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Hamburg, im Juni 2017 – Wussten Sie, dass 67,5 % der deutschen Kaffeetrinker regelmäßig Filterkaffee trinken?
• 34,5 Prozent trinken Kaffee am liebsten mit dem Partner, 28,3 Prozent sind dabei lieber allein.
• 50,2 Prozent der Befragten haben eine Lieblingskaffeemarke.
• Wärme, Liebe, Freude, Energie, Geborgenheit, Ruhe und Heimat – diese Begriffe assoziieren Europäer mit Kaffee.

Diese und weitere Fakten rund um das Lieblingsgetränk der Deutschen präsentiert der neue Tchibo Kaffeereport.

 

Die Deutschen lieben Kaffee!
Dafür reicht schon ein entscheidendes Detail: der Duft dieses Heißgetränkes beim Aufwachen. Er macht glücklicher als die ans Bett gebrachte Tasse. Dies antworteten über 40 Prozent über die Ländergrenzen hinweg auf die Frage: „Wie kann man Ihnen mit Kaffee eine Freude bereiten?“. Bei den Deutschen lag die Quote sogar bei 48,9 Prozent. Damit rangiert der Kaffeeduft sogar vor der ans Bett gebrachten Tasse Kaffee: Die steht in Deutschland an Nummer zwei der Freuden, während etwa in Tschechien der Kaffee aus der Lieblingstasse bevorzugt wird.

 

Kaffee = Wärme, Liebe und Freude
Warum trinken wir eigentlich so gerne Kaffee? Welche Gefühle verbinden wir mit seinem Genuss? Alltag und Hektik oder Entspannung und Genuss? Bei der Frage, was die Europäer mit Kaffee assoziieren, herrscht Einigkeit: Wärme, Liebe, Freude, Energie, Geborgenheit, Ruhe und Heimat werden am ehesten mit Kaffee in Verbindung gebracht. Über Ländergrenzen hinweg gilt auch: Am liebsten bereiten Kaffeetrinker ihr Lieblingsgetränk selbst zu. Sie genießen es bevorzugt mit ihrem Partner und haben eine Lieblingskaffeemarke (jeweils über die Hälfte der Befragten).

 

Europas Kaffee-Vorlieben: Filter- oder Instantkaffee?
Die Liebe der Deutschen zum Filterkaffee (65,7 Prozent) teilen andere Europäer nicht. Das Herz der Tschechen schlägt für Instantkaffee (61,3 Prozent). In Österreich wiederum können nur 10,5 Prozent dem löslichen Kaffee etwas abgewinnen. Österreicher (52,5 Prozent) und Schweizer (51,5 Prozent) trinken Kaffee vor allem, weil er ihnen schmeckt. Anders die Polen: Sie sehen in ihm in erster Linie eine Energiequelle (50 Prozent).


Von Lieblingsorten bis Lieblingssituationen

Weitere erstaunliche Fakten rund um das Lieblingsgetränk der Deutschen enthält der sechste Tchibo Kaffeereport „Kaffee in Zahlen“.

Der Report wirft zugleich einen Blick über den Tassenrand: Befragt wurden im Oktober und November 2016 insgesamt rund 3.000 Menschen aus Deutschland, Österreich, Polen, Tschechien und der Schweiz. Was sie bei der Leidenschaft zum schwarzen Gold eint – und wo die Unterschiede liegen – verrät der rund hundertseitige Tchibo Kaffeereport.

Neben den Befragungen wurden erneut Fakten und geballtes Wissen rund um Kaffee in Zusammenarbeit mit brand eins Wissen und statista.com zusammengetragen.

Text- und Bildquelle: Tchibo (www.tchibo.com)

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Donnerstag, 07. März 2013: Besuch der Finca Rosario Quezada, Reserva Natural Privada, San Sebastian, Department Quetzaltenango

Hintergrund: Teilnahme an einer einmaligen SCAE-Kaffee-Exkursion nach Guatemala. Organisiert von ANACAFÉ, der »Guatemalan National Coffee Association« mit Sitz in Guatemala City. Das Programm sollte den Besuch von großen und kleinen Kaffeefarmen, eine Unterrichtung in die Aromenvielfalt und Profile der acht verschiedenen Spezialitätenkaffee-Regionen des Landes sowie in die Weiterverarbeitungsprozesse – Nass- und Trockenaufbereitung – nach der Kaffeeernte umfassen.

Schlecht geschlafen. Bei vier schmarchenden Kollegen nicht verwunderlich 😉 Um 05:00 Uhr aufgestanden. Bevor die Reise zur nächsten Finca weiter ging, wollten wir den Sonnenaufgang mit Blick auf den aktiven Volcano Fuego erleben. Um 05:30 Uhr fuhren wir vor dem Morgengrauen mit zwei Off-Road-Fahrzeugen, auf der Pritsche stehend, die steilen Berghänge des Atitlán Volcano hoch.

Morgenrot auf Los Andes - Blick auf den Volcano Fuego

Morgenrot auf Los Andes – Blick auf den Volcano Fuego

Nach einer halben Stunde Fahrt hatten wir eine Anhöhe erreicht, die uns eine unglaubliche Sicht auf die gegenüber liegenden Vulkane (Acatenango Volcano und den aktiven Fuego Volcano) erlaubte. Mit gezückten Kameras erwarteten wir ein einmaliges Naturschauspiel. Für uns Europäer. Ein erster roter Lichtstreifen hinter den Vulkanen erklomm den Horizont. Vor uns die tief grünen Kaffeeplantagen und frisch riechenden Wälder. Nur das Zirpen der Grillen war zu hören. Uns lief ein Schauer über den Rücken.

Sonnenaufgang auf Los Andes – Blick auf den Volcano Fuego

Das Rot vertiefte sich und wurde von hellen Orangetönen verfolgt. Ein einzigartiges Licht. Eine traumhafte Kulisse. Mit dem immer stärker aufkommenden Sonnenlicht sahen wir den aufsteigenden Rauch aus dem aktiven Fuego Volcano. Eine kleine Wolke gesellte sich dazu und verlängerte so die Rauchfahne und präsentierte ein Bild für uns, das wir wie angewurzelt stehen blieben. Mit geöffneten Augen und Mündern.

Wir waren sprachlos. Nach einer halben Stunde blitzte Aurora hinter dem Vulkan hervor und stellte schließlich ihre ganze Größe und Schönheit zur Schau. Ein unvergeßliches Erlebnis, im digitalen Bild festgehalten, das ich wohl nie vergessen werde.

Farm-Managerin und Tochter von Herrn Raida, Eigentümer der Finca Rosario Quezada

Farm-Managerin und Tochter von Herrn Raida, Eigentümer der Finca Rosario Quezada

Nach dem Frühstück fuhren wir dann nach Retalhuleu, in Richtung mexikanische Grenze. Es wurde immer wärmer. Die Temperaturen erreichten jetzt schon die Marke von 30 °C. Mittags trafen wir auf der Rosario Quezada Farm ein.
Begrüßt von der Familie Raida (Vater & Töchter) entdeckte ich meinen ersten Mosquito-Stich. Ich wurde kreideweiss. Alan Andrews, mein irischer Kollege, gab mir sofort eine Tablette und fragte, ob mir schon anders würde. Ich verneinte. Die Raidas lachten und beruhigten uns sofort.
»Die Mosquitos sind hier harmlos, da sie nicht aus schlechtem Wasser kommen.« Ich war erleichtert. Es gesellte sich noch so mancher Mosquitostich auf der Reise dazu, der etwas juckte. Aber nicht mehr tat, als unsere gemeinen Mückenstiche.

