Spezialitätenkaffees gekonnt in Szene.

In der Tasting Area wird Plantagenkaffee verkostet

In der Tasting Area wurde Plantagenkaffee verkostet

Vier unterschiedliche Spezialitätenkaffees (Brasilien, Ecuador, Äthiopien und Indien) wurden von ihm zunächst einzeln beschrieben und dann gemeinsam nach „Brechen der Kruste“ verkostet.
Vorab gab Rehorik ein kleines Intro über die Kaffeebohne (Aufbau der Kaffeebohne) im allgemeinen und über Spezialitätenkaffees (Kriterien zu Herkunft, Aufbereitung, Röstung, Geschmack) im besonderen.

Der Andrang auf das Thema ist groß. Der Saal voll, die Laune prima.

Der Andrang auf das Thema war groß. Viele Gäste nahmen an einer Kaffeeverkostung das erste Mal teil.

Bewertungsbogen für das Cupping:
Für das anschließende „Cupping“ (Verkosten) lag ein Bewertungsbogen bereit. Jede der vier Kaffeesorten sollte nach den Kriterien „Geruch, Säure, Aroma, Körper, Harmonie“ bewertet werden. 6 Punkte (1 = nicht akzeptabel und 6 = außergewöhnlich) waren für jedes Kriterium zu vergeben.

Da die Nase um die 4.000 Gerüche aufnimmt, unser Wissen in diesem Bereich aber erfahrungsgemäß begrenzt ist, waren die aufgeführten Bewertungsbeispiele und ein „Taste- und Aromafächer“ mit beispielhaften Assoziationen sehr hilfreich, um die eigenen Wahrnehmungen in Worte zu fassen.

Cupping und Bewertung von vier Kaffeesorten:
1. Brasilien. Fazenda Rahinha.

Die erste Kruste ist gebrochen. Es duftet köstlich.

Die erste Kruste war gebrochen. Es duftete köstlich.

Los ging es mit dem brasilianischen Plantagenkaffee der Facenda Rainha aus Sao Sebastiao da Grama (State of Sao Paulo). Bei der Arabica-Kaffeesorte handelte es sich um eine „halbgewaschene“, von Hand gepflückte, in 1.500 m Höhe wachsende Yellow Bourbon Varietät (gelb-farbene Kirsche).
Dann wurde die zubereitete Tasse des „Brasilianers“ gereicht. Zuerst rochen wir am Kaffee. Einen leichten Schokoladenduft nahm ich wahr. Mit einem großen Löffel brachen wir die Kaffeekruste und rochen an der Rückseite des Löffels. Dort sollte der Geruch am intensivsten sein. Und wirklich die Schokoladen-Töne wurden stärker. Erdige Töne kamen dazu. Dann schlürften wir vom Löffel und liessen das Getränk im Mund zirkulieren. Wenig Säure. Mild und süß mit einem mittleren Körper im Geschmack. Typisch für brasilianischen Kaffee. Ein angenehmes Grundgefühl im Mundraum. Der Gesamteindruck: harmonisch, aber da geht noch was. Meine Bewertungsnote lag bei 3 bis 4. Fast gut 😉

2. Ecuador. Fundochamba.

Ecuador Fundochamba. Eine Rarität. Eine Besonderheit. Mein Favorit.

Ecuador Fundochamba. Eine Rarität. Eine Besonderheit. Mein Favorit.

Fundochamba Loja liegt im zentralen Teil des Bezirks Quilanga im Südosten des Landes. Der Kaffee wächst in 1.900 m Höhe über dem Meeresspiegel. In einem Nassernteprozess werden die Kaffeebohnen entpulpt und anschließend sonnengetrocknet. Das Ergebnis: exzellente Qualitätskaffeebohnen. Nach dieser Einführung ging es ans Probieren. Die dampfende Tasse gab einen ganz anderen Duft wider, als der Vorgänger. Es roch nach Gewürzen, leicht blumig. Nachdem ich den Löffel durch die Kruste gebrochen hatte und ihn langsam durch das Getränk drehte, schnupperte ich wieder an der Rückseite des Löffels. Fruchtig-würzige Noten stiegen verstärkt auf. Schlürfen. Ich nahm einen leicht rauchigen, schokoladigen Geschmack mit einer leichten Kirschnote auf. Mittlere Säure, mittlerer Körper würde ich sagen. Ein tolles Genusserlebnis. Meine Gesamtbewertungsnote: 5 (sehr gut)!