Besuch der Kaffeeplantage von Rosario Quesada

Besuch der Kaffeeplantage von Rosario Quesada

Auf der 109 Hektar großen Farm, die zu den ältesten in Guatemala gehört, werden zu je ein Drittel Kaffee und Latex angebaut und zu ein Drittel Rinderzucht betrieben. Die Farm hat eine Nass- und Trockenaufbereitung, um die eigene Kaffeequalität zu sichern. Es werden Columbia, eine Abart der Catimor Varietät (26 Hektar) sowie Caturra und Catimor (26 Hektar) und Catuai und Bourbon (21 Hektar) angebaut. Alle in Prime und Extra Prime Qualität.

Nach der Führung durch die Plantage erlebten wir ein kleines feines Kulturprogramm mit dem Besuch der Takalik Ab´aj Ausgrabungsstätte. Die einzige Stelle an der Relikte der beiden Olmeken und Maya-Kulturen zu sehen sind. Finanziert und unterstützt duch Dulce Raida, dem Eigner der Rosario Quezada Farm.

Beim abendlichen Cupping probierten wir zwei Kaffees aus der eigenen Ernte. Der Kaffee hatte keine Süße, keine Säure, war ausgeprägt nussig im Aroma, vollmundig im Abgang. Eine gute Beimischung für Espressomischungen, die Süße haben und ausbalanciert werden müssen, wie ich fand.

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Freitag, 08. März 2013: Besuch Dry Mill & Exporteur Fedecocagua, Pacaya

07:00 Uhr war Abfahrt. Es ging wieder in Richtung Westen. Bis Pacaya, das südlich von Guatemala-City liegt. Hier bei der Genossenschaft »Fedecocagua« konnten wir zum ersten Mal mit erleben, wie die grünen Bohnen aus den Pergaminos aufbereitet wurden.

Lagerhalle für Green Beans

Lagerhalle für Pergaminos und Green Beans

Fedecocagua wurde 1969 gegründet. Der Dachverband entstand aus der Notwendigkeit der Kleinbauern sich in Kooperativen zu organisieren, um Kaffee anzubauen, zu verarbeiten und zu kommerzialisieren. Ohne dabei auf Zwischenhändler angewiesen zu sein. Heute ist Fedecocagua eine erfolgreiche und anerkannte private Genossenschafts-Organisation, der in Kooperativen organisierten Kaffeeproduzenten. Sie verfügt über eine eigene Exportlizenz.

Die Kooperativen und Fedecocagua bieten tausenden guamaltekischen Familien direkte Arbeitsmöglichkeiten. Fedecocagua ist auf dem konventionellen Kaffeemarkt sowie auf speziellen und herkunftszertifizierten Märkten vertreten. Mit ihrem Gourmetkaffee kooperieren sie mit der Starbucks Company, Rainforest Alliance, UTZ Kaffee u.a. Die soziale Unterstützung der Produzenten war von Beginn an ein wichtiges Anliegen. Geleistet wird das vor allem durch die Stiftung Ulrich Gurtner Kappeler.

Huller

Schälmaschine (Huller) bei Fedecocagua

Der Prozess der Trockenverarbeitung.
In einigen Fällen wird der Kaffee in regionalen Lagerhallen entgegen genommen. Den Transport zur Zentrale übernimmt Fedecocagua. Hier wird der Kaffee gelagert, klassifiziert und für den Export verarbeitet.
Direkt bei der Anlieferung werden die Säcke mit den Pergaminos gewogen und von jedem Sack wird eine sprichwörtliche Stichprobe entnommen, womit der Feuchtigkeitsgehalt des Kaffees gemessen wird. Es wird auf fleckige, feuchte und schlecht riechende Bohnen geachtet. Normalerweise sollte der Feuchtigkeitsgehalt zwischen 10 und 12 Prozent liegen. Über 12 ist der Kaffee zu feucht, unter 10 zu trocken. Die Säcke werden geöffnet und die Pergaminos kommen in die Schälmaschine (Huller).

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Klassifizierung der Green Beans nach Gewicht

Die frisch geschälten Grünbohnen werden zunächst nach Gewicht und dann nach Größe und Farbe maschinell sortiert.

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Letzte Qualitätskontrolle per Hand

Per Hand wird in einem letzten Gang noch einmal nachsortiert, um fehlerhafte Bohnen auszusortieren.

Exportsack

Nummerierter Leinensäck, der nach Land (11), Exporteur (30) und Container (336) für den Export gekennzeichnet ist

Schlußendlich wird der Rohkaffee/Green Beans in nummerierten Leinensäcken nach Land, Exporteur und Container für den Export abgefüllt.

Cupping im Fedecocagua Kontrolllabor, das den Standards der weltweit besten Labore entspricht.
Unter der Anleitung von Gustavo Galicia, Leiter der Herstellung und Ausfuhr, bekamen wir die Möglichkeit die acht ausgewählten Kaffees für das geplante »Coffee Cup Contest« 2013 von »Tully´s Coffee« in Japan zu verkosten. Ein besondere Ehre, die uns da zu Teil wurde.

Cupping unter Anleitung von Gustavo Galicia, Leiter der Herstellung und Ausfuhr

Cupping unter Anleitung von Gustavo Galicia, Leiter der Herstellung und Ausfuhr

Die Muster stammten aus der Ernte 2012/2013 von acht Kooperativen:
»Las Brisas«, »Rio Limon«, »Esperanza del Futuro«, »Aquil«, »San Pedro Necta«, »Pena Roja«, »Acatenango«, »Nuestro Futuro«.

Alle Kaffees waren deutlich unterschiedlich und sie waren phantastisch. Besonders herrausragend waren für mich persönlich, die Kaffeemuster aus den folgenden drei Kooperativen: »San Pedro Necta«, »Pena Roja« sowie »Acatenango«.

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Besuch Finca La Merced, Nähe San Martín, Jilotepeque, Department Chimaltenango

Nun ging es in Richtung Norden auf unserer Exkursion. Durch Guatemala-City hindurch fuhren wir bis nach San Martín im Department Chimaltenango.

Ing. Juan Luis Barrios Ortega. Eigentümer von der Finca La Merced

Ing. Juan Luis Barrios Ortega. Eigentümer von der Finca La Merced

Dort auf einer Höhe von 1.600 bis 1.800 m liegt die 70 Hektar Finca »La Merced« von Ing. Juan Luis Barrios Ortega. Ortiga ist gleichzeitig im Board von Anacafé in Guatemala-City tätig. Und er ist ein sehr engagierter und leidenschaftlicher Farmer, um einen nachhaltigen und qualitativ hochwertigen Kaffeeanbau sowie die Sicherung der wirtschaftlichen Existenz der Farm zu betreiben. Jeder der großen Familie (Onkel, vier Tanten, viele Neffen) hat Anteile an dieser Farm, denen Ortega gegenüber Rechenschaft ablegen muss.

Ortega hatte in den letzten Jahren ein Umstrukturierungsprogramm eingeleitet, das in den nächsten Jahren Früchte tragen muss. Es soll ausschließlich ein selektives Picking betrieben werden. Nur die richtig reifen dunkelroten Kirschen werden gepflückt. Mit Unterstützung von Anacafé wurde eine Nassaufbereitungsanlage/Wet Mill speziell auf seinen Bedarf hin konstruiert und installiert.

Es ging los. Mit zwei Pick-ups fuhren wir in die Plantage und konnten erstmals einen Nassaufbereitungsprozess live mit erleben.

Anlieferung der frisch gepflückten Kaffeekirschen

Anlieferung von frisch gepflückten Kaffeekirschen

Die Pflücker kamen gerade mit den LKWs mit ihren frisch gepflückten roten Kirschen vorgefahren. Erst wurde gewogen.

Wet_Mill_LaMerced

Wet Mill von Finca La Merced

Dann wurden die Kirschen direkt in ein großes Auffangbecken geleitet. Weiter kamen sie in den Syphon, um erstmals gewaschen zu werden. Von dort gelangten sie direkt in den Entpulper.

Die Pulpe (40 % der Kirsche) wurde dabei separiert und auf einen weit entfernten Kompostierplatz entsorgt und sauber kompostiert. Die Kompostierplatz roch tatsächlich nach frischer Erde.

Kompostieranlage

Kirschreste nach der Entpulpung der Kaffeebohnen

Mit Hilfe einer Wasseraufbereitungsanlage kann das Wasser für den Weiterverarbeitungsprozess zwei Mal verwendet werden. 11.000 Liter für 6.000 kg. Dann wird es recycled.

Fermentationsbecken

Fermentationsbecken bei der Nassaufbereitung – Prüfung des Status

Nur beim allerletzten Schritt wird frisches Wasser nach der Fermentation eingesetzt.

Patio_LaMerced

Patio La Merced

Dann werden die sauberen Pergaminos auf den Patios unter der Bedingung einer regelmäßigen Wendung sonnengetrocknet.

In den 50er Jahren begann Ortegas Großvater mit dem Anbau von Kaffee. Es gibt noch über 60 Jahre alte Bourbon und Typica Gewächse aus den Anfängen der Farm, die immer noch gute Früchte tragen.

Aber auch hier nahm und nimmt Ortega Veränderungen vor. Da wo früher sehr großzügig – mit sehr großen Abstand (2 bis 3 m) – gepflanzt wurde, wird künftig zwischengepflanzt. 20 % der nicht mehr ertragreichen oder im frühen Stadium mit Rostpilzbefallenen Pflanzen wurden abgeholzt.

Aktuell wurden 109.000 neue Pflanzen (Bourbon, Caturra, Catuai) in der eigenen Baumschule hochgezogen. Übrigens ohne Pfropfung (Grafting) auf Robusta Stecklinge. Durch die Hochlage der Finca und den niedrigeren Temperaturen sind die Pflanzen resistenter als in niedrigeren Lagen. Die Plantage wie die Baumschule sahen phantastisch aus: sauber, grün, gesund. Wir waren begeistert.

Varietät Caturra auf La Merced

Varietät Caturra auf La Merced

Bei der aktuellen Ernte wurden drei Container à 320 Sack à 69 kg Rohkaffee (Green Beans) abgesetzt. Das Potenzial liegt bei 4 Containern, die durch das Umstrukturierungsprgramm derzeit nicht realisiert wurden. Hauptabnemer sind Kunden in den USA. In Zukunft möchte Ortega mehr direkt absetzen, auch nach Europa. Erste Kunden hat er in Norwegen und Irland.
Seine Preise lagen durchschnittlich bei 3.25 USD bis 3.30 USD FOB per lb of grean bean (amerikanisches Pfund). FOB bedeutet »Free on board«, der Rohkaffee/Green Bean wird bis zum Schiff geliefert.

Noch am Abend fuhren wir mit dem Bus nach Antigua. Übernachtung im vornehmen Hotel Porta.


Fortsetzung folgt: Besuch der Finca San Sebastian (Antigua) und Finca El Socorro (Guatemala)

Alle Text- und Bildrechte liegen bei ©kaffeewacht : Axel R. Bollmann

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Dienstag, 05. März: Besuch Cooperative LA VOZ am Atitlán Lake (Region »Traditional Atitlán«)

Hintergrund: Teilnahme an einer einmaligen SCAE-Kaffee-Exkursion nach Guatemala. Organisiert von ANACAFÉ, der »Guatemalan National Coffee Association« mit Sitz in Guatemala City. Das Programm sollte den Besuch von großen und kleinen Kaffeefarmen, eine Unterrichtung in die Aromenvielfalt und Profile der acht verschiedenen Spezialitätenkaffee-Regionen des Landes sowie in die Weiterverarbeitungsprozesse – Nass- und Trockenaufbereitung – nach der Kaffeeernte umfassen.

Guatemala-City, Hotel Clarion Suite, 05:30 Uhr Checkout, 06:00 Uhr Frühstück, 06:30 Uhr Abfahrt mit dem Anacafé-Bus. Viele bunte Busse begleiten uns auf unserer Reise durch das Land…

Ford »Blue Bird« Bus

Berühmt und viel gesehener »Blue Bird« Bus

Rund 3 Stunden ging die Fahrt jetzt Richtung Westen zum Lake Atitlán. Die Sonne schien. Es war warm. Und ich saugte die Eindrücke der Fahrt in mich auf. Bunte und schnellfahrende FORD »Blue Bird« Busse, kleine Zeltstände oder Blechhütten mit örtlichen Produkten.

Transportmittel

Typische Art des Transports…

Wanderarbeiter mit Hacke und Machete zu Fuß oder zu Pferd am Straßenrand, Blütenpracht, wilde Hunde, Menschen die auf den Pritschen der Pick-ups stehen oder sitzen, Feuerrauch, immer wieder bewaffnete Sicherheitsleute an Tankstellen, Büros und Ladengeschäften, Arbeiterinnen auf den Feldern und jederzeit sahen wir einen oder mehrere Vulkane. Beindruckend, fremd und schön.

Wochenmarkt Solála

Wochenmarkt Solála, Nähe Lake Atitlán

In  Sololá kurz vor dem Atitlán Lake machen wir Halt an einer Tankstelle für eine Pinkelpause. Aber viel interessanter: der örtliche Wochenmarkt. Becher mit frischen, bunten Melonenstückchen lachten uns an, Kinder die unter parkenden Bussen im Schatten auf ihre Mütter warteten, bunte und wohlriechende Gewürze; frische Gemüse- und Obstsorten (Pepperoni, Zwiebeln, Mais, Tomaten, Kohl, Gurken, Avocados, Limonen, Bananen und Ananas); frisches Fleisch und Würste, die offen und ohne Kühlung in den Ständen hingen, farbenprächtige Textilien, bunte Wolle, Plastikspielzeug und Töpfe. Beeindruckend. Und weiter ging die Fahrt.

»Bienvenidos Al LAGO DE ATITLAN« hieß es auf dem grünen Schild. Im Hotel »Porta del Lago« checkten wir ein.

Lake Atitlán

Am Lake Atitlán

Mit einem unglaublichen Blick auf den See und die Vulkane ließen wir die Idylle auf uns wirken. Wunderschön. Zu Fuß ging es runter zu einem kleinen Transferhafen. Mit einem kleinen Motorboot, das rund 16 Passagiere fasste, rasten wir über den See auf die gegenüber liegende Seite. Angekommen in Utz Epejtiik Xè Kukuàabàj stiegen wir um in zwei rote Mitsubishi Pick-ups. Auf den Pritschen stehend oder sitzend wurden wir die steilen Hänge aufwärts zur La VOZ Farm gefahren. Der erste Kaffeekirschbaum stand vor mir. Die ersten Kaffeekirschen meines Lebens hingen zum Pflücken nah. Hemmungslos griff ich in die Äste und pflückte die ersten Kaffeekirschen meines Lebens. Glücklich.

Cooperative La VOZ

Cooperative La VOZ

LA VOZ (Die Stimme) ist eine Kooperative, die 1979 von 20 Familien gegründet wurde. Heute arbeiten hier rund 140 Familien. Caturra und Bourbon Varietäten werden hier nebeneinander und gemischt angebaut. Auf einer Höhe von 1.500 m über dem Meeresspiegel (SHB-Qualität) werden pro Familie ca. 7 Hektar (5.000 Pflanzen pro Hektar) bewirtschaftet. Wir erfuhren, das die Ernte für dieses Jahr beendet ist – rund zwei Wochen zu früh für die Jahreszeit.