3. Äthiopien. Yirgacheffe.

Äthiopien. Yirgacheffe. Die beste Qualität aus dem Ursprungsland des Arabica-Kaffees

Äthiopien. Yirgacheffe. Die beste Qualität aus dem Ursprungsland des Arabica-Kaffees

Von Südamerika ging es rüber nach Afrika. In das Ursprungsland des Arabica-Kaffees. Äthiopien. Vorgestellt wurde ein Yirgacheffe, der als beste Qualität Äthiopiens gilt. Bei diesem exzellenten Kaffee handelt es sich um einen gewaschenen Kaffee aus dem äthiopischen Hochland. Anbauhöhe: 2.000 m über dem Meeresspiegel. Boden: Karstgebirge. Varietät: Arabica Hybride. Qualität: Grad 1, Röstgrad: mittel.
Beim Cupping zeichnet er sich durch herbe Fruchtaromen (Bergamotte, wie Earl Grey Tee), einen vollen Körper und einen kräftigen Mokkageschmack aus. Wer es elegant-kräftig mag: ein perfekter Kaffeegenuss. Meine Bewertung: sehr gut (5).

4. Indien. Malabar Monsooned.

Ein sehr spezieller Spezialitätenkaffee: der India Monsooned Malabar

Ein "spezieller" Spezialitätenkaffee: der India Monsooned Malabar

Schlussendlich befanden wir uns in Asien. Genauer gesagt in Indien. Die Malabarküste befindet sich im Südosten des Landes. Was bedeutet Monsooned? Antwort: Früher dauerte der Transport per Segelschiff nach Europa mehrere Monate, wobei sich der Geschmack des Kaffees durch die Monsoonwinde und den Monsoonregen stark veränderte. Dies wird heute durch eine spezielle Aufbereitung erreicht, das sogenannte „Monsooning“. Angebaut wird die Arabica-Varietät, AA-Qualität auf mineralischem Lehmboden. Hell geröstet.
Nach dem Servieren der frisch aufgebrühten Tasse kommen mir leicht exotische Gewürztöne, aber auch eine leicht muffige Note entgegen. Typisch für diese Spezialität, sagt Rehorik. Im Geschmack erlebe ich einen weichen, sehr säurearmen, leicht erdigen Geschmack. Nichts für mich. Dieser Kaffee soll auch gut für Kaffeemischungen sein, erwähnt der Präsentator. Dem würde ich sofort zustimmen, denn im Sologeschmack ist er doch sehr speziell. Meine persönliche Bewertungsnote: nicht mein Geschmack.

»Ich habe fertig«. Eine kleine Cuppingreise durch drei Kontinente.

»Ich habe fertig«. Eine kleine feine Cuppingreise mit Plantagenkaffees durch drei Kontinente.

Mein Fazit: Es lohnt sich, in kleinen feinen handwerklich ausgerichteten Kaffeeröstereien vor Ort, auf die Suche nach guten Spezialitätenkaffees zu gehen. Sich beraten zu lassen. Mutig zu sein und auszuprobieren. Die Vielfalt und die Unterschiedlichkeit der verschiedenen Terroirs kennenzulernen. Man glaubt gar nicht, wie unterschiedlich Kaffee schmecken kann. Natürlich pur. Das Cupping mit Heiko Rehorik auf der barzone war auf jeden Fall einen Besuch wert! Gute Präsentation.
Und die Messe selbst mit ihrem exzellenten Begleitprogramm gab sicherlich vielen Fachbesuchern neue interessante Anregungen und Motivation für die praktische Arbeit. Hier kommt man gerne wieder.

© 2010 by Axel R. Bollmann

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