Parchment (Pergaminos) werden auf »Patios« sonnengetrocknet

Parchment (Pergaminos) werden auf »Patios« sonnengetrocknet

Die letzten Kaffees wurden  als Pergaminos auf den »PATIOS« gerade sonnengetrocknet. Fünf Container à ca. 528 Sack à 60 kg Pergaminos/ Parchments, das entspricht 5 Container à ca. 320 Sack à 69 kg Rohkaffee/Green Beans wurden dieses Jahr geerntet. Knapp 30 % weniger als letztes Jahr.

Hier sahen wir zum ersten Mal wie der Rostpilz  »Roya« gewütet hatte. Abgestorbene Blätter auf den Böden, halbnackte und kahle Bäume mit und ohne Kirschen, abgeholzte Parzellen, frisch befallene Bäume aber auch gesunde Bäume, die alle geernetet waren. Wir waren ernüchtert und etwas frustiert. Familien, die davon betroffen sind, werden andere Parzellen angeboten auf denen sie ihr erspartes Geld in den Anbau von Zwiebeln oder Tomaten investieren können.

Nach der Führung durch die Plantage zeigten uns die Verwalter die Funktion der Nass-Aufbereitungsanlage/Wet Mill und das Lagerhaus.

Zu unserer Überraschung wurden die Pergaminos/Parchments in Kaffeesäcken gelagert, die Aufschriften von anderen Spezialitätenkaffee-Regionen hatten oder sogar FAIR TRADE draufstand. Ich war irritiert. Auf Nachfragen erfuhr ich, dass es sich hier um die nachrangige Resternte handelte, die in die lokalen Märkte geht und nicht in den Export. Nichts geht verloren, aber vermutlich auch kein sinnvoller Beitrag um den Menschen vor Ort, die Qualität ihrer eigenen Kaffees zu vermitteln.
Ein angeschlossener roter namenloser Trommelröster stand in einer der Lagerhallen. Zum Abschluss durften wir die Ernte des letzten Jahres verkosten.

LaVoz Kaffeeröstung verkostet

LaVoz Kaffeeröstung verkostet

Selbst geröstete Kaffees wurden uns als French Press Zubereitung angeboten. Nicht ganz rund, aber schokoladige Noten im Aroma, mit einer leichten Citrussäure, vollmundig mit einem langen Abgang. Vielleicht war er etwas zu schnell und zu dunkel geröstet? Trotzdem ok. Nachdenklich und voller neuer Eindrücke machten wir uns auf den Weg zurück.

Rückfahrt mit dem Transferboot zum Hotel

Rückfahrt mit dem Transferboot zum Hotel

Mit dem Boot über den See ins Hotel. Der Sonnenuntergang über den Vulkanen lenkte mich ab. Unglaubliches Panorama. Notizen durchgesehen. Koffer vorbereitet. Spaziergang zum Wasser. Ein paar Postkarten geschrieben. Für 1 US Dollar pro Postkarte wurde der Versand vom Hotel organisiert. »Ob die je zu Hause ankommen werden?«

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Mittwoch, 06. März 2013:
Besuch der Los Andes Farm in Santa Bárbara im »Private Natural Reserve« im Department Suchitepequez, Region Atitlán

Gut geschlafen. Um 04:00 Uhr aufgewacht. Frühstück: 06:00 Uhr, Abfahrt: 07:00 Uhr. Suchitepequez liegt südlich des Atitlán Lakes. Wir fuhren um den See herum.

Die Landschaft verändert sich auf der Fahrt nach Süden

Die Landschaft verändert sich auf der Fahrt nach Süden

Die Vegetation veränderte sich. Die Sonne schien und es wurde wärmer (rund 25 °C bis 27 °C). Sehr grün. Zuckerrohr-Plantagen, Citrusfrüchte, Gummibaum-Plantagen und natürlich Kaffee. Nach 2,5 Stunden erreichten wir die Panama-Farm. Hier werden viele unterschiedliche Früchte und Hölzer angebaut.
Am Schlagbaum notierte sich der Wächter den Namen unseres Fahrers und das Buskennzeichen. Es ist eine riesige Farm, genannt Panama-Farm, die wir über mehrere Kilometer duchqueren mussten. Zu der Panama-Farm gehörte mal die Los Andes Farm, von der man sich aus wirtschaftlichen Gründen wohl getrennt hatte.

Finca Los Andes

Finca Los Andes

Dann erhob sich das Anwesen von Los Andes an den südlichen Hängen des Atitlán Volcano vor unseren Augen. »Jenseits von Afrika« könnte hier gespielt haben. Das musste das Paradies sein. Ein traumhafter Garten angelegt im britischen Stil mit einer Orchideenpracht, Palmen, Bananen, exotischen Blumen und Pflanzen. Ein Pool ludt zum Baden ein. Der Blick ins Tal: faszinierend. Und hinter der Farmvilla erhebt sich majestätisch der Atitlán Volcano. Es war atemberaubend. Wir waren verzaubert. Freundlich wurden wir von der Familie »Hazard« (Vater & Tochter) begrüßt und auf unsere Zimmer geleitet.

Auf der Terrasse nahmen wir eine frische Limonade oder einen Eistee zu uns. Was für ein Kontrast zu La Voz.

Los Andes Schule

Los Andes Schule

Noch etwas benommen von den Natureindrücken besuchten wir als erstes die privat organisierte Schule (rund 50 Schüler, im Alter von 6 bis 10 Jahre) von Los Andes. Es sind Kinder der Menschen, die rund um die Farm leben und arbeiten. Erziehung zur Selbstverantwortung ist das Leitprinzip. Jede kleine Gruppe an Schülern wird eine Aufgabe am Schultisch übertragen für die er/sie verantwortlich ist (Sprecher, Materialbeschaffung, Ordnung etc.). Die Kinder stellten sich bei uns mit Namen und Aufgabenbereich vor und sangen uns einstudierte Lieder vor. Es war sehr berührend.

Los Andes Schule

Los Andes Schule

Nach der Aufführung bedankte sich Colin Smith (Reisekkordinator) bei allen Kindern und übergab Buntstifte, Filzstifte und Lineale sowie Papierblöcke, die er im Namen der SCAE aus England mitgebracht hatte. »Es ist eine große Freude und eine sinnvolle Maßnahme, die die Kinder brauchen«, meinte der Schuldirektor/Lehrer, der übrigens auch der lokale Arzt ist, wie wir später überraschend erfuhren.Denn es gibt auch eine eigene Krankenstation auf Los Andes.

Mit den Schülern an der Chicken-Farm

Von den Schülern selbst verwaltete Chicken-Farm

Weiter ging es zu einer kleinen Chicken-Farm und zum Gemüsegarten, die auch in Selbstverwaltung der Kinder stehen. Hier lernen sie den Nutzen von Hühner- und Gartenhaltung kennen und wie man damit Geld verdient. Ein selbst geerntetes Radieschen durfte ich direkt probieren. Es gibt auch einen Fußballplatz für die Kinder und Erwachsenen.

Ein kleiner Kolonialwarenladen steht unter gemeinschaftlicher Verantwortung der örtlichen Dorfgemeinschaft, finanziert von den Eigentümern der Los Andes Farm. Die Überschüsse aus dem Produktverkauf des Ladens werden gemeinschaftlich geteilt und gespart. Der lokale Laden reduziert die Betriebskosten für Fahrten in die nächste Stadt, die viele Kilometer entfernt ist.

Präsentation: Kaffeeanbau auf Los Andes

Präsentation: Kaffeeanbau auf Los Andes

Zurück zu Kaffee.
Von der 630 Hektar großen Farm werden 104 Hektar mit Kaffee angebaut. Caturra, Catuaí, Catimor und Sarchimor Varietäten werden angebaut. Zwei Drittel »Strictly Hard Bean« und ein Drittel »Hard Bean«. Geerntet wird von November bis Januar. Die Erntezeit ist auch hier vorrüber.
Neben Kaffee werden auch Tee (23 Hektar), Quina – hilft gegen Malaria (30 Hektar), Macadamia (22 Hektar) und Kakao (12 Hektar) angebaut. Der Rest (420 Hektar) ist Waldgebiet.

Baumschule (Grafting) auf Los Andes

Baumschule (hier: Grafting) auf Los Andes

Am Nachmittag besuchten wir die Baumschule. Die Jungpflanzen wachsen über acht Monate von der Saat bis zu einer Größe von 20 cm. Alle Jungpflanzen werden anschließend gepfropft. Eine entsprechende Arabica Varietät wird auf eine Robustapflanze transplantiert. So nutzt die Arabicapflanze die Resistenz der Robusta-Wurzel gegen Krankheiten. Allerdings hilft das nicht gegen den Rostpilzbefall auf den Blättern. Daher werden auf Los Andes mehr »Sarchimor «und »Catimor« Jungpflanzen angebaut, die resistent gegen den Pilzbefall derzeit scheinen. Sarchimor soll im Vergleich zu Cartimor ein besseres Cup Profil haben.

Kompostieranlage auf Los Andes

Kompostieranlage auf Los Andes

Etwas entfernt lag eine große Kompostanlage in der sich massenhaft Regenwürmer durch die abgesonderte Pulpe der Kaffeekirschen fraßen. Dieser natürliche Restmüll wird von den Würmern in wertvollen Humus gewandelt, der als natürlicher Dünger wieder eingesetzt wird. Dieser Humus enthält im Durchschnitt fünf mal mehr Stickstoff und Kalium, sieben Mal mehr Phosphor und doppelt soviel Kalzium als der Wurm vorher eingenommen hat. Nicht schlecht für einen Haufen Würmer, die sonst als Fischfutter eingesetzt werden.

Wet Mill Anlage auf Los Andes

»Trockene« Wet Mill Anlage auf Los Andes

Weiter ging es zu der »Peligro«, der Nass- Aufbereitungsanlage, wo die frisch gepflückten Kirschen normalerweise entpulpt werden. Aber auch diese Anlage stand bereits still, da die Ernte bereits beendet war. Wir wurden etwas nervös. Dass wir diesen Weiterverabreitungs-prozess auf unserer Reise vielleicht gar nicht mehr sehen können.

Colin Smith telefonierte mit Anacafé in Guatemala City. Eine Stunde später erhielten wir eine Planänderung und das Versprechen, dass Direktor Luis Ortega uns seine Farm La Merced bei San Martin in Chimaltenango zeigen wird. Sie liegt höher als andere Farmen. Der Kaffee wächst dort länger, entsprechend später wird geerntet und weiterverarbeitet. Erleichterung und Freude kamen  bei uns allen auf. Und Dankbarkeit für die hohe Flexibiliät und die Einsatzbereitschaft für unsere Interessen.

Am Abend fing es an zu Regnen. Nach dem abendlichen Buffet mit Gemüse, Kartoffel, Huhn und Tortillas bot uns Familie Hazard die Gelegenheit ihre Kaffee-Ernten zu probieren.
Sie hatten vier Sorten geröstet. Zu unserer Überraschung kannten sie nicht das Geschmacksprofil und hatten im Verkosten keinerlei Erfahrung. Sie hatten diese Kaffees nur für uns rösten lassen.

Cupping auf Los Andes

Cupping auf Los Andes

Tibor Hajcsunk (li.) von Pasco in Ungarn, der schon unzählige Barista- und Cuppingmeisterschaften gejudged hat, bereitete ein Cupping für uns vor. Fünf Cups pro Kaffeeröstung. 15 g wurden für 200 ml gewogen und grob gemahlen und dann gebrüht.

Ein Kaffee stach heraus »Lot 11«. Rund, schöne Süße, feine, elegante Säure, blumige Noten, gefolgt von Fruchtaromen, die an Himbeeren erinnern; vollmundig im Abgang. Leider wußte Mrs. Hazard nicht, was für ein Single Origin Kaffee der »LOT 11« war …

Fortsetzung folgt: phantastischer Sonnenaufgang, Besuch der Finca Rosario Quezada und Dry Mill & Exporteur Fedecocagua, Pacaya sowie Besuch der Finca La Merced

Alle Bild- und Textrechte liegen bei ©kaffeewacht : Axel R. Bollmann

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Am 6. Dezember 2012 erhielt ich eine E-Mail von J. Richards (Membership Coordinator) von der SCAE »Speciality Coffee Association Europe« von der Oak Lodge Farm aus Bicknacre Essex in UK. Es war eine Aufforderung zur Teilnahme an einer einmaligen Kaffee-Exkursion nach Guatemala. Organisiert von ANACAFÉ, der »Guatemalan National Coffee Association« mit Sitz in Guatemala City.
Das Programm sollte den Besuch von großen und kleinen Kaffeefarmen, eine Unterrichtung in die Aromenvielfalt und Profile der acht verschiedenen Spezialitätenkaffee-Regionen des Landes sowie in die Weiterverarbeitungsprozesse – Nass- und Trockenaufbereitung – nach der Kaffeeernte umfassen. Ergänzt um ein kleines Kulturprogramm nach Antigua (ehemalige Hauptstadt) und Takalik Abaj (große Maya-Ausgrabungsstätte des Landes).

Guatemala

Guatemala – südlich von Mexiko (Halbinsel Yucatán). Nördlich von Honduras und El Salvador. Westlich von Belize.

Noch nie war ich in einem Ursprungsland für Kaffee gewesen. Wo genau liegt noch mal Guatemala? Schnell gegoogelt. Na klar in Zentralamerika. Südlich von Mexiko (Halbinsel Yucatán). Nördlich von Honduras und El Salvador. Westlich von Belize. Das sind die unmittelbaren Nachbarländer. Im Einflußgebiet von Pazifik, Atlantik und des Golf von Honduras. Bestes Klima für Kaffee. Jetzt hatte ich endgültig Feuer gefangen. Angemeldet. Und einen Flug gebucht.

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Am Sonntag, 3. März 2013 flog ich mit American Airlines über London, Dallas nach Guatemala City. Mit Wartezeiten an den Flughäfen brauchte ich knapp 24 Stunden. Egal. Freundlich begrüßt von Anacafé Mitarbeitern am Flughafen wurde ich ins Hotel gefahren. Eingecheckt im Clarion Suite Hotel fiel ich in einen kurzen aber tiefen Schlaf.

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Montag, 4. März 2013: 08:00 Uhr Frühstück in einer exotischen open-air area des Hotels. Begrüßung durch Colin Smith aus UK, der SCAE-Reisekoordinator der Gruppe. Colin war lange Jahre Präsident der SCAE und hatte schon viele Reisen dieser Art durchgeführt. Aber noch nie nach Guatemala.

SCAE-Besuch bei ANACAFÉ im Headquarter in Guatemala-City (©Foto: Colin Smith)

SCAE-Besuch bei ANACAFÉ im Headquarter in Guatemala-City (©Foto: Colin Smith)

Insgesamt gab es 15 Teilnehmer aus England (5), Ungarn (4), Ukraine (1), Honduras (1), Schweden (2), Irland (1) und ich aus Deutschland. Um 09:20 Uhr fuhr der Anacafé-Bus vor. Enrique (Reiseführer) und Alberto (Fahrer), beide von Anacafé, begleiteten uns auf unserer kompletten Expedition. Jetzt konnte das Abenteuer beginnen. Unsere erste Tour führte ins Headquarter von Anacafé in Guatemala-City.
Direktor Ing. Juan Barrios von Anacafé ist wie die meisten der 90.000 Mitglieder, Inhaber einer Kaffeefarm (Finca La Merced, Nähe San Martin, nordwestlich von Guatemala City). Er präsentierte uns das Kaffeeland Guatemala mit Hilfe einer sehr anschaulichen Präsentation.

Bild

Guatemalan Coffee in the World

Kaffee in Guatemala
Auf 270.000 Hektar (2.700 qkm) wird in Guatemala zu 98 % Arabica-Kaffee angebaut. Diese Fläche entspricht 2,5 Prozent des Landes. Der beste und meiste Kaffee wird in einer Höhe von ca. 1.300 bis 2.000 m (ü.d.M) kultiviert. Der Einfluß von Atlantik, Pazifik und dem Golfstrom, unterschiedliche Böden (»Vulkanerde«, Lehm und Ton, Kalkstein) sehr unterschiedliche, aber regelmäßige Niederschlagsmengen (800 bis 5.000 mm) und ein mildes Klima ergeben über 300 verschiedene Mikroklimazonen, die zu sehr unterschiedlichen Kaffeeprofilen führen. Nahezu alle Kaffeeplantagen (98 %) schützen ihren Kaffeeanbau durch Schattenbäume. Typische Arten sind Inga (ca. 50 %), Gravilea, Palo Blanco, Madrecacao u.v.m. Darüber hinaus werden die meisten Kaffees (98 %) nass aufbereitet und anschließend auf Patios sonnengetrocknet. Diese Voraussetzungen machen das Land so besonders für hervorragenden Spezialitätenkaffee. Es gibt 5 Qualitäten: 1. Prime, 2. Extra Prime, 3. Semi Hard, 4. Hard, 5. Strictly Hard Bean (SHB = beste Qualität). Rund 70 Prozent der ca. 3.72 Millionen Sack à 60 kg Rohkaffee (Green coffee) wurden im letzten Jahr (2011/12) in SHB-Qualität exportiert. Je höher der Anbau, desto länger das Wachstum, desto härter die Bohne, desto besser die Qualität.
Zu Beginn der 90er Jahre hatte Anacafé das Land präzise nach Cup Profil (Klimabedingungen, Spezies und Varietäten, Weiterverabeitung), Klima (Regen, Temperaturen, Luftfeuchtigkeit), Böden und Anbau-höhe in 7 später 8 Spezialitätenkaffee-Regionen abgegrenzt, die konsequent SHB-Qualität produzieren und höchste Standards für Rohkaffee erfüllen.
Die 8 Regionen sind: Acatenango, Antigua, Atitlán, Cobán, Frajanes, Huehue, New Oriente, San Marcos.
Hauptexportland sind die USA (45 bis 50 %). In Europa (27 %) ist Deutschland der größte Abnehmer (8 %). Japanische Kunden (13 %) beziehen die besten Qualitäten meist direkt von ausgewählten Plantagen. Dazu veranstalten japanische Kaffee-Experten wie »Tully´s Coffee« zum Beispiel einen »Coffee Cup Contest«, wie auch dieses Jahr, zu dem aus den Spezialitätenkaffee-Regionen von Guatemala verschiedene Rohkaffees zum Rösten und Verkosten eingekauft werden, um die besten Kaffees zu selektieren.

Exkurs: »Roya« – die Kaffeeblatt-Rostpilz-Krankheit
Besondere Aufmerksamkeit hat seit 2010/11 der starke Ausbruch des Kaffeeblatt-Rostpilz, genannt »Roya«. Erste Anzeichen des Kaffeerosts sind kleine gelbe Flecken auf der Unterseite der dunkelgrünen Blätter der Büsche. Die werden immer grösser, das Blatt färbt sich und wird schließlich von einem weissen Pulver überzogen. Dann fallen die Blätter ab, und die Kaffeefrucht ist schutzlos der Sonne ausgeliefert. Die Konsequenz: Die wenigen Kaffeebohnen, die noch übrig bleiben, sind von minderer Qualität. Aktuell sind 193.200 Hektar der 270.000 Hektar befallen (ca. 70 %). Der prognostizierte Absatz für 2012/2013 liegt bei 3.1 bis 3.5 Mio. Säcke à 60 kg und für 2013/2014 bei 2.2 bis 2.9 Mio. Säcke à 60 kg. Im schlechtesten Fall würde das einen Absatzrückgang um ca. 40 % zu 2011/2012 bedeuten.

Bild

Guatemalan Coffees – total exports and FX earnings

Die sozio-ökonomischen Auswirkungen sind katastrophal: ein möglicher Verlust von ca. 185.000 (ca. -37 %) Arbeitsplätzen sowie eine mehr als Halbierung der Einnahmen um ca. 580 Mio. US Dollar werden prognostiziert.
Das Zusammenspiel von Regen, Sonnenschein und Temperaturen waren in 2010/2011 ideal für eine rapide Ausbreitung des Kaffeeblatt-Rostpilz. Nicht zu kalt. Nicht zu heiß. Wie ein »Waldbrand« konnte sich der Pilz verbreiten. Die Pflanzen sind größtenteils so stark angegriffen, dass sie entweder bis auf 20 cm über den Stumpf abgeholzt oder komplett ersetzt werden müssen. Fungizide helfen nur im frühen Stadium des Pilzbefalls. Betroffen sind die am meisten verbreiteten Varietäten Caturra und Bourbon.
Eine Revitalisierung braucht je nach Anbauhöhe ein bis 2 Jahre Zeit. Aktuell werden neue Hybride entwickelt, die gegen den Pilz resistent sind. Resistente Kaffeepflanzen sind u.a. Robusta und Catimor. Aber keine Qualitätsalternative zu den beiden o.a.
Die Maßnahmen (finanzielle Unterstützung) seitens der Regierung scheinen nach Einschätzung von ANACAFÉ noch deutlich Potenzial nach oben zu haben. Nach Meinung einiger Kaffee-Experten großer und erfolgreicher Plantagen, die namentlich nicht genannt werden, wird das Problem seitens der Regierung aber eher ausgeblendet oder will nicht gesehen werden … »Kaffeerost haben wir schon immer gehabt«. Anhand der Zahlen ist das eine fatale Fehleinschätzung. Kaffee ist nach Textilien wohl das zweitwichtigste Exportgut für Guatemala.

ANALABOR

Im Analabor

Im »Analabor« hatten wir anschließend ausführlich Gelegenheit mit den Analysten über die Kaffee-krankheit zu sprechen. Eine Art Krebsgeschwür, das sehr schwer in den Griff zu bekommen ist.

In den folgenden Tagen bekamen wir noch Gelegenheit auf den einzelnen Farmen mit den Eignern über die Seuche und deren Einschätzung zu sprechen.

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Amazing Cupping:
Verkostung von Kaffees aus 8 unterschiedlichen Mikroklimata-Zonen

Im Anacafé »Untersuchungslabor für Sensorik« wurden wir eingeladen Repräsentanten aus den 8 Spezialitätenkaffee-Regionen des Landes zu verkosten.

ANACAFÉ - Untersuchungslabor für Sensorik

ANACAFÉ – Untersuchungslabor für Sensorik

Fünf Kaffee-Cups pro Region wurden aufgebrüht. Nach vier Minuten wurde die Kruste aufgebrochen und intensiv geschnuppert. Erst nach 12 bis 15 Minuten ist das Getränk, nach Auffassung der Anacafé Senorik-Experten, so heruntergekühlt, dass es die optimale Trinktemperatur zur Analyse hat. Innerhalb von maximal 30 Minuten sollte dann das Tasting abgeschlossen sein.

Anacafé Sensorik Team

Anacafé Sensorik Team

Die Süsse/Sweetness schmeckt man vorne an der Zunge. Die Säure/Acidity an den Zungenseitenrändern. Die Intensität des Körpers/Body beim Abgang am Hals und die Aromen/Flavours am Gaumen über die Nase.

Und tatsächlich alle Kaffees schmeckten sehr unterschiedlich. Herausragend waren für mich persönlich die Kaffeemuster aus Acatenango (ausgeprägte Säure, komplexe Aromen, ausgewogen und rund mit einem klaren, nachhaltigen Abgang) und aus San Marco (zarte blumige Noten im Aroma und im Geschmack, deutlich hervortretende Säure und vollmundig). Ein phantastisches Kaffeegenusserlebnis.

Allein dieser Tag war schon die Reise wert. Erschöpft und voller sinnlicher Eindrücke ging es zurück ins Hotel zum Abendessen.

Fortsetzung folgt… Reise zum Lake Atitlán, Besuch der Cooperative LA VOZ, Finca Los Andes

Alle Rechte an Fotos und Texten liegen bei ©kaffeewacht : Axel R. Bollmann.

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Am »Tag des Kaffees« in Berlin, Uhlandstraße

Am »Tag des Kaffees« in Berlin, Uhlandstraße

Am heutigen Wahl-Sonntag verkosteten wir – zusammen mit Eva Tiffany Bollmann, Cafétier – einen organisch angebauten »Sidamo« Kaffee aus Äthiopien.
Ein 100 Prozent »zertifizierter Regenwaldkaffee«. Aus der Region »Guji« im Süden dieses Landes, so steht es auf dem Etikett der Verpackung.

Erworben haben wir den frisch gerösteten Kaffee unter dem Namen »Äthiopien Sidamo« anläßlich des Tag des Kaffees am 25. November 2009 für 4,50 Euro (Aktionspreis) anstatt 7,60 Euro für 250 g bei der Berliner Kaffeerösterei bzw. der Fa. Regenwald Biofood GmbH, die diesen Tag unter das Motto 100 % zertifizierter Regenwaldkaffee stellten.

Was ist ein 100 % zertifizierter Regenwaldkaffee?
Nach Angaben der Regenwald Biofood GmbH, eine Schwestergesellschaft der IFBI und der Berliner Kaffeerösterei, versteht man unter Regenwaldkaffee: erstens die Übernahme von sozialer Verantwortung. D.h., dieser Kaffee wird auf Plantagen angebaut, wo die Arbeiter und deren Familien »respektvoll« behandelt werden und das meint: »eine angemessene Bezahlung; allen Kindern wird bis zum 12. Lebensjahr eine Schulausbildung ermöglicht; die Familien erhalten Zugang zu medizinischer Versorgung.

Regenwaldkaffee bedeutet soziale, ökologische und biodynamische Verantwortung

Regenwaldkaffee bedeutet soziale, ökologische und biodynamische Verantwortung

Zweitens bedeutet es ökologische Verantwortung:
Wälder, Flüsse und Böden werden geschützt. So dass die einzigartige Landschaft, Wildtiere und seltene Pflanzen für künftige Generationen erhalten bleibt.

Schlußendlich ist ein biodynamischer und handwerklicher Anbau nach den strengen Richtlinien der EU-Bioverordnung von Relevanz:
die ab 1.500 m Höhe wachsenden Spezialitätenkaffees (langsames Wachstum, intensive Aromaausbildung) werden natürlich gedüngt und mit der Hand gepflückt (Picking-Methode). Nur die roten reifen Kirschen werden aufwendig weiterverarbeitet.
Für die nasse Aufbereitung – sofern gewünscht – der geernteten Kaffeekirschen werden zum Beispiel Wasser-Wiederaufbereitungsanlagen eingesetzt, was eine Bedingung für die Rainforest Alliance Zertifizierung ist, so Jennifer Ait-Djoudi von der Regenwald Biofood GmbH (Anmerkung: für 1 kg Rohkaffee werden 100 bis 150 l Wasser benötigt!!!)«.

Seit Anfang 2008 ist das Thema »Rainforest Alliance Certified« bei der »Regenwald Biofood« en vogue. Es wird als Alternative zu »Fair Trade« gesehen. Darüber hinaus will man auf das reine Öko- beziehungsweise BIO-Thema noch eins drauf setzen. Und es scheint sich durchzusetzen. Die Akzeptanz ist da und die Nachfrage steigt.
In Äthiopien kooperiert die Regenwald Biofood GmbH übrigens mit der äthiopischen Organisation More Mora Development of Organic Coffee mit Sitz in Addis Abeba. Eine Organisation vor Ort, die wohl nur organisch angebauten Kaffees in Äthiopien verantwortet. (MOREDOCOFE – Achtung Google warnt aktuell leider davor auf diese Site zu gehen!)
Nach Angaben der Regenwald Biofood betreibt Moredocofe bereits seit 2001 organischen Kaffeeanbau. Sie sollen vor allem mit Kleinbauern in Kooperativen aus der Guji-Region zusammenarbeiten. Diese Region soll ca. 520 km südlich von Addis Abeba liegen. Hier wird der Kaffee ausschließlich biologisch angebaut und naturnah aufbereitet.

250-g-Packung Kaffee »Äthiopien Sidamo« von Regenwald Biofood

Charakter laut Packungstext: blumig, würzig, feine Säure, mittelkräftig

Zur weiteren Herkunft:
Bekannt ist sicherlich, dass Äthiopien im Nord-Osten Afrikas liegt. Er grenzt zum Beispiel an den Sudan, Kenya oder Somalia. Äthiopien ist auch größer als die Bundesrepublik Deutschland, ungefähr dreimal so groß.
(Fast) jeder weiss auch, dass Äthiopien die Urheimat des Arabica-Kaffees und ein bedeutendes Kaffee-Erzeugerland für Arabica-Kaffees ist.

Zum Begriff »Sidamo« (von Kaffeesorte, Kaffeecharakter, Region, Zone bis Volksgruppe) habe ich allerdings nur wenige, dazu widersprüchliche Aussagen bzw. Informationen erhalten. Es gibt weder eine Kaffeesorte noch eine Region, die so heißt, was zu einer gewissen Irritation führt, wenn man den Namen auf der Packung liest. Man spricht von einem »Sidamo Charakter«, der bei Kaffee-Experten bekannt ist. Aha?!

Nach meinen Recherchen gab es mal (bis zur Verwaltungsreform 1994) eine “Provinz Sidamo”. Seit dem aber nur noch eine “Sidama Zone”. Und die Sidama sind eine Volksgruppe, die im Südwesten Äthiopiens in der Sidama-Zone der Region Southern Peoples, Nations & Nationalities leben. So.

Aber was ist der »Sidamo-Charakter«?
Versuchen wir selbst hinter das Geheimnis zu kommen. Vermutlich gibt es nicht den Charakter. Bezogen auf diesen Kaffee von der »Marke« Regenwaldkaffee wollen wir es jetzt aber wissen.

Was war die Ausgangssituation?
Der Kaffee kommt aus der Guji-Region** (liegt nicht in der Sidama-Zone?!), aus einer Anbauhöhe von 1.600 bis 2.000 m, es handelt sich um Arabica-Hybride – eine Varietät, die nicht näher erläutert wird, und es handelt sich um eine Medium-Röstung, die im schonenden Langzeitchargenröstverfahren von einem sehr erfahrenen Röstmeister (Ronald Albrecht von der Berliner Kaffeerösterei) veredelt wurde.

Zertifizierter Regenwaldkaffee in der Cafétiere aufbereitet

Zertifizierter Regenwaldkaffee in der Cafétiere zubereitet

Zur Verkostung bereiten wir den Kaffee in der Cafétiere (Press-Stempelkanne) zu.
Wir mahlen 20 g des medium gerösteten Kaffees bei einem mittleren Mahlgrad.  Befüllen die Cafétiere (0,35 l Volumen) mit dem frischen Mahlgut und gießen gefiltertes nicht mehr kochendes Wasser über den Kaffee. Rühren das frisch aufgebrühte Getränk um, damit sich die freisetzenden Öle, Fette, Zucker und Säuren mit dem Wasser gut verbinden. Erst dann setzen wir den Deckel mit Stempel auf die Kanne und lassen das Gebräu ca. vier Minuten ziehen. So hat das Getränk genügend Zeit seinen aromatischen Geschmack zu bilden. Dann erst drücken wir den Stempel langsam nach unten. So dass sich kaum Kaffeesatz im Getränk selbst befindet. Und genießen den Kaffee pur: schwarz! Ohne Milch. Ohne Zucker.

Unser Genuss-Erlebnis:
Nougat, Blumen (Butterblumen?), leichte Gewürze steigen uns in die Nase. Es riecht nach Harmonie. Betörend. Im Geschmack werden wir nicht enttäuscht! Leicht schokoladig. Ein würziger, mittelkräftiger Kaffee mit einer feinen Säure. Vor allem wirkt dieser Kaffee rund. Ein in sich stimmiges Genusserlebnis. Bei einem mittleren Abgang. Wir sind begeistert. Ein Kaffee, der zu den BESTEN gehört. Kompliment. Sidamo. Wie auch immer dieser Name geprägt wurde. Hier muss weiter recherchiert werden…*

Auf unserer Genuss-Skala von 1 bis 10 bekommt der Rainforest- und BIO-zertifizierte »Äthiopien Sidamo« von der Regenwald Biofood GmbH, eine gute ZWEI.

* Nach Rücksprache mit der äthiopischen Botschaft in Berlin bekam ich von Eshete Tilahun folgenden Hinweis zum Thema SIDAMO/SIDAMA:
»As you said the regional name Sidamo was generally used as an accustomed reference to the best coffee coming from the area of Sidama Zone. This time around the confusion, I think, comes from the fact that people of that zone prefer to be called Sidamas than the old designation Sidamo. To my understanding using the old name should not be an impediment for reference to the best quality coffee from the area. Currently one of the top graded coffees in Ethiopia comes from Sidama zone, particularly a district called Yirgachefe, and the coffee is also known as Arabica Coffee Yirgachefe type. I hence advise you to refer the product as Sidama Coffee or by its special area as Yirgachefe, Yirgalem, Wondo, Agere Mariam, and others.«

»SIDAMO« scheint also ein Art Markenbegriff für einen charakteristischen Geschmack zu sein oder gewesen zu sein, dessen Name heute aber eigentlich »SIDAMA« lauten könnte oder müsste.  Vielleicht wäre es verständlicher, auf die einzelnen Herkunfts-Distrikte für Spitzenkaffee in Äthiopien zu verweisen, wie zum Beispiel Yirgachefe, wenn er denn daher kommt?
**Ubrigens gehört Guji (Hinweis auf der Packung) nicht zur Sidama Zone, sondern ist dem Oromia Regional State zugeordnet, sagt Eshete Tilahun.
Insgesamt wäre aber Aufklärungsarbeit seitens des äthiopischen, vielleicht auch des deutschen Kaffeeverbandes, sicher aber des Handels hilfreich, denn die Situation ist für viele Konsumenten unübersichtlich. Wir bleiben am Thema dran …

© 2009 by Axel R. Bollmann

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Kenianische Kaffeesorte aus der Region Kenya Mountain von der Münchner Supremo Kaffeerösterei verkostet.

Top Massai aus der Region Mount Kenja am Äquator

Top Massai aus der Region Mount Kenja am Äquator.

Mehrmals in der Woche verkosten wir – zusammen mit Eva Tiffany Bollmann, Cafétier –  eine interessante Kaffeesorte.
Heute probierten wir einen sortenreinen Kaffee (Grand Cru Café aus Afrika) von der Supremo Kaffeerösterei in Unterhaching bei München: »Top Massai« vom Mount Kenya.

Die Kaffeemanufaktur Supremo ist ein Familienbetrieb. Sie haben sich zur Aufgabe gemacht, beste und seltene Kaffeesorten mit größter Sorgfalt zu rösten. Ziel ist es, ein perfektes Geschmackserlebnis zu bekommen.

Herkunft der Kaffeesorte :
Das Mount-Kenya-Massiv ist das zweithöchste Bergmassiv in Ostafrika, ca. 15 km südlich des Äquators in Kenya. Die besondere Landschaft des Mount-Kenya-Massivs wurde von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt. Das tropisch-feuchte Hochgebirgs-Klima entwickelte eine einzigartige Flora, in der ungezählte Pflanzenarten gedeihen. Viele von ihnen haben einen prachtvollen Wuchs – sie werden zumeist größer als anderswo. Ähnlich wie am Kilimandscharo umgeben den Fuß des Massivs fruchtbare Äcker und Felder: Dort am Äquator wird eben auch Kaffee angebaut. In bis zu 2000 m Höhe.

Preis: 6,40 Euro für 250 g
250 g »Top Massai« Röstkaffee kostet bei Supremo 6,40 Euro.
Er wird als aromatisch, kräftig, fruchtig, beerig beschrieben. Mit einem guten Körper und feiner Säure. Bei der Bohnenqualität handelt es sich um AA »Top« (eigentlich »plus«), also die zweitbeste Qualität in Kenya. Der Preis versteht sich übrigens zzgl. Versandkosten in Höhe von 2,50 Euro. Es macht Sinn gleich mehrere Kaffeesorten bei Supremo zu bestellen.

20 g Bohnen für 0,35 l Cafétiere mahlen (mittlerer Mahlgrad)

20 g Bohnen für 0,35 l Cafétiere mahlen (mittlerer Mahlgrad)

Zubereitet in der Cafétiere:
Wir folgen der Zubereitungsempfehlung (Cafétiere) von Supremo und mahlen 20 g des mittelbraun gerösteten Kaffees bei einem mittleren Mahlgrad. So dass sich der gemahlene Kaffee wie Sand zwischen den Fingern anfühlt. Befüllen die Cafétiere (0,35 l Volumen) mit dem frischen Mahlgut und gießen gefiltertes nicht mehr kochendes Wasser über den Kaffee. Rühren das frisch aufgebrühte Getränk mit einem langen Plastiklöffel um (so entstehen keine Kratzer am Glas), damit sich die freisetzenden Öle, Fette, Zucker und Säuren mit dem Wasser gut verbinden. Erst dann setzen wir den Deckel mit Stempel auf die Kanne und lassen das Gebräu ca. vier Minuten ziehen. So hat das Getränk genügend Zeit seinen aromatischen Geschmack zu bilden. Dann erst drücken wir den Stempel langsam nach unten. So dass sich kaum Kaffeesatz im Getränk selbst befindet. Und genießen den Kaffee pur: schwarz! Ohne Milch. Ohne Zucker.

Zubereitet in der Cafétiere: ca. 20 g bei 0,35 l Volumen

Zubereitet in der Cafétiere: vier Minuten ziehen lassen

Unser Genuss-Erlebnis:
In der Nase nehmen wir Erde, Moor, Rinde, frischen Baumschnitt und Moose wahr. Geschmacklich wirkt der Massai kräftig, rauchig, gute Fülle mit einer feinen Säure. Er schmeckt nicht ganz rund. Wenig fruchtig, dabei aber mit einer eigenen charakteristischen Note: pampelmusig (Grapefruit). Im Abgang bleibt er lange erhalten.

Insgesamt bekommt er bei uns, auf einer Skala von 1 bis 10, eine gute VIER.

© 2009 by Axel R. Bollmann

